Babyfoto:
Komposition zählt auch im Studio

Studiofotografie bietet fast totale Kontrolle, aber ob all der einstellbaren Faktoren darf die Bildkomposition nicht zu kurz kommen.

Kommentar des Fotografen:

Mein erster Versuch in der Babyfotografie im Studio. mit ISO 100, Blende 8 und einer Verschlusszeit von 1/50 war das wohl eher Zufall, dass ich das so scharf bekommen habe. Ausleuchtung vor einer schwarzen Moltonleinwand war ein Walimex 300 Blitzkopf mit einem Tubus und Wabe und ein Walimex 300 Blitzkopf mit Softbox. Das genaue Setup weiß ich leider nicht mehr.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Mike Hillebrand:

Schwarz-weiss-Aufnahme eines auf einem Arm liegenden Babys. Die seitliche Beleuchtung betont die Räumlichkeit des kleinen Körpers, ein Blitz mit Softbox sorgt für einen grossen Reflex in die Augen des Babys. Die nach unten hängenden Arme und der Gesichtsausdruck lassen auf vetrauensvolle Entspanntheit schliessen.

Gleich zum Vornherein:

Ich habe wenig Ahnung von Studiobeleuchtung, kann dazu also nur das Offensichtliche anmerken.

Ich habe mich trotzdem an eine Kritik an dem Bild gewagt, weil ich es für ein Beispiel dafür halte, wie leicht wir uns überfordern: Studiofotografie bietet dem Fotografen die grösstmögliche Gestaltungsfreiheit, erhöht damit aber die Zahl der Faktoren, die es zu beachten gilt, auf ein kaum mehr überschaubares Mass. Und wenn darunter die Bildgestaltung leidet, ist das bei einer Aufnahme wie dieser besonders bedauerlich.

Die Bildkomposition schmerzt auf den ersten Blick fast unerträglich. Mike, die Füsse! Du schneidest dem Baby die Füsse ab!

Und auch wenn es dafür ein Dutzend gute, praktische Gründe gibt – bei einem Studiobild ist das Abhacken von Körperteilen nicht verzeihbar: Es lässt das ganze Bild flüchtig wirken und zieht soviel Aufmerksamkeit auf sich, dass die ganze Sorgfalt der Inszenierung nachhaltig gestört wird.

Abgesehen davon, dass die winzigen Hände und Füsse an einem Kleinkind neben den Kulleraugen das sind, was uns immer wieder aufs neue fasziniert – und hier leider auch die Finger nicht zu sehen sind, folgen alle Blicke vom Kopf des Babys unweigerlich der schön geschwungenen Körperlinie zu den Füssen – die fehlen!

Das fällt extrem auf, weil die Beine zu sehen sind, weil das ganze Bildformat einen kompletten Körper erwarten lässt, weil wir darauf trainiert sind, gerade in Studiofotografien entweder ganze Körper oder klar akzentuierte Details zu sehen. So, wie Du mir das Kleine hier zeigst, will ich die Füsse sehen – nicht nur, aber auch, und weil sie nicht vorhanden sind, eben erst recht.

Die Methode, diese enorme Abwertung des sonst so schön gelungen Fotos nachträglich zu vermeiden, besteht in einem beherzten Schnitt. Denn was bewusst und offensichtlich weggelassen wurde, das vermisse ich nicht – die Reduktion wird vielmehr Bestandteil des Kunstwerks und verleiht ihm Aussage.

Wenn die Körperform des Babys Dein Motiv war, hättest Du den ganzen Körper zeigen müssen. Wenn sein Gesichtsausdruck, das Vertrauen in die Hand, die geschwungene Linie des liegenden Oberkörpers dein Motiv war, dann hättest Du das Bild von Anfang an so Komponieren können, wie ich es hier geschnitten habe. (Als Variante noch die Aufgestellte Version – verspielt, aber witzig.)

Das Beispiel zeigt wohl deutlich, dass in der Weglassung mehr Aussage steckt, dass das ganze Bild bestimmter, fertiger, abgeschlossener wirkt als das Ausgangsbild, dem so offensichtlich etwas fehlt.

Was die Technik angeht, frage ich mich eigentlich nur, warum Du diese Blende-ISO-Zeit-Kombination gewählt hast, wo doch eigentlich überall zugunsten einer kürzeren Zeit minim hätte geschraubt werden können, um die Schärfe zu garantieren.

Was die Ausleuchtung angeht, bin ich wie gesagt Laie und finde sie gelungen, auch wenn mich der etwas zu harte Schlagschatten des Baby-Arms auf dem Träger-Arm stört.

Die Reflexionen der Softbox in den Augen allerdings sind mir deutlich zu gross und zu rechteckig. Vielleicht weiss jemand mit mehr Erfahrung, wie sich das vermeiden liesse und gibt seine Ratschläge zur Ausleuchtung in den Kommentaren zum Besten?

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Kommentare

  1. Mike
    schrieb am 25. Februar 2010 um 12:56 Uhr (#)

    JA was soll ich sagen “Danke erstmal für die ausgiebige Kritik” der ich mich hier gestellt habe.

