Jochen Lempert:
Das Auge des Biologen

Mit dem Auge des Biologen fotografiert Jochen Lempert die Natur und die Tiere. Seine Beobachtungen zeigen das Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur.

Jochen Lempert,: oT (Stromboli), 2010, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Jochen Lempert,: oT (Stromboli), 2010, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Zwar geht Jochen Lempert bei seinen Beobachtungen mit den Verfahren der Naturwissenschaft vor. Die daraus entstehenden Panoptiken sind jedoch keineswegs streng wissenschaftlich zu sehen.

Der in Hamburg lebende Künstler Jochen Lempert, Jahrgang 1958, arbeitet seit den Neunzigerjahren mit der Kennerschaft eines studierten Biologen, dem Blick eines Fotografen und eben den Verfahren eines Wissenschaftlers.

In seinen frühen Arbeiten untersucht Lempert, wie die Tierwelt aus menschlicher Sicht gedeutet oder industriell genutzt wird, und zeigt, wie sie sich unbeobachtet im besiedelten Raum neue Nischen erobert.

Jochen Lempert: oT (Wasserläufer), 2006, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Jochen Lempert: oT (Wasserläufer), 2006, © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Die am frühesten begonnene und noch nicht abgeschlossene Werkgruppe von Fotografien “The Skins of Alca impennis” zeigt zum Beispiel den bereits Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorbenen Riesenalk. Auf seinen Reisen sucht Lempert die achtzig verbliebenen, ausgestopften Exemplare in Naturkundemuseen auf, um seine Porträtreihe des markanten Vogels schrittweise zu vervollständigen. Lemperts “Morphologische Studien” wiederum gehen den Ähnlichkeiten von Mensch und Tierwelt in häufig assoziativ begründeten Ordnungen nach. Das Interesse seiner jüngsten Werkgruppen ist auf Formationen, Muster und Strukturen gerichtet, deren Kraft in Vogelschwärmen, Wasserstrukturen und Wolkenformationen zu finden ist.

Jochen Lempert,:Eintagsfliegen, 2008 (1 sec Belichtung), © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Jochen Lempert,:Eintagsfliegen, 2008 (1 sec Belichtung), © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

So bearbeitet Jochen Lempert aktuelle Fragestellungen am Beispiel Tier in all seinen Erscheinungsformen. Seine Bilder von freien und gefangenen Tieren, Präparaten und Kulturgegenständen montiert er “pseudowissenschftlich“ zu Gruppen zusammen. Durch seine Arbeitsmethode des vergleichenden Sehens steht seine sinnliche Ausdrucksweise in einer naturwissenschaftlichen Tradition. Seine Bildsprache folgt einem freischwebenden Gefüge von Gedanken und Einfällen. So gleichen seine Bildwelten einem offenen Forschungslabor aus Bildern.

Jochen Lempert: Vier Frösche, 2010 (Fotogramm), © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Jochen Lempert: Vier Frösche, 2010 (Fotogramm), © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Die schwarzweißen Fotografien sind auf dickem Fotopapier abgezogen. Teil der Kölner Ausstellung sind auch Arbeiten, die 2009 während Lemperts Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom entstanden sind. Zu ihnen gehören neben Fotogrammen, auf denen Insekten und Reptilien ihre Spuren hinterlassen haben, auch eine Fotoserie des aktiven Vulkans Stromboli: Eine schwarze Wolke steigt auf und verfliegt, bis der helle Horizont gegen den dunklen Vordergrund und den rauchgeschwärzten Himmel zu sehen ist: ein Motiv, das aktueller gerade kaum sein kann.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König in Köln. Coevolution (Affiliate-Link) und Recent Field Work (Affiliate-Link) – so heißen zwei Bücher mit Jochen Lemperts Arbeiten, beide ebenfalls im Verlag Walther König erschienen. Seine Webadresse entpuppt sich als Weiterleitung zur Website der Galerie Sabine Schmidt. Dort gibt’s online einige Bilder zu sehen.

Jochen Lempert
Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, D-50667 Köln
+49 (0 )221-22126165
info@museum-ludwig.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) 10 – 18 Uhr, erster Donnerstag im Monat 10 – 22 Uhr

Jochen Lempert
Museum Ludwig Köln

 

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