Porträt einer alten Frau:
Hinter die Erscheinung blicken

In der Porträtfotografie ist es normalerweise wichtig, die porträtierte Person in überzeugender Weise zu zeigen, um dem Betrachter einen Eindruck davon zu geben, was sie ausmacht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Petra Jaldon).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Petra Jaldon).

Kommentar der Fotografin:

Marrakech: alte Bettlerin mit einem Gesicht, das tausende Geschichten vom Leben erzählen könnte… Habe zum erstenmal mein Teleobjektiv benutzt und wollte Vergleiche machen von Farb- und Schwarz-Weiss Portraits und sehen, wann und wie sich ihre Aussage ändert.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Petra Jaldon:

Ein überzeugendes Porträt zu machen, bedeutet, die Individualität Deines Objekts hervorzuheben. Wie sehr Du in die Tiefen ihrer Person eintauchst, liegt ganz an Dir.

Ein Anfang wäre, sich auf die stärksten physischen Eigenschaften der Person zu konzentrieren. Ein zweiter Schritt wäre, hinter die Fassade zu gelangen und etwas Tieferes über sie auszusagen.

Um dies zu tun, kannst Du warten, bis Dein Objekt sich wohl und ungezwungen fühlt und seinen Schutzschild ablegt. Auch, wenn dies nur für einen kurzen Moment geschieht.

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Person in einer gewohnten Umgebung abzubilden, die etwas über sie aussagt, zum Beispiel zu Hause oder an ihrem Arbeitsplatz.

Welche Variante Du auch wählen magst, das Licht muss vorteilhaft genutzt werden, um die Aufmerksamkeit auf das Objekt zu lenken. Hier hebt das helle Sonnenlicht den Hintergrund und den Schal der Frau hervor. Ihr Gesicht ist jedoch einfach zu dunkel. Du hättest warten können, bis die Sonne ihr ins Gesicht scheint. Mit der richtigen Belichtungszeit hätte die starke Mittagssonne ein Netz von kontrastierenden Schatten und hellen Bereichen auf ihrem Gesicht und ihrer Haut erzeugt.

Nachbearbeitet: Die Belichtung lässt sich häufig korrigieren.

Nachbearbeitet: Die Belichtung lässt sich häufig korrigieren.

Ein wichtiger Aspekt der meisten interessanten Porträts sind die Augen. Die Augen werden nicht umsonst als Tor zur Seele bezeichnet. Egal, ob sie direkt in die Kamera starren oder nachdenklich zur Seite sehen, die Augen können sehr viel über die abgebildete Person aussagen. Abgesehen davon können sie es dem Betrachter erleichtern, sich mit dem Objekt zu identifizieren und eine Verbindung herzustellen.

Wie im Beispiel zu sehen, kann Nachbearbeitung viel an schlecht belichteten Bildern verbessern. Was jedoch nicht verändert werden kann, ist der Gesichtsausdruck der Person. In diesem Fall ist es ein unbehaglicher, unschmeichelhafter Ausdruck, der nichts Bedeutsames über die Frau verrät. Egal, welche Art von Fotos Du machst, das wichtigste ist stets, auf den richtigen Moment zu warten. Und das kann auch mal dauern.

Ungeachtet dessen, welches Objektiv Du benutzt, ob Farbe oder Schwarz-Weiß, bei Porträtfotografie ist es wichtig, das Objekt auf eine überzeugende Art zu zeigen, die dem Betrachter verdeutlicht, was die Person zu dem macht, was sie ist.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. stark aufgehellt und doch satt in der farbe.. wie bekommt man das hin, was wurde hier angewandt?
    vielen dank!

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