Aktfoto:
Abwandernde Blicke

Aktfotografie ist ein schweres Genre der Fotografie, in der viele Fehler gemacht werden können. Dieses Foto illustriert einige davon.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Steffen J.).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Steffen J.).

Kommentar des Fotografen:

Name “Lowlightlamp”, Aktfoto

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Steffen J.:

Die Aktfotografie ist nicht ohne Grund eine der schwersten Genres der Fotografie. Paradoxerweise ist dieser Bereich auch einer der beliebtesten bei Fotografie-Neulingen, was ich ihnen nicht verübeln kann, da der Anblick schöner menschlicher Körper ein Genuss für sich ist. Auch ein Blick in die Fotografie-Abteilung der Buchläden lässt einen deutlichen Schwerpunkt auf Aktfotografie erkennen.

Dass dieses Genre eine Herausforderung ist, zeigt auch dieses Foto. Zu sehen ist eine junge unbekleidete Frau. Ins Auge fällt dem Betrachter jedoch vor allem der hellste Bildteil, in diesem Fall der strukturierte (Stoff)-Hintergrund. Genau der Effekt, den ein Fotograf nicht erzielen möchte, dass der Betrachter nicht das Motiv wahrnimmt, sondern die Kulisse.

Neben der Helligkeitsverteilung gibt es viele weitere kleine Makel, die das Foto unprofessionell und ungeplant erscheinen lassen.

Quadratschnitt optional

Quadratschnitt optional

Da wäre das störende Armband einer Uhr am Handgelenk, die zwei auffälligen Ketten um den Hals, die Handhaltung wirkt willkürlich, der schwarze Streifen im Hintergrund links am Unterarm und die komisch anmutende Mimik des Models.

Am störendsten ist jedoch der Gegenpart des hellen Hintergrunds. Die Dominanz der schwarzen Flächen. Ohne Zeichnung tragen sie zum einen weder dazu bei, sachlich mehr “Bildinformationen” zu liefern, noch sorgen sie durch eine ausgewählte Komposition für mehr “Stimmung” im Bild. Der Beschnitt zeigt, dass die Hälfte des Bildes nichts zur Aussage beiträgt.

Doch wie hätte das Bild verbessert werden können?

Mit drei einfachen Mitteln:

  1. Bessere Vorbereitung, indem Uhr und Ketten abgenommen werden und ein unauffälligerer Hintergrund gewählt wird.
  2. Mehr Experimente mit dem Ort der Lichtquelle. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass Lichts von rechts spannender gewirkt hätte.
  3. Mehr Experimente mit der Art und Form der Lichtquelle. Wie wirkt das Licht, wenn es weicher wird, indem z.B. durch ein dünnes, weißes Laken geleuchtet wird? Wie wirkt das Licht, wenn es härter als Spot ausgerichtet wird, indem z.B. schwarzes Papier trichterförmig über das Licht gestülpt wird (Achtung, Brandgefahr bei Baustrahlern)?

Es gibt viel zu probieren. Weiter gehts.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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