Nachtaufnahme:
Die Lichter des Oktoberfests

Nachts ist die Zeit des Lichtmalens, und was eignet sich besser dafür als ein Rummel mit all den blinkenden Lichtern und bunten Farben? Jürgen Schulte hat sie festgehalten.

Kommentar des Fotografen:

Impression vom Oktoberfest 2009 in München. Ich finde das Farbenspiel sich schnell drehender Fahrgeschäfte faszinierend. Mit einer etwas längeren Belichtungszeit erfasst man nicht nur die Dynamik der Bewegung. Ähnlich einer sich schnell drehenden Palette eines Malers entstehen immer neue Farbspiele und Formen, die die konkrete Technik des Karussels völlig in den Hintergrund treten lassen. Ein Eindruck, der dem flüchtigen Beobachter meist verborgen bleibt.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Jürgen Schulte:

Das Zeichnen mit Licht ist eine Art der Kunst, bei der die Fotografie (und zum Teil auch der Film) zur Hochform auflaufen.

Besonders nachts, wenn die natürlichen Lichtquellen ihre Arbeit eingestellt haben und nur die unzähligen bunten, blinkenden, strahlenden, werbenden Lichtquellen der Menschen in jeder Farbe, Form und Größe die Umgebung erhellen, ist es für Fotografen ein wahres Paradies, mittels längerer Belichtungszeiten diese flüchtigen Momente trotzdem festzuhalten.

Einer der dankbarsten Orte für solche Versuche ist der Jahrmarkt oder Rummel, Kirmes, Messe, wie er auch genannt wird. Riesige Fahrschäfte, bunte Büdchen, leuchtende Reklametafeln. Auch Jürgen Schulte nutzte die Gunst der späten Stunde, indem er auf dem Münchener Oktoberfest fotografierte.

Spannend finde ich vor allem die Kombination aus Licht und Dunkel sowie Bewegung und Stillstand. Im Bild ist die Balance zwischen Teilen der Nacht und den glitzernden Lichtern gut ausgewogen, der Betrachter kann sich gut vorstellen, wie es ungefähr gewesen sein müsste. Das gleiche gilt für die Bewegung und Ruhe. Der große “Parkour”-Schriftzug ist scharf und deutlich zu lesen, auch die Position im Bild vermittelt Ruhe. Darunter dann die quirligen, wild bewegten Farben des Fahrgeschäfts, die den Spaß und die Geschwindigkeit gut einfangen.

Leider gibst Du nicht an, ob Du ein Stativ benutzt hast. Interessant wäre es gewesen, eine Serie mit verschiedenen Belichtungszeiten zu sehen, sowohl kürzere als auch längere. Wobei dieser Mittelwert schon einen gelungenden Effekt ergeben hat.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare

  1. Schtonk!
    schrieb am 17. Februar 2010 um 09:25 Uhr (#)

    Hmmmm…also 75 mm plus Verlängerungsfaktor und 1/6 s – das kann ich mir ohne Stativ auch mit Bildstabilisator nicht wirklich vorstellen…

  2. R. Kneschke
    schrieb am 17. Februar 2010 um 09:52 Uhr (#)

    Es könnte ja sein, dass sich irgendwo abgestützt wurde (Geländer o.ä.)

  3. Jürgen Schulte
    schrieb am 17. Februar 2010 um 12:24 Uhr (#)

    Zunächst einmal herzlichen Dank für Eure Kommentare. Zu der offenen Frage: Ja, ich habe ein Stativ benutzt. Das Problem bestand nur darin, den nicht enden wollenden Menschenstrom vor dem Karussell für einen Moment zu stoppen. DAS klappte mit Hilfe eines recht angeheiterten Wiesnbesuchers, der sich mit lauter Stimme in die Menge warf und den Strom mit einem donnernden “HAAALT, PRESSE” stoppte.

  4. Moritz
    schrieb am 17. Februar 2010 um 13:55 Uhr (#)

    Ich habe hier noch ein ähnliches Foto gesehen:
    http://jakuuub.de/2010/02/16/polyp/

    Es würde mich sehr interessieren, wie Du dieses Foto im Vergleich zum Foto von Jürgen beurteilst.

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