Vera Mercer:
Stillleben mit Schädel

Uli Eberhardt, 10. März 2010 13:15 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Vera Mercers Stillleben bestehen aus Nahrungsmitteln, aus Gemüse und Fleisch und mitunter aus Tierschädeln.

Die großformatigen Stillleben der deutsch-amerikanischen Fotografin werden aktuell zusammen mit Mercers Porträts von Künstlern wie Andy Warhol, Marcel Duchamp und Niki de Saint-Phalle in Berlin gezeigt.

Obwohl beide Themen auf den ersten Blick gänzlich verschieden zu sein scheinen, so seien sie bei näherer Betrachtung doch eng miteinander verwoben.
Den gemeinsamen Ausgangspunkt bildet Paris. Das ist die Stadt, in die Vera Mertz, geboren 1936 in Berlin, nach ihrer Heirat mit dem späteren Eat-Art-Begründer Daniel Spoerri zog. Als Mitglied der Pariser Avantgarde der Sechzigerjahre dokumentierte sie im Laufe der Zeit nicht nur die Aktionen und Werke von Jean Tinguely, Eva Aeppli, Daniel Spoerri und viele andere, sondern auch die Künstler selbst. Aus persönlicher Nähe und Freundschaft entstanden zeitlose und eindrucksvolle Schwarzweiß-Porträts in der Stimmung des Augenblicks.

In den ehemaligen Pariser Markthallen begegnete die fotografische Autodidaktin Vera Mercer dann dem Thema, dem sie sich nun seit fast einem halben Jahrhundert widmet: Stillleben aus Nahrung – Früchte und Gemüse, Fleisch und Fisch oder Speisen in rohester Form. Für diese großformatigen Stillleben besorgt sie sich die Bestandteile von Jägern, aus Blumenläden und von den Gemüse-, Frucht- oder Fischmärkten. Die Arrangements entstehen vor der Kamera, sei es im heimischen Studio in Omaha oder ihrem Wohnatelier im Pariser Quartier Latin.

Mercers Stillleben zeichnen sich durch schrille und satte Farben aus, und ihre Blumenarrangements und Gemüsebildern mit bewusster Farbreduktion. Ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Verständnis ihrer Bilder ist das Spiel der Größenverhältnisse; so wird Großes oftmals klein, Kleines wiederum viel größer dargestellt und die natürlichen Perspektiven sind verdreht. Der makabere Tierschädel im Bild ‘Naked Deer Head’ symbolisiert den Endpunkt eines jeden Lebens. Zusammen mit den verwelkten Blumen im Vordergrund liefert er eine barock anmutende Inszenierung. “Natura morta” – tote Natur – das ist der italienische Begriff für Stillleben, geprägt in der Renaissance.

Zur Ausstellung erschien im Februar ein zweisprachiger Bildband (Deutsch/Englisch): Vera Mercer: Photographs and Still Lifes (Affiliate-Link) , herausgegeben von Matthias Harder, Kehrer-Verlag Heidelberg.
Die Porträts und die Stillleben sind in der Kommunalen Galerie Berlin zu sehen. Ihre Blumenarrangements gibt’s gleichzeitig am “Photoplatz” im Hotel Bogota – ebenfalls in Berlin.

Vera Mercer – Porträts und Stillleben
Bis 25. April
Kommunale Galerie Berlin, Kulturamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 176, D-10713 Berlin
+49 (0)30 902916704, info@kommunalegalerie-berlin.de
Geöffnet Dienstag bis Freitag 10 – 17 Uhr, Mittwoch 10 – 19 Uhr, Sonntag 11 – 17 Uhr

Blumen
Bis 27. April
Photoplatz, c/o Hotel Bogota, Schlüterstraße 45, D-10707 Berlin
+49 (0)30-8815001, photoplatz@web.de
Geöffnet täglich 11 – 23 Uhr

Kommunale Galerie Berlin
Photoplatz im Hotel Bogota

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