    Zum Punkt des der Beleuchtung und zum Punkt der Belichtungszeit und Blendenwahl kann ich michnur so äusern das ich zu diesem Zeitpunkt das erste mal in einem Studio fotografiert habe. Ich fotografiere noch nicht so lang und all mein Wissen bis jetzt habe ich mir autodidakt angeeignet .Zu diesem Zeitpunkt wusste ichso gut wie null über Blende und Belichtung und deren Auswirkung. Würde ich dieses Bild nocheinmal machen können würde ich vieles anders machen soweit ist mir das klar. Statt der eckigen Softbox würde ich auf einen Beatydish zurückgreifen würde versuchen ab Belichtungszeiten von 125 besser 200 zu arbeiten aber wie ich schon sagte dies war das erste mal. Zur EBV geb ich dir in allen Punkten Recht und kann dies nicht mildern. meine Denkweiße war so viel vom Kind aber so wenig wie möglich vom Träger die Füße habe ich da leider auser Acht gelassen. Dein Schnittbeispiel ist natürlich sehr spannend und eine gute Lösung für das Problem wie ich es erarbeitet hatte..

    Liebe Grüße Mike Hillebrand

  2. Swonkie
    schrieb am 25. Februar 2010 um 15:41 Uhr (#)

    mir gefällt das highlight in den augen.

    wieso denn die diskussion über belichtungszeit? im studio, ohne relevantes umgebungslicht, verwackelt nie etwas. ob 1/30 oder 1/200 sekunde spielt keine rolle – der blitz dauert 1/1000 oder noch kürzer, und das ist der ganze zeitraum der belichtet wird. die bild-helligkeit kann man nur über blende und blitz-leistung regeln (und ISO).

    bei den abgeschnittenen füssen schliesse ich mich dem gesagten an.

    1. Swonkie
      schrieb am 25. Februar 2010 um 15:51 Uhr (#)

      noch als ergänzung:

      das ist ja das schöne an der studiofotografie, dass man alle parameter frei wählen kann. kein umstand zwingt den fotografen dazu eine besonders grosse blende zu wählen. man nimmt bewusst die blende, welche die gewünschte tiefenschärfe bringt, licht ist ja im überfluss vorhanden.

      wenn man draussen mit blitz arbeitet, benutzt man die verschlusszeit um das umgebungslicht zu steuern (im verhältnis zum blitz). längere belichtung lässt natürlich mehr umgebungslicht rein, der blitzanteil ist dadurch aber unverändert.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 26. Februar 2010 um 09:56 Uhr (#)

      Äh, ja, stimmt eigentlich. Frage ist, wieviel Licht ist relevantes Umgebungslicht? Das Baby wird ja auch nicht im Dunkeln hingehalten – ist da Bewegungsunschärfe, sind Schleier kein Thema? Ich sehe, ich brauch dringend ein paar Lektionen in Studiofotografie.

    3. Swonkie
      schrieb am 26. Februar 2010 um 11:55 Uhr (#)

      normalerweise hat man das “modeling light” von den blitzköpfen (eine normale halogenlampe neben der blitzlampe) um die lichtverteilung zu sehen. das ist natürlich viel wärmer als das blitzlicht, aber es taucht trotzdem nicht auf den bildern auf, weil der helligkeitsunterschied zum blitz einfach so enorm ist. das modelinglight wird auch im verhältnis zur eingestellten blitzleistung gedimmt, damit das kein problem wird.

      an meiner schule wurde vom ansässigen fotografen gelehrt, immer mit 1/60 sekunde zu arbeiten. das hat funktioniert. ich weiss nicht inwiefern das auslösen von mehreren blitzgeräten mit funk oder infrarot (wir hatten infrarot im studio) zu verzögerungen führt. sprich, ob die kürzeste blitzsynchronisationszeit der kamera nur für den internen blitz gilt, oder für das ganze system. im zweiten fall kann man natürlich auch die kürzestmögliche verschlusszeit einstellen.

  3. Mike
    schrieb am 26. Februar 2010 um 09:11 Uhr (#)

    @ Swonkie und wieder was dazu gelernt :) Danke!

  4. Mike
    schrieb am 26. Februar 2010 um 12:10 Uhr (#)

    mittlerweile bin ich Kindergarten und Schulfotograf und mir wurde gelehrt mit 1/125 & f8 zu werkeln .
    Aus erfahrung arbeite ich im Studio mit 1/200 und f16 weil ich miene Blitze nicht weiter runter regeln kann also mit schärfe verlauf dird da eher weniger … das Modelinglight oder wie ich es nenn Einstell-licht nutze ich so gut wie nie das problem dabei ist ich nehme meine Blitzanlage immer mit und die lampen sind länglich da bekomm ich meine abdeckkappen nicht drauf ohne jedes mal die birnen auszu schrauben. aber wir schweifen ab vom thema …

    Im Großen und ganzen hat es ja keine unschärfe im gegenteil finde es sehr schön von der schärfe her. mein schwerpunkt oder unwissen lag dann eher in der EBV siehe zuschitt aber das ist eben eine Denkweiße

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