Hafenstadt-Sonnenuntergang:
Symmetrie in Spiegelung

Spiegelbilder sind eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen rein symmterischer Bildaufbau nicht unbedingt zu Langweile führen muss.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Philipp Leibig).

Kommentar des Fotografen:

Diese Foto ist in der Normandie entstanden, als wir eines Abends durch diese malerische Hafenstadt geschländert sind. Die Spiegelung im Wasser als auch der fantastische abend Himmel hat mir einfach die Sprache verschlagen. Diese Bild finde ich sehr harmonisch und friedvoll, aber allein durch den Himmel und den Sonnenuntergang in der Bildmitte nicht langweilig.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Philipp Leibig:

Eine idyllische Hafenstadt im Nordwesten Frankreichs, fotografiert von einem Boot oder einem Kai aus gegen die untergehende Sonne.

Das Bild ist im Horizont gemittelt, weist aber als kleinen Bruch mit der Symmetrie zwischen Hauszeilen und ihrer Spiegelung im stillstehenden Wasser am linken Rand den Bug eines klassischen Segelschiffes auf. Er bricht die 1:1 Aufteilung gerade genug, um etwas zusätzliche Spannung in die Aufnahme zu bringen, und bildet einen idealen Vordergrund, über den der Blick wandern kann.

Man könnte sagen, Du habest grosses Glück gehabt: Häufig ist es ja so, dass man bei solch atemberaubenden Anblicken die Kamera zückt und dann feststellen muss, dass sich keine vernünftige Komposition finden lässt, die nicht extrem störende Elemente enthält oder die Harmonie bricht.

Spiegelungen sind eines der wenigen Motive, welche eine extreme Symmetrie zulassen oder bisweilen sogar Fordern. Hier besteht noch weniger als sonst die Gefahr, dass das Bild durch den mittigen Schnitt langweilig wird, weil sich der gespiegelte äuserzug des Städtchens vom Vordergrund vorne Rechts dynamisch in die Bildmitte hineinzieht.

Ein absoluter Volltreffer ist dabei aber auch noch der Bug des Segelschiffs links: Nicht zu aufdringlich, so dass er der Häuserzeile, der Wärme des Lichts in den Fenstern und dem Sonnenuntergang im Hintergrund nicht die Show stiehlt, aber gleichsam schon fast kitschig exakt zur Szenerie passend und die Aussage „friedvolles Hafenstädtchen“ unterstützend.

Keine minutenlang den Atem raubende Aufnahme, aber ein grandioses Urlaubsbild, das Stimmung und Bildästhetik vereint und einen Hauch von unspektakulärer Perfektion aufweist.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. philipp says:

    Lieber Peter, ich danke Dir für die Kritik :)

    Und du hast recht, es ist von einer Kai Mauer aufgenommen. Leider hatte ich kein Stativ, aber ein Eisenpfosten an dem normalerweise Schiffe befestigt werden, diente als Ersatz.

    Antworten

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