Selbstporträt:
Das Fenster als Softbox

Eine ruhige Morgenstimmung fängt man am besten mit natürlichem Licht ein. Wer – wie hier – weiße Vorhänge vor das Fenster zieht, erhält als Bonus gleich einen unbezahlbaren Softbox-Effekt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Steffen Jörg).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Steffen Jörg).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild mag ich sehr, weil es so geworden ist, wie ich es mir vorher vorgestellt habe. Das ist leider bisher nur selten der Fall. Ich mag besonders die Lichtstimmung – obwohl ich mir genau bei dieser auch wieder unsicher bin, ob sie dem Bild “gut tut”. Das Bild wurde an einem Sonntag Morgen mit meiner alten Seagull aufgenommen. ISO war 100 und Belichtungszeit ca. 1/30; Blende 8. Bin mir aber bei den Parametern nicht mehr sicher. Es handelt sich quasi um ein Selbstportrait und wurde per Selbstauslöser gemacht. Wie gesagt, bin ich mir über die Farbe des Lichts noch unsicher. Obwohl Sie der Realität sehr nahe kommt. Außerdem stört mich selbst, dass der Vorhang ein Trapez formt und nicht gerade fällt. Ich fotografiere noch nicht sehr lange und würde mich gerne verbessern.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Steffen Jörg:

Der Trick ist einfach, aber sehr effektiv. Man nehme ein sonnenbeleuchtetes Fenster, ziehe weiße Vorhänge davor und – schwupps – ergibt das einen samtweichen Softbox-Effekt. Den hast Du bei diesem Selbstportrait genutzt.

Doch nicht nur das gleichmäßige, natürliche Licht tragen dazu bei, dass das Foto gelungen wirkt. Auch die Kameraperspektive neben dem Schlafenden wirkt echt und natürlich, als ob der Betrachter gleich daneben im selben Bett liegen würde.

Über den sichtlichen Farbstich ins Blaue kann man geteilter Meinung sein. Ich finde ihn hier sehr passend, da so der Kontrast zwischen dem Innenraum und dem durch das Sonnenlicht wärmer leuchtenden Fenster gut verstärkt wird. Außerdem ist Blau/Orange (wenn hier auch eher in den Pastell-Varianten vorhanden) oft ein wirksamer Komplementärkontrast.

Trotzdem gibt es noch Raum für Verbesserungen. Mir selbst würde mehr Schärfe auf dem Körper gefallen, aber angesichts der entspannten Morgenstimmung im Bild würde ich sie nicht als Muss sehen.

Der Bildaussage etwas abträglich – vor allem, wenn es als Selbstportrait gezählt werden soll – ist die Position des Kissens links unten im Bild. Das hätte ruhig ein, zwei Zentimeter tiefer liegen können, um den (Hinter)Kopf besser und schneller erkennen zu können.

Aus dem gleichen Grund hätte der Rahmen auf dem Nachttisch links auf Mittelhöhe vor dem Fotografieren entfernt werden können. Auch der Kissenrest auf gleicher Höhe rechts am Bildrand lenkt etwas ab. Aber das sind Kleinigkeiten.

Insgesamt ist Dir ein harmonisches Bild mit ungewohnter, aber guter Komposition und einer überzeugenden Lichtstimmung gelungen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für die (positive) Besprechung meines Bildes. Was ich gelernt habe: Auch Details tragen sehr zum harmonischen Bild bei und sind nicht zu vernachlässigen.

    @Cäcilia: auch dir vielen Dank für das Lob!

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