Waschbeckenfoto:
Verkannte Kunst

Nicht jedes unscharfe Bild ist Kunst, aber manches kann zu dieser werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Steffen Jörg).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild wurde mit einer einfachen Revue-Kamera gemacht. Mir gefiel die die Einfachheit des Waschbeckens, wie er sich lange durch den Raum zieht. Leider musste ich die Kamera aus Platzgründen auf das Waschbecken stellen und konnte nicht wirklich fokussieren (soweit das mit der Revue überhaupt möglich ist). Ich selbst finde das Bild gelungen. Merke aber, dass viele derer, denen ich das Bild zeigte, damit nichts anfangen können. Was habe ich falsch gemacht?

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Steffen Jörg:

Grundsätzlich bin ich ja auch eher ein Freund von selektiver Schärfe, das heißt, etwas Schärfe sollte in einem Bild vorhanden sein, an der sich der Betrachter orientieren kann und das Bild von dort aus erkunden. [textad]

Somit kann ich auch das Unverständnis mancher Deiner Bekannten verstehen. Trotzdem gefällt mir das Bild von Steffen Jörg (welches ist nun der Vorname?) auch sehr gut. Dadurch, dass er einen alltäglichen Gegenstand darstellt, muss gar nichts scharf sein, um zu erkennen, was auf dem Bild ist.

Die Phantasie wird auch so angeregt. Was befindet sich im Dunkel des Bildes? Ist es ein Waschraum in einer Großküche oder Waschbecken in einer Schule? Warum hängen noch Wassertropfen am vorderen Hahn? Ist gerade eine Heerschar Menschen von diesen Wasserstellen weg geströmt?

Alle diese Fragen kommen mir bei einer ersten Betrachtung des Bildes. Die Linienführung in den Hintergrund durch die gewählte Zentralperspektive bringt auch kein Licht ins Dunkel, wirft aber weitere Fragen auf. Und nun kommt das was ich mir wünschen würde: Eine Auflösung in Form einer Bildreihe zum Beispiel.

Gibt es noch mehr solcher Bilder? In diesem Raum, oder ähnliche Bilder, die einen Seriencharakter erkennen lassen? Das würde sicher wieder ein paar mehr Deiner Freunde überzeugen und ihnen zeigen, dass sie nicht einfach nur ein verwackeltes, unscharfes Bild sehen, sondern dass Du Dir bei dem Projekt Gedanken gemacht hast. Und wenn dem noch nicht so ist, dann jetzt aber los…

Übrigens gibt es ein Buch zum Thema Unschärfe (Affiliate-Link) mit angeschlossener Website.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Harry Keller says:

    Mir geht es ähnlich, wie Peter Bundrück… Ich finde das Foto extrem gelungen, würde ein solches auch jederzeit in meiner Wohnung aufhängen, jedoch kann ich nicht sagen, was genau es ist, das mich fasziniert. Die Unschärfe finde ich keineswegs störend, nein in diesem Fall bringt sie das gewisse Etwas. Ich werde mich noch weiter damit befassen, damit ich evtl. noch herausbekomme, was genau dieses Bild so interessant und gut macht, um das auch für meine eigenen Fotografien zu verwenden…

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  2. Peter Bundrück says:

    Ich finde das Bild ersteinmal interessant weil es eine gewisse Atmosphäre erzeugt. Ich könnte nicht bennen warum das so ist aber als Betrachter oder sogar potenzieller Käufer wäre mir das egal. Es gefällt!

    Antworten

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