Schattenfoto:
Indirekte Gestaltung

Schatten sind ein ebenso legitimes Mittel zur Bildgestaltung wie das Licht selbst, von dem sie erzeugt werden. In fast klassischer „Street Photography“-Manier werden hier die Schatten eines Hauses für den Bildaufbau benutzt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sven Schwinning).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild habe ich im Novemer 2009 in Valencia/Spanien aufgenommen. Es ist eines der ersten Versuche, wieder mit der analogen Spiegelreflex zu arbeiten. Dieses Bild ist Teil einer Serie, die als Straßenfotografie bezeichnet werden kann. Gelungen finde ich an dieser Fotografie das Spiel zwischen Licht und Schatten.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Sven Schwinning:

Ich kann dem Fotografen Sven nur zustimmen, wenn er als Kommentar zu seinem Bild schreibt: „Gelungen finde ich an dieser Fotografie das Spiel zwischen Licht und Schatten.“ Das ist es in der Tat.

Dieses riesige, fast monströse Schattenungetüm von Haus auf der kahlen, hellen Fassade eines anderen Hauses, mit all den Türmchen, Vorsprüngen und als i-Tüpfelchen noch die altmodische Straßenlaterne mit ihrem eigenen Schatten, das ist es, was das Foto sehenswert macht, dieses Indirekte, nicht Sehen, aber doch Erkennen.

Kritisch anzumerken bleibt, dass die Schärfe – nun ja – nicht richtig vorhanden ist und sich irgendwo zwischen Rücken und Rad verliert. Hier wird der Nachteil der Analogfotografie deutlich, indem die Bildergebnisse nicht sofort kontrolliert werden können.

Der Mann im Vordergrund verkommt fast zur Dekoration, allein um das Bild etwas menschlicher zu machen. Interessant wäre es, als Vergleich ein Foto ohne den Passanten zu sehen. Käme der Hausschatten noch imposanter rüber? Oder ist der Mann ein gelungener Kompromiss, um die hinter ihm stehenden Räder und Autos zu verdecken? Wir wissen es nicht.

Mir gefällt jedoch, wie der Schatten rechts am Bein den Eindruck zu erwecken versucht, der Mann würde gleichsam durch Nebel waten oder im nächsten Moment vom Boden verschluckt werden.

Vielleicht lehne ich mich etwas weit aus dem Fenster, wenn ich schreibe, dass mich der Bildstil stark an Henri Cartier-Bresson erinnert? Aber mal ehrlich: Wenn das Handy nicht wäre, hätte ich es für ein verschollenes Foto des berühmten Street-Fotografen halten können.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Swonkie says:

    was mich am meisten stört ist das stück von dem weissen lieferwagen im hintergrund, das quasi aus dem gesicht des mannes wächst.
    ich habe eine ewigkeit da hin gestarrt (naja, etwa 5 sekunden) und versucht herauszufinden was das ist, weil es so gewirkt hat als sei es ein teil von dem ding das der mann so konzentriert anschaut.

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  2. matidio says:

    „Hier wird der Nachteil der Analogfotografie deutlich, indem die Bildergebnisse nicht sofort kontrolliert werden können.“

    Nun ja, dies ist wohl in den meisten Faellen richtig. Nur gerade in der Strassen-Fotografie leider fast immer unnuetz, weil das Foto nicht wiederholbar ist, da es eben eine Momentaufnahme ist und deshalb die Kontrolle ueberfluessig ist.
    Gerade der von dir erwaehnte Cartier-Bresson hat mehrere (leicht) unscharfe aber trotzdem beispiellos gute Fotos gemacht. Strassenfotografie ist gerade das Genre, das nicht von der technischen Vollkommenheit der Fotos lebt. Auch wenn sie natuerlich angestrebt werden sollte.
    Allerdings muss auch ich sagen der Vergleich zu Cartier-Bresson ist arg geschmeichelt ohne dem Autoren des Fotos nahe treten zu wollen :) Die abgeschnittenen Beine (ob es nun Pech war oder nicht), sind doch schon relativ ungluecklich.

    Und an Clemens: Du hast schon Recht, meistens sind es banale Alltagssituationen, die in der Strassenfotografie Platz finden, aber sie kann trotzdem sehr faszinierend sein. Aber wie immer in der Kunst: alles Geschmackssache.

    Auch Cartier-Bresson hat im Grunde genommen nur Fotos gemacht, die Leute zeigen wie sie von Holzleitern springen oder Kindern, die Weinflaschen zu ihren Eltern nach Hause schleppen oder gar Baguettes nach Hause radeln. Nichts besonderes also … :)

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  3. sven says:

    Danke für deine Kritik Robert.
    Auch wenn jeder natürlich seinen eigenen Stil finde sollte, kann dieser nur durch Einflüsse von außen wachsen. Ich bin ein großer Fan von Cartier-Bresson ( oder Garry Winogrand, aber sein Geist ist in diesem Bild weniger zu erkennen) und finde seine Arbeiten sehr beeindruckend. Danke also für die Nennung seines Namens. Was jetzt nur noch fehlt ist ein wenig mehr Charme und Dualitäten im Bild, darin waren die beiden Fotografen wirklich Meister.
    Das Bild ist mit f8, 1/500 und einem T-Max 400 gemacht worden.

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  4. Herr Olsen says:

    Mir ist das Bild viel zu unruhig.
    Die Fahrzeuge im Hintergrund, die Person im Vordergrund, die Balkone des hinteren Gebäudes, der Beschnitt, die Ausrichtung…
    Das es hier zentral um den imposanten Schatten geht erschließt sich mir nicht auf Anhieb. Im Gegenteil – ich hätte es fast übersehen. Hängen geblieben ist mein Blick einzig am Schatten des Rades, das die Person mit sich herum schleppt.

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  5. Clemens says:

    Sorry, aber ein offenbar hastig aufgenommenes Foto mit einer Person die wahrscheinlich gar nicht dazu gefragt wurde. Straßenlaternen und Häuser sind katastrophal schief. Autos und Fahrrad sind angeschnitten oder teilweise verdeckt. Die weder spektakuläre oder interessante Person schaut missmutig auf etwas, das wahrscheinlich ein Handy ist.

    Was will der Fotograf mit der Aufnahme eigentlich sagen, außer dass an der Wand im Hintergrund ein Schatten ist? Wozu dann die noch die anderen Objekte?

    Ich weiß nicht genau wer Henri Cartier-Bresson ist oder war, aber wenn der auch so schlechte Fotos gemacht hat, dann will ich es auch gar nicht wissen.

    Nix für ungut, ist nun mal meine Meinung dazu. ;-)

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