Landschaftsfoto:
Spannende Ungereimtheiten

Landschaftsfotografie lebt von der Tiefe. In mancher Tele-Aufnahme aber kleben Vorder- und Hintergrund dafür umso beeindruckender aufeinander.

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild habe ich vor Jahren im Winter gemacht. Hinter dem “einsamen” Baum ist ein Tal, welches von Schnee bedeckt war. Ab einer bestimmten Höhe war dieser dann wieder geschmolzen, was dem ganzen einen schönen Kontrast gibt. Dieses Bild (Mit einer Bridgecam geschossen) war der Anlass für mich, mich mehr mit der digitalen Fotografie auseinander zu setzen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Pascal Mathys:

Ein Baum an einem Abhang steht im Zentrum dieser schwarz-weissen Landschaftsfotografie. Seine nackten Äste und die Umgebung – ein Acker ganz im Vordergrund, Büsche daneben und ein verschneiter Hintergrund – wirken seltsam falsch, wie bei einem verspäteten Wintereinbruch kurz vor dem Frühling.

Das Tal im Hintergrund ist verschneit, könnte aber auch – die puderzuckerweissen Bäume sprechen Bände – von einem Frostnebel in eine Märchenlandschaft verwandelt worden sein. Dafür spricht auch der Umstand, dass der Wald ab einer gewissen Höhe im Bild nicht mehr weiss ist.

Bei flüchtigem Hinsehen könnte man den Hintergrund für einen ins Tal kriechenden Gletscher halten: Der einsame Baum und die grosse Macht im Hintergrund ergeben durch die erstaunlich klare Sicht und die angesichts einer doch sehr grossen Blende 4 einen wirksamen Kontrast.

Für eine Bildaussage ist damit schon mal gesorgt, und dass das Motiv im Zentrum der Aufnahme steht, ist dank der Einrahmung durch die Büsche nicht störend.

Die Silhouette vor dem grossen weissen etwas, das man sich genauer ansehen muss, und das doch eigentlich nicht Motiv, sondern der Hintergrund ist, sorgen gemeinsam für ein weiteres Gefühl von “hier stimmt was nicht”. So sorgen die kleinen Ungereimtheiten – die grösste davon bestehend aus der Umkehr der “Schneelage” – für eine seltsame Faszination, die von der ganzen Aufnahme ausgeht.

Beachtenswert finde ich den Zusammenzug durch die Tele-Aufnahme, weil der Hintergrund durch den nach unten geneigten Blick hoch hinter dem Motiv aufragt und dabei nur in wenig Unschärfe getaucht ist, und weil Teleaufnahmen in der Landschaftsfotografie eher selten sind. Der umgekehrte Verlauf am bewaldeten Hang wird dem Betrachter dadurch noch stärker aufgedrängt.

Was mir nicht sonderlich gefällt, ist die starke Vignettierung, die hier dem genannten Effekt deutlich entgegenwirkt: Man könnte die gesamte Abdunkelung des oberen Teils des Hangs auf diesen Effekt zurückführen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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