Aktfoto in Lowlight:
Minimalismus verlangt Perfektion

Wenn ein Foto bewußt minimalistisch gehalten ist, muß jedes Detail stimmen. Denn durch die Reduktion auf wenige Elemente lebt das Bild, und wenn eines hinkt, hinken alle.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Cäcilia Todte).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Cäcilia Todte).

Kommentar der Fotografin:

Ich möchte Eure Meinung zu meinem Aktportrait hören. Bildausschnitt, Lichtführung und Haltung des Models sind bewusst so gewählt. Ich selbst liebe dieses Portrait, ein sehr “frauliches” Model, ich habe versucht, ihre Weiblichkeit, Natürlichkeit und Vorzüge hervorzuheben.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Cäcilia Todte:

Eine junge Frau, in Lowlight fotografiert. Dadurch werden ihre Konturen auf das Minimale reduziert, und wir erahnen den Rest des Körpers.

Die Beleuchtung läßt das Foto spannend erscheinen, denn der Betrachter wird zum Nachdenken gezwungen, es wird nicht alles sofort offenbart. Eine insgesamt gute Idee, und so, wie das Modell aufgenommen wurde, eine gelungene Pose.

Ich hätte vielleicht sogar noch etwas aufgehellt, aber das ist hier Geschmackssache.

Dieses Foto lebt durch seine minimalistische Komposition. Es sind keinerlei störenden Elemente vorhanden, wie das von Robert Kneschke in einem anderen Fall angesprochen wurde. Es verrät im großen und ganzen gute Planung.

Da Du aber das Foto auf das Wesentliche reduziert hast, muß hier auch wirklich alles hundertprozentig stimmen. Gut, das muß es für ein außergewöhnliches Foto immer, aber es fällt bei einer Komposition wie dieser noch mehr auf, wenn es das nicht tut. Wovon ich rede, ist hier die rechte Brust des Modells.

Ihre linke ist gut in Szene gesetzt, man erahnt die volle Kontur. Die rechte dagegen sieht aus, als wäre sie teilamputiert. Sie wirkt deutlich kleiner als die andere, man sieht die Brustwarze nicht, und hat daher den Eindruck, als wäre sie irgendwie unter den rechten Arm geklemmt worden.

Das hätte durch eine Korrektur der Beleuchtung oder der Pose leicht verhindert werden können. Denn insgesamt hast Du recht: es ist ein sehr frauliches Modell, und sehr schön inszeniert. Wenn nicht die Sache mit dem Busen rechts wäre, es wäre ein durch und durch gelungenes Bild.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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