Architekturfoto:
Reduce to the Max

Linien und Flächen, Räume und Formen sind die Elemente der Architektur, und sie können in der Fotografie neu inszeniert werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Nicole Holz).

Kommentar des Fotografen:

Hochhaus Nähe Messe Frankfurt / M. – gereizt hat mich hier die andersartige Perspektive auf die strenge Geometrie von Formen, Fläche und Linien, die auf den ersten Blick nichts mit der gewohnheitsmäßigen Betrachtung gemein haben.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Nicole Holz:

Eine radikal auf Wiederholung basierende Struktur aus identischen Elementen zieht sich in diesem in dunklem Sepia gehaltenen Bild vom Vordergrund links vorne in die Bildtiefe nach rechts hinten.

Eine Reihe kalter Blöcke steht auf einer glatten Bodenstruktur aus einzelnen Platten, in denen in gleichen Abständen quadratische Vertiefungen eingelassen sind. Der Fluchtpunkt der Aufnahme liegt dicht am rechten Bildrand im obersten Drittel der Komposition.

Architektur? habe ich mich gefragt, als ich das Bild das erste, das zweite und auch das dritte Mal noch ohne die Legende angesehen habe. Kann man einen Serverraum einer Bank als Architektur bezeichnen.

Erstens: Wahrscheinlich kann man. Zweitens: Das ist kein Serverraum.

Und sowie ich das verstanden hatte, war ich von dem Bild noch mehr begeistert: Es illustriert auf eindrücklich minimalistischer Weise, wie konditioniert unser Sehen bereits ist. Futuristisch, kalt und „stapelweise“ angelegte Strukturen, die in Reih` und Glied stehen, sind militärischen Ursprungs oder stammen aus der Informatik, wo das Schlagwort „Skalierbarkeit“ alles beherrscht, was dieses Bild durch die ausgeprägte Aufreihung der Objekte zum Ausdruck bringt.

Für mich jedenfalls hat alles gepasst: Beeindruckende Servertürme, ultrasaubere Athmosphäre und die Löcher im Doppelboden, in dem die Kabel verlaufen.

Dass es sich im die Aufnahme eines modernen Hochhauses handelt, also eigentlich des genauen Gegenteils eines Serverraums, nämlich des Behältnisses für Menschen, ist zunächst ein Schock und regt dann zum Denken an.

Die an sich langweiligen Formen und Linien, die Du dynamisch dramatisiert und mit Hoighkey und Sepia weiter herausgearbeitet hast, um sie dann allein durch das Kippen um neunzig Grad in eine völlig andere Betrachtungsweise zu überführen, bringen uns plötzlich doch wesentlich mehr zum Grübeln als die an sich phantasielose, „skalierbare“ Architektur, der sie entstammen. Regelrecht aufregend.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Antworten
  1. Nicole Holz says:

    Vielen herzlichen Dank für die differenzierte Kritik und das positive Echo – es freut mich sehr, dass meine Intention genau in der Form übersetzt wurde, aus der sie entsprungen ist.

    Es handelt sich hier übrigens nicht um ein 3D-Rendering!

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  2. Konrad says:

    Das Bild lädt trotz der Einfacheit zur längerem und intensiven Hinsehen ein. Farbe, Bildgestaltung und Perspektive einfach nur TOP !

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  3. Thorsten Olbrich says:

    Erschreckend ich hab mir das Bild angeschaut und mir den Kopf zermartert und gefragt was wurde an der Fotografie bearbeitet.
    Es hat mich an eine Sciencefictiongeschichte denken lassen. So hab ich mir immer Städte in der Zukunft vorgestellt standardisiert, profillos, kühl, mächtig und erfüllt von einer monotonen Gleichgültigkeit.
    Ich schreib wirklich selten was zu irgendwelchen Bildern weder hier noch anders wo aber das ist wahrlich ein Kunstwerk ich kann mich nicht erinnern je eine Architekturfotografie gesehen zu haben die mich so berührt und zum nachdenken gebracht hat.

    Gruß

    Thorsten

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  4. Peter Bundrück says:

    Ein Foto das echt begeistert obwohl ich sonst nicht so auf Architektur stehe. Aber allein dieser schon angesprochene 90° Blickwinkel wirft unser „eingefahrenes „Sehen so durcheinander. Klasse!
    Ich dachte übrigens auch sofort an ewtas Computermässiges.

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