Produktaufnahme:
Studiofoto mit geringem Budget

Einfache Dinge mit einfachen Mitteln zu fotografieren ist eine Herausforderung, der wir uns alle immer mal wieder stellen sollten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Uwe Minuth).

Kommentar des Fotografen:

Ein Stilleben mit großer Mutter und Schrauben, die von hinten mit einer Taschenlampe beleuchtet wurden. Habe mit schwarzen Fotokarton als Untergrund und Hintergrund gearbeitet. Im Hintergrund habe ich einen Schlitz in den Fotokarton geschnitten, wo die Taschenlame dahinter lag. Wollte versuchen, ein spannendes Stillleben mit einfachen Dingen zu machen, die von hinten beleuchtet werden.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Uwe Minuth:

Deine Aufnahme erinnerte mich sofort an eine Aufgabe während meiner Ausbildung zum Fotodesigner: Wir bekamen jede Woche einen Workshop zu einem Thema, und dazu dann eine Fotoaufgabe gestellt. Eine war eben auch, Makroaufnahmen von Werkzeugen anzufertigen, die dem Material und der Aufgabe des Werkzeuges und -stoffes entsprechen sollten.

In der Analogfotografie wurde viel mit Folien vor den Blitzen oder Dauerlichtlampen gearbeitet. Ich komme jetzt in der Digitalfotografie auch wieder darauf zurück, aber dazu später vielleicht mal mehr.

Du wolltest ein spannendes Stillleben einfacher Dinge erstellen und hast dies auch noch ohne großen technischen Aufwand bewerkstelligt. Vom Ansatz her gefällt mir das Bild recht gut.

Ganz klasse kommen durch das Gegenlicht die Umrisse der Gegenstände heraus, und da du den Lichtstrahl nur durch einen Schlitz schickst, kannst du auch gut steuern, auf welche Fläche er treffen soll.

Hier liegt allerdings auch schon ein Kritikpunkt. Es ist sehr punktuelles Licht von hinten, wobei ich glaube, du hast auch so noch etwas mehr Licht im Spiel gehabt. Nur eben nicht ausreichend, so dass die ganz dunklen Schatten noch etwas Zeichnung hätten. Das würde ein Auftraggeber bemängeln, und auch, dass sich nicht alle Teile sauber vom Hinter- und Untergrund trennen.

Zum Beispiel das Gewinde rechts oben ist nur schwer vor dem Dunkel des Hintergrunds auszumachen, ebenso der Kopf der Schraube in der Mitte. Dieser geht ohne Kontur in den Untergrund über.

Doch dein Bild lebt von den Konturen, ganz klar. Deutlich hebt sich das Gewinde im Gegenlicht ab. Es strahlt und leuchtet und zieht so die Blicke auf sich.

Nun schauen wir genauer hin und sehen auch alle Unreinheiten. Staub und Fussel müssen am besten vor der Aufnahme entfernt werden. Hinterher im Bildbearbeitungsprogramm ist das nur noch mehr Gefummel, als wenn du gleich etwas mit Druckluft die Szene reinigst.

Ich habe oben kurz von Filterfolien geschrieben: Solche metallischen Materialien rufen förmlich nach technischem, kühlem Licht. Ich hätte vor die Lampe einen CTB (Conversion to blue) – einen bläulich getönten Filter – gehängt.

Da du digital und, wie ich hoffe, im RAW- Format fotografierst, kannst du bei nur einer Lichtquelle auch gut über den Weißabgleich einen leichten Blauton erreichen, der das ganze etwas „technischer“ wirken lässt.

Zuletzt noch ein Buchtipp zum Thema: „Lowbudgetshooting – Fotozubehör einfach selbst gebaut“ von von Cyrill Harnischmacher (Affiliate-Link) ist für alle experimentierfreudigen und etwas bastelbegabten Fotografen eine gute Anregung, mit kostengünstigen Mitteln spannende Fotos zu erreichen.

So wie Uwe, dessen Bild schon wirklich stimmig ist, auch wenn für einen richtigen Produktschuss allerdings noch etwas Ausarbeitung fehlt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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  1. […] Arbeit Fotografien, die in einem “Produktionsumfeld” oder eben im Studio entstanden sind, […]

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