Inspiration im Museum:
Schattenporträt

Die Betonung von Linien und eine Reduktion der Farben ist ein klassisches fotografisches Mittel – hier gut für das Portrait eines Museumsbesuchers eingesetzt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Corinne ZS)

Kommentar der Fotografin:

Mit einer Kompaktkamera aufgenommen, Kontrast mit Microsoft Office Picture Manager etwas erhöht. Während eines Museumsbesuchs musste mein Begleiter kurz auf mich warten und setzte sich freundlicherweise dekorativ hin. Tja, aber etwas stört mich am Bild, ohne dass ich wüsste, was. Widersprechen sich zwei Aussagen (linke schwarz/weiss-Seite gegen rechte Spiegelung-Seite) oder stört die Blickführung von der Mitte weg nach hinten rechts? Oder …? Ich bin sehr gespannt auf Euren Komentar, für den ich mich sehr herzlich bedanke!

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Corinne ZS:

Ein Museum kann – selbst wenn keine Fotografien ausgestellt werden! – eine Quelle der Inspiration für Foografen sein. In diesem Fall nutzte die Corinne die in der Luft liegende Kreativität -und die spezielle Architektur eines Museums.[textad]

Zu sehen ist die Sillouette eines Mannes, der (wahrscheinlich) in einem Ausstellungskatalog blättert. Umrahmt ist er links von von in alle Richtungen strebenden Linien, während rechts ein Spiegel oder eine Spiegeltür den Mann als Hauptmotiv noch mal kleiner in Szene setzt.

Diese „Bild in Bild“-Technik, sei es durch Spiegel, Wasseroberflächen, Fotomontage, Zwillinge o.ä., ist ein beliebtes und wirkungsvolles Mittel in der Fotografie.

Hier finde ich es jedoch unpassend, da – wie die Fotografin richtig vermutet – der Blick schnell in die rechte obere Ecke gelenkt wird, während das Bild doch links viel spannender ist.

In der von mir unten und rechts beschnittenen Variante wird das deutlich: Das Bild lebt von der sorgfältigen Verteilung der Helligkeiten zum einen, vom Reinweiß links oben bis zum Schattenriss und dem schwarzen Boden rechts unten und von der Vielfalt der andersartigen Linien, den Zacken, Kanten, Spitzen und als einzige Rundung der einsam sitzende Mensch.

In der beschnittenen Version dreht sich der Blick einem auf eine Spitze gekippten Quader gleich um die Bildmitte. Die linke Linie hoch, dort mit der Deckenlinie wieder runter, hin zum Kopf des Mannes und über die kleinen Zacken unten zurück zur aufstrebenden Linie – und das Spiel beginnt erneut.

Durch diesen Kniff wird das Foto zu einem Bild, was man sich lange anschauen kann. Die eher farbige Spiegelung stört dabei nur.

Auch in diesem Fall gilt deshalb: Weniger ist manchmal mehr.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Flattergeist says:

    Mir gefällt einiges an dem Bild schon im Original: die hell/dunkel Kontraste, die verschiedenen grafischen Formen und dann die gebeugt sitzende Silhouette eines Mannes. Für mich ein spannendes Bild, das Interesse weckt. Was mich persönlich daran stört, ist die schon von Dierk erwähnte leichte Schiefstellung und die etwas zu mittige Position des Mannes.

    Ich hätte allerdings genau andersherum geschnitten, nämlich von links oben kommend, so dass der linke helle Balken verschwindet, zusätzlich unten noch etwas, bis der Mann fast links unten im goldenen Schnitt sitzt.

    Das dunkle Quadrat rechts hätte ich auf jeden Fall gelassen, da es für mich einen Gegenpol zu der Silhouette des Mannes darstellt.

    Leider weiß ich nicht, wie ich das Ergebnis hier hochladen könnte, aber vielleicht könnt Ihr es Euch vorstellen.

    Antworten
  2. dierk says:

    @Corinne,
    mir gefällt das Bild, so wie es ist, abgesehen von leichter Verwacklung und dem sehr dunklen Vordergrund. Der ließe sich sicher noch durch etwas Aufwand verbessern. Auch könnte man dann etwas nach rechts drehen, es schein mir leicht nach links schief zu liegen.

    Vielleicht würde es in S/W noch besser wirken, dann verschwindet der etwas ablenkende violette Lichtschein rechts.

    Ein interessanter Beitrag mit viel Raum für Pro und Con.

    @Robert,
    in deinem Vorschlag steht der Mensch erheblich mehr im Vordergrund als im Original (bewußt oder unbewußt) und es fehlen die (unsichtbaren) Füße, was mich daran stört.

    viele Grüsse
    dierk

    Antworten

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