Symbolfoto:
Einsam zu zweit

Die besten Symbolbilder stellt der Alltag bereit. Man muss sie aber sehen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Günter Bremm).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto wurde in Cuxhaven aufgenommen,am Abend eines ungewöhnlich sonnigen und klaren Frühlingstages. Als wir unsere Ferienwohnung verließen, sah ich die beiden älteren Herrschaften auf ihren Bänken sitzen und zückte sofort meine Kamera. Dann musste ich noch kurz meine Frau von der Treppe scheuchen, andere Passanten waren gerade weit und breit nicht zu sehen.

Ich hatte in diesem Fall spontan, ohne große Überlegung fotografiert (die Kamera befand sich im Automatik-Modus)und das Foto später auch nicht weiter beachtet. Um so überraschter war ich, dass es bei diversen Freunden und Bekannten bisher gut aufgenommen wurde. Über Eure Kritik würde ich mich sehr freuen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Günter Bremm:

Zwei Menschen sitzen, in fünfzig Metern Abstand, am jeweils em andern zugewandten Ende zweier Parkpänke auf einem Deich. Sie blicken, mit dem Rücken zur Kamera, hinaus auf den nicht sichtbaren Horizont.

Zwischen Ihnen verläuft, wie eine Trennlinie, eine Treppe hoch zu dem Deich. Die Belichtung der Aufnahme ist auf den Himmel mit einigen unscheinbaren Wölkchen ausgerichtet, der drei Viertel der Bildfläche einnimmt.

Kokettierst Du hier nicht ein bisschen? Du bist überrascht, dass das Bild ankommt? Ich bin es nicht.

Diese Fotografie hat alles, was so manche Symbolaufnahme aus einem Stockfoto-Angebot haben möchte, von denen man inzwischen im Internet viele sieht (und Robert Kneschke wird mir jetzt sicher gerne widersprechen): Sie ist einfach, eindeutig, lässt dennoch viel Interpretationsspielraum zu und stört die Bildaussage nicht mit zusätzlichen, überflüssigen Motivelementen.

Anders gesagt: Die Aussage ist plakativ und klar, aber trotzdem reizt das Bild noch zum Hinsehen – vor allem auch, weil es eindeutig authentisch ist, also nicht gestellt.

Das mag daran liegen, dass es technisch nicht die Perfektion aufweist, die man von einer Stockfotografie erwarten würde: Der Deich ist nicht ausgeleuchtet und auch in der Belichtung nicht ganz korrekt gewichtet; die beiden Menschen sind zwar annehmbar eine Frau und ein Mann, aber das ist nicht so unverkennbar eindeutig, wie es auf einer Stockaufnahme mit bezahlten Models wäre.

Trotzdem, oder wie ausgeführt grade darum finde ich das Bild sehr reizvoll, und für einen spontanten Schnappschuss sehr schön komponiert: Der grossräumige Himmel, obwohl nicht sonderlich spannend und attraktiv, ergänzt die Aussage durch seine Weitläufigkeit sehr schön und macht die beiden „einsamen“ Menschlein so klein, wie sie sich nach dem Bildinhalt fühlen.

Kein Spitzenbild, aber ein sehr gut gelungener Schnappschuss, und als solcher in einer Serie „Strassenfotos“ ein gutes Stück.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Günter Bremm says:

    Vielen Dank, Peter, für Deine Rezension! Ich hatte das Bild tatsächlich noch nicht auf diese Weise gesehen, aber durch Deine Kritik erschließt es sich mir nun ganz neu (allerdings auch die braune, undefinierbare Masse, die wohl das Deichgras war.) Kokettieren wollte ich aber nicht, nur meine Unsicherheit überspielen.
    @ Christian: Danke für das nette Kompliment! Ich hatte diesen Standpunkt sehr spontan gewählt und keine Gelegenheit für eine zweite Aufnahme. Mit einer Vollansicht wäre die Symmetrie noch vollständiger gewesen, aber die Chance ist vorbei. Aber wie Peter schon geschrieben hat: Ist vielleicht auch ganz gut, dass es nicht zu sehr durchkomponiert ist?!

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  2. Christian Gruber says:

    Tolles Bild. Vielleicht ein halben Schritt nach rechts zur totalen Symetrie der Treppe wäre noch reizvoll gewesen.
    PS: Vollansicht funktioniert nicht?

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