Treppenhaus-Foto:
Tiefe durch Teleobjektiv

Soll ein langer Raum komprimiert gezeigt werden, muss man ein Teleobjektiv nutzen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Melinda Jersak).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Melinda Jersak).

Kommentar des Fotografen:

Wendeltreppe bei den Hackeschen Höfen in Berlin. Die Treppe ist sicher ein beliebtes Motiv, mir gefiel besonders das Lichtspiel. Bin sehr gespannt auf eure Kritik!

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Melinda Jersak:

Ein wunderschönes Treppenhaus in Berlin-Mitte, das sich gen Himmel schlängelt, ein wenig Licht, dass das schmucke Geländer glänzen lässt. Das perfekte Fotomotiv.

Trotzdem stimmt etwas nicht mit dem Foto. Irgendwie ist es nicht spannend genug. Die Einzelmotive schon, aber nicht das Foto als Ganzes. Warum?

Zunächst ist es sehr schwierig, den Kontrastumfang eines dunklen Treppenhauses mit dem gleißenden Licht, das durch ein Fenster hinein fällt, unter einen Hut zu bringen. Ein Tonwert (Helligkeitsstufe) wird entweder zu dunkel oder viel zu hell dargestellt. Insofern mag das helle Licht hier zwar schön sein, aber es drängt den Rest des Treppenhauses ins Dunkle. Oder man entscheidet sich explizit für eine Belichtung auf die hellen Stellen, um das Treppengeländer in den Vordergrund zu rücken. Dann müsste man allerdings diesen Ausschnitt größer im Bild sehen.

Leider ist hier auch der Ausschnitt (oder besser: der Fotografenstandpunkt) ein wenig unglücklich gewählt. Denn die schöne Flucht des Treppenhauses mit seinem geschwungenen Geländer lädt praktisch dazu ein, es wie einen Strudel zu fotografieren. Dazu hätte ich aber bis oben das ganze Geländer sehen müssen, um eine Symmetrie im Bild zu erreichen. Die Symmetrie ist für das Auge viel angenehmer. Hier ist die eine Hälfte des Geländers durch den zu steilen Winkel verdeckt. Also, einen Schritt nach rechts.

Vor allem der Einsatz eines Teleobjektivs hätte den endlos wirkenden Raum in sich zusammengezogen. Sozusagen komprimiert. Damit würden die einzelnen Ebenen der Stockwerke nicht so weit auseinander liegen, das Foto würde mehr über die geschwungenen Formen wirken. Und dafür wurden solche Treppenhäuser schliesslich gebaut – für die geschwungenen Linien.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Vor allem der Einsatz eines Teleobjektivs hätte den endlos wirkenden Raum in sich zusammengezogen. Sozusagen komprimiert. Damit würden die einzelnen Ebenen der Stockwerke nicht so weit auseinander liegen, das Foto würde mehr über die geschwungenen Formen wirken.

    das stimmt so natürlich nicht. mit einem teleobjektiv hätte man einfach die untersten stockwerke nicht aufs bild bekommen. um die perspektive zu ändern hätte man sich weiter vom objekt entfernen müssen (ein tiefes loch / keller graben und sich da hineinstellen) und DANN mit dem tele fotografieren damit die weit entfernte treppe wieder formatfüllend ist.

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