Lensbaby-Landschaft:
Effektumkehrung

Die Wirkung von Filtern und Speziallinsen ist nicht immer berechenbar. Bisweilen entsteht der gegenteilige des beabsichtigten Effekts.

Kommentar des Fotografen:

Ich habe diese foto mit der d2x und dem Lensbaby aufgenommen und danach mit silver efex pro in schwarz-weiss umgewandelt. Ich möchte mit diesem Foto versuchen, dass die Ruhe erkannt wird. Meine Frage: Wie ist meine umsetzung gelungen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von olaf veit:

Ein Weg oder eine Strasse zieht sich im Bogen zwischen zwei Gewässern aus dem Bildvordergrund nach links in der Bildmitte zum Rand hin, wo ein Turm oder ein Mast am Wegrand steht.

Im Mittelgrund rechts steigt ein Hügelzug in Hochkontrast zum Bildrand hin an. Am Wasserhorizont sind im Hintergrund zwei weitere Hügel oder Inseln im Dunst und der Unschärfe des Schwarz-Weiss-Bildes zu erkennen.

Das Bild ist neben dem Farbentzug mit einer durchgehenden Unschärfe verfremdet, die im Bildzentrum etwas schwächer ist als an den Rändern. Ein erster Eindruck liess mich glauben, dass es sich um Bewegungsunschärfe handelt: Es wirkt, als ob der Fotograf auf einem Fahrzeug verhältnismässig schnell die gekurvte Strasse entlang in das Bild hineinfahre. Das Wasser links scheint ruhig zu liegen, während die/der See rechts leicht gewellt ist.

Die Aufnahme wirkt durch zwei starke Formen: Die gekurvte Strasse, die wie ein gebogener Trichter aus der vollen Bildbreite im Vordergrund mit leichtem rechts-Schwung nach links ins Bild hineinzieht, und als Kontrast dazu das trotzig-feststehende Gebirge am rechten Bildrand.

Was ich nicht sehe, ist die Ruhe, von der Du sprichst. Im Gegenteil: Das Bild drückt Dynamik und Bewegung in einer einfachen, von ebenso beschleunigten Vektoren geprägten Landschaft aus. So, als ob man auf einer auf Hochgeschwindigkeit getrimmten Strasse durch eine unwegsame Landschaft rast. Darin steckt bereits der Widerspruch von Stillstand und Bewegung, und den empfinde ich in diesem Bild als sehr effektiv. Als Tüpfelchen auf dem I der Reduktion bricht der Mast am Strassenrand links im Bild mit den eindeutigen Vektoren, wie ein Bremshebel, der zur Langsamkeit gemahnt.

Man könnte diese Fotografie als konzeptuelle Landschafts-Abstraktions bezeichnen, eine impressionistische Umsetzung Deiner Eindrücke. Dagegen spricht allerdings deine Bildlegende – denn wenn Du die Stille der Landschaft ausdrücken wolltest, hast Du entweder die falschen Mittel gewählt (und meine eigenen Erfahrungen mit dem Lensbaby gehen just dahin, dass man seine Wirkung nicht immer wirklich unter Kontrolle hat) oder in der Nachbearbeitung die falschen Akzente gesetzt.

Was mir ausserdem an der Aufnahme fehlt, ist die technische Perfektion, die sie eben als Konzeptbild ausweisen würde: Dass im gesamten Bild keine Schärfe zu finden ist und der Sweetspot des Lensbaby nicht erkennbar ist, lässt den Verdacht aufsteigen, es handle sich einfach um eine durchaus interessante Fehlauslösung.

Solche Bilder machen wir alle immer wieder: Nichts geplantes, nichts konzipiertes, bisweilen ein versehentlicher Druck auf den Auslöser führen zu einem erstaunlichen Resultat.

Aber interessante Zufälle sind leider genau das: Zufälle. Und damit nicht kreative Kunst.

Dein Bild verdient diesen Zweifel nicht, und ihn auszuräumen und zu verdeutlichen, dass es sich nicht um einen Zufall handelt, das ist eine der Aufgaben des Künstlers.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Gragar
    schrieb am 1. April 2010 um 18:34 Uhr (#)

    Also ich habe den Eindruck, dass der Hintergrund “scharf” ist. So scharf, wie gerne Mal mit einem Lensbaby ist.

    1. Gragar
      schrieb am 1. April 2010 um 18:35 Uhr (#)

      ….ich meine die Mitte, der Weg macht die Kurve, die scheint mir auch scharf zu sein und die Hügel machen auch einen recht scharfen Eindruck

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