Landschaftsfotografie:
Wolkendynamik

Mit längeren Belichtungszeiten lassen sich auch in der Landschaftsfotografie spannende Effekte erzielen.

Kommentar der Fotografin:

Dieses Bild entstand bei einer Fototour, bei der ich gezielt mit Grau- und Grauverlauffilter sowie Polfilter arbeiten wollte. Ich mag die Dynamik der Wolken. Mit dem Bildaufbau wollte ich die etwas fade wirkende Landschaft interessanter gestalten, ist es mir gelungen? B&W 1000x; Marumi Polfilter und Cokin Grauverlauf

Peter Sennhauser meint zum Bild von Berit Künzelmann:

Ein Flecken Schnee liegt an einem kleinen Abhang im Vordergrund, eingerahmt von blattlosem Gestrüpp; darüber ein tiefblauer, in Schwarz verlaufender Himmel mit Wolkenfetzen, die in der Bewegungsunschärfe verzerrt sind.

Bei dieser Fotografie handelt es sich nach Deinen Angaben um eine Fingerübung mit Pol- und Verlaufsfilter. Dafür finde ich sie recht gelungen – jedenfalls hast Du die Wirkung beider Filter gezielt und wirksam eingesetzt.

Der Reiz der Aufnahme liegt im Tempo der Wolken, die über den in einem starken Farb- und Polarisierungsverlauf sich nach oben schwärzenden Himmel “rasen”.

Interessant ist dabei der Gegensatz des am Boden liegenden Schnees, der gestochen scharf und regungslos wie ein stilles Spiegelbild der Wolken am Himmel wirkt.

Bemerkenswert ist das, weil Du den ohnehin schon durch die Bewegungsunschräfe verfälschten Wolken etwas gegenübersetzt, das einen Kontrast bildet und die Aufnahme als gezielte Langzeitbelichtung ausweist: Jedem Betrachter ist sofort klar, dass der Geschwindigkeitseffekt der Wolken gewollt war und Teil der Komposition ist.

In der Landschaftsfotografie, wo man es oft mit stillstehenden Objekten und nur langsam sich veränderden Gegebenheiten zu tun hat (wobei langsam sehr relativ sein kann – manchmal verändern sich die Verhältnisse sehr schnell, und gewisse Objekte am Himmel stellen wegen ihres vermeintlichen Stillstands eine Fallgrube für ungeübte Fotografinnen dar, sind Langzeitbelichtungen ein verkanntes, aber spannendes Mittel, um spezielle Effekte zu erzielen und vielleicht auch eine ansonsten langweilige Umgebung mit einem Reiz zu versehen, der zum Hingucken animiert.

Wasser ist dafür besonders geeignet und wird häufig inszeniert, aber auch die Sterne, wie hier die Wolken oder Zivilisationserscheinungen wie Autos lassen sich nur mit der Kamera auf eine Art darstellen, wie wir sie sonst nie sehen (oder ausblenden, was durchaus auch spannend sein kann.)

Was die Filteranwendung angeht, hast Du hier – was geschmackssache ist – meiner Ansicht nach etwas des Guten zu viel getan. Der Polfilter allein würde den Himmel bereits mit einem minimalen Verlauf versehen und zugleich das Blau in ein Schwarz verwandeln (richtiger Sonnenstand vorausgesetzt). Verlaufsfilter werden ind er Landschaftsfotografie vor allem zur Abgleichung extremer Kontrastverhältnisse verwandt, was sich indes heute auch mit HDR-Techniken erledigen lässt.

Dem Bild fehlt indes vor allem ein spannendes Element im Vordergrund. Der Schneefleck ist eine schöne Idee, aber allein vermag er nicht ausreichend Interesse zu wecken, und das Gestrüpp links wirkt eher wie die Notlösung, die es wahrscheinlich ist, denn als Bildgestaltungselement.

Wenn Du eine solche Idee hast und sie umzusetzen versuchst, musst Du zwar mit den Gegebenheiten vor Ort arbeiten, aber ich bin sicher, es hätte sich auch noch etwas interessanteres für den unmittelbaren Vordergrund finden lassen: Da Du mit dem Weitwinkel (24mm Kleinbildäquivalent) unterwegs war, hätte sich der kleinste Gegenstand vor dem Schneefleck gross ins Bild nehmen und zugleich die Schärfe mit einer kleinen Blende über alle Tiefenebenen behalten lassen.

Das Fazit lautet demnach: Durchaus mögliche Anwendung der Filter, gute Idee für ein dynamisches Bild, aber etwas zu wenig Einsatz bei der dessen Komposition und Gestaltung.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Daniel
    schrieb am 10. Mai 2010 um 21:15 Uhr (#)

    Guten Tag,

    Ich bin bei der Internet Suche auf Ihre Fotografie Seite gestoßen. Die dort gezeigten Arbeiten haben mir sehr gefallen, auch die Texte zeugen von sehr viel Fachwissen, Verständnis und Feingefühl für die Materie.

    Ich bin gerade dabei einen Blog ins Leben zu rufen der sich den vielen Facetten der Fotografie widmet, über eine etwaige Verlinkung würde ich mich sehr freuen.

    Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen und wünsche noch einen schönen Tag :-)

    Daniel

  2. maizy
    schrieb am 20. Mai 2010 um 11:34 Uhr (#)

    Ich möchte mich, auch wenn es jetzt schon ein paar Tage her ist, im Nachhinein nocheinmal für die ausführliche Kritik bedanken. Ich habe wieder viel dazu gelernt. An meiner Arbeit mit den Filtern halte ich fest, soviel steht auf jeden Fall für mich fest. Ich muss nur noch weiter lernen sie richtig einzusetzen.

    Mit allen Kritikpunkten stimme ich nun im Nachhinein überein. Ich habe mir das Bild auf Postergröße entwickeln lassen und fand es dann garnicht mehr so ansprechend. Und das liegt eindeutig an der eher lieblosen Bildkomposiion. Zur Zeit nehme ich an einem Workshop zu dem Thema teil und werde in dieser Richtung sicher noch einiges dazu lernen. Ich lese auch gerade “Der fotografische Blick” von Michael Freemann….Also es kann nur besser werden. ;-)

    @Daniel
    Verlinkung ist kein Problem, ist mir eine Ehre. Ich muss nur versuchen deinen Blog irgendwie bei mir einzubauen, wird nur unter der Rubrik “Artists Bio” gehen. Meld dich einfach nochmal bei mir, ob das so klappt.

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