Steg mit Symmetrie:
Leben ins Bild bringen

Symmetrie allein macht im allgemeinen noch kein Foto. Es ist meist noch etwas anderes, was es interessant erscheinen läßt – etwa Elemente, die diese Symmetrie “stören”.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Matthias Unger).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Matthias Unger).

Kommentar des Fotografen:

Der Steg von Schobüll … ist häufig im Internet zu sehen. Er scheint auf Fotografen einen gewissen Reiz auszuüben, den auch ich mich nicht entziehen konnte. Das Bild entstand bei meinem zweiten Besuch. Ich habe gewartet, bis die Sonne frontal von vorn kam und das Geländer keinen Schatten mehr werfen konnte. Ziel war es, ein symmetrisches Bild zu bekommen, in dem der Steg die Brücke zwischen dem Hier und der unendlichen Weite bildet. Dass just zu diesem Zeitpunkt jemand auf die Idee kam, auf dem Geländer zu balancieren, hat mich erst geärgert, da es zu Lasten der angestrebten Symmetrie geht. Im Nachhinein bin ich aber froh, denn es verleiht dem Bild eine gewisse Lebendigkeit. Mein Dank gilt dieser unbekannten Person, den Menschen, die geduldig hinter der Kamera gewartet haben und einem Bekannten, der mich in der Bildbearbeitung unterstützte.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Matthias Unger:

Der Steg von Schobüll ragt weit ins Wasser hinein und ist der Stolz der Gemeinde. Hier hast Du ihn als Weg in die unendliche Weite inszeniert, und die Symmetrie im Foto ist fast perfekt.

Man sieht ihn so nicht häufig, und es hat bestimmt einiges an Warten gekostet, ihn so aufzunehmen.

Die Art, wie Du ihn nachbearbeitet hast, gefällt mir insgesamt sehr gut. Man sieht, daß es nachbearbeitet ist, aber es ist nicht übertrieben, wenn auch der Eindruck des Stegs nicht ganz zur Gesamtstimmung des Fotos paßt. Das ist aber etwa bei manchen HDR-Aufnahmen genauso, und deswegen nicht unbedingt störend.

Die Wolken am Himmel, gepaart mit dem Glänzen der Sonne auf dem Wasser, machen das ganze visuell interessant. Die Symmetrie allerdings macht es statisch. Du hast im Nachhinein dem Menschen gedankt, der sich dazu entschlossen hatte, hinten auf dem Geländer zu balancieren. Ich hätte ihn sogar gebeten, das doch weiter vorne zu tun, so daß ich ihn größer mit aufs Bild bekomme.

Denn dieser Mensch löst die Strenge der Symmetrie etwas auf, bringt das Bild aus dem “Gleichgewicht”, und bringt genau dadurch das gewisse “Etwas” ins Foto, das es wirklich interessant macht. Oder gemacht hätte, denn da, wo er ist, sieht man ihn kaum.

Man kann natürlich hier argumentieren, es sei die Leere, die unendliche Weite, gewollt gewesen. Es gibt aber so nichts, an dem der Blick des Betrachters wirklich hängen bleibt, und ich hatte fast das Bedürfnis, nachträglich etwas einzufügen, sooft ich einen Blick darauf warf. Das ist für mich normalerweise ein Zeichen, daß etwas irgendwie fehlt.

Wenn also möglich, würde ich die Aufnahme nochmals machen, und dieses Mal etwa jemanden den Steg entlang gehen lassen, oder auf dem Geländer balancieren – irgendetwas, was die Balance absichtlich stört. Und zwar ein gutes Stück sichtbarer, als es hier der Fall ist.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Hallo,
    ich kenne die Aufnahme vom Print und möchte mein Kommentar zu folgender Aussage abgeben:

    “Wenn also möglich, würde ich die Aufnahme nochmals machen, und dieses Mal etwa jemanden den Steg entlang gehen lassen, oder auf dem Geländer balancieren – irgendetwas, was die Balance absichtlich stört. Und zwar ein gutes Stück sichtbarer, als es hier der Fall ist.”

    Diese Anregung ist bei einer Bildschirmbetrachtung durchaus nachzuvollziehen. Wenn man sich die Aufnahme jedoch in DIN A0 an der Wand anschaut, so hat der Geländerwandler durchaus genügend Präsenz. Im Gegenteil, mir persönlich gefällt die unaufdringliche Darstellung dann sogar besser.

    Liebe Grüße
    Frank

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