Brautfoto:
Formatwechsel angezeigt

Wenn störende Elemente im Vordergrund nicht vermieden oder wegretouchiert, aber durch einen kreativen Ausschnitt entfernt werden können, ist es oft die beste Lösung, um einem Bild die ursprünglich beabsichtigte Bildaussage zurückzugeben.

Kommentar des Fotografen:

Ich möchte mit dieser Aufnahme eine weitere aus der Serie: “Die Kamera sieht durch die Augen des Portraitierten” zur Besprechung einreichen. Diese Aufnahme enstand eher zufällig bei einem Photospaziergang in Weilrod im Taunus. Die Braut liess sich anlässlich ihrer Hochzeit im dortigen Schloßpark ablichten. Mit fiel das für diesen Blickwinkel ideale Licht auf, ein sehr leichter Highkey. Die doch fast ein wenig entrückte Haltung der Braut und das durchaus beabsichtigte Fehlen des Bräutigams, verstärkt durch die leere Bank im rechten unteren Bereich. Man darf es ruhig als Schnappschuss betrachten. Erst später entschied ich mich, diese Aufnahme der Serie zuzuordnen.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Frank Bäume:

Frank hat hier ein Schwarzweißfoto mit schön verteilten Grauwerten eingereicht, die auch, wenn man den Kontrast noch leicht erhöht, in dieser Form erhalten bleiben. Mir hat besonders gefallen, wie das Foto eingerahmt war – oben die Zweige des Baumes, unten der Rasen – wie auch die Diagonalen, die elegant durch das Bild verlaufen.

Was mir nicht gefallen hat, war die Komposition.

Auch wenn dieses Foto ein Schnappschuß ist, hätte doch auf die Bank im Vordergrund mehr geachtet werden können. So, wie Du sie hier im Bild platziert hast, dominiert sie den Vordergrund, und da die Braut auch noch im Mittelpunkt des Fotos ist, ist das alles für mich visuell unausgewogen angeordnet. Du wolltest ja nicht die Bank in Szene setzen, sondern die Frau in ihrem schönen weißen Kleid.

Wenn man in einer Situation ist wie hier, wo der Blickwinkel an sich ideal erscheint, aber Elemente vorhanden sind, gegen die nichts zu unternehmen ist (die Bank hätte man ja wohl nicht wegschleppen können), muß man entweder von vorneherein einen engeren Ausschnitt wählen (hier, indem man die Kamera hochkant hält und oder näher kommt), oder sich hinterher die Arbeit machen, sie zu beseitigen. Wegklonen, abschneiden. Hier geht das relativ einfach, indem man das Foto rechts kappt. Es sieht dann so aus (mit leicht erhöhtem Kontrast):

Die Bank ist jetzt weg, die Braut nebst Säule der Bildmittelpunkt und die interessanten Diagonalen, die Du ins Bild gebracht hast, bleiben trotzdem erhalten.

Das läßt zwar regelmäßig Puristen aufschreien, die der Meinung sind, Fotos sollten grundsätzlich so belassen werden, wie sie aufgenommen wurden, und daß Beschneiden des Bildes ein Zeichen mangelnden technischen Könnens sei. Es ist zwar tatsächlich angebracht, die Kamera auch mal hochkant zu drehen. Man ist oft erstaunt, was für unterschiedliche Bildaussagen sich daraus ergeben.

Ich persönlich denke jedoch auch, daß man grundsätzlich versuchen sollte, aus einem Foto das Maximale herauszuholen, was die eigenen technischen Fähigkeiten erlauben.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Andreas Reh
    schrieb am 18. Februar 2010 um 07:23 Uhr (#)

    Ich gehe mit dem Gesagten keinesfalls konform, das Ausgangsbild ist in meinen Augen deutlich ausgewogener und harmonischer, dem geschnittenen Bild sieht man förmlich an, das etwas fehlt, gerade der Vordergrund wirkt dort nun etwas leer und unmotiviert, die herunterhängenden Zweige rechts sind in meinen Augen auch wichtig und Bildbestimmend. Sicher, die dunkle Bank ist dominant und zieht Blicke auf sich, dass ist dem Bild abträglich, aber ohne Bank fehlt definitiv etwas.

  2. Swonkie
    schrieb am 18. Februar 2010 um 11:06 Uhr (#)

    bin genau gegenteiliger meinung. die gecroppte version sieht einfach richtiger aus.

    die bank ist für mich ein typisches beispiel von etwas das der fotograf im kopf hatte (“…Fehlen des Bräutigams, verstärkt durch die leere Bank…”), was aber für den betrachter einfach nicht nachvollziehbar ist. es ist ja nicht so, dass da auf der bank offensichtlich ein bräutigam fehlt. wenn schon, dann könnte so etwas eher durch die gestik der braut angedeutet werden.

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