Touristen-Porträt:
Umgebungsbezug schaffen

Porträts vor imposanter Kulisse sollten einen Bezug zwischen Porträtiertem und Umgebung aufweisen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Max Haupt).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Max Haupt).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto habe ich im Januar auf Mauritius aufgenommen. Mein Bruder wollte ein paar schöne Aufnahmen von sich. Mir gefällt das Bild sehr, ich bedaure aber in der Zwischenzeit, dass ich nicht noch eine Querformat-Version fotografiert habe. Dann hätte ich die Person aus dem Zentrum holen können.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Max Haupt:

Ein junger Mann in Touristen-Outfit sitzt in lockerer Haltung auf schwarzem Lavagestein an einem Meeresufer.

Man könnte hier gleich vorweg bemerken: Wenn sich das Bild in einem einzigen Hauptsatz beschreiben lässt, fehlt wahrscheinlich etwas.

Natürlich liesse sich hier auch noch mehr sagen: Der Mann blickt entspannt irgendwo rechts aus dem Bildausschnitt hinaus, zum Beispiel.

Aber just darin sehe ich ein Problem:

Denn schon wenn ich beschreiben sollte, warum und in welcher Tätigkeit und mit welchem emotionalen Ausdruck er da sitzt, bin ich am Ende meiner Weisheit. Das Bild liefert keinen Hinweis darauf. Der Blick nach rechts ist das gravierendste Manko – dort ist nämlich nicht nur nichts, sondern es gäbe genau auf der andern Seite im Bild zumindest eine Anspielung auf die Brandung des Meeres, zu der der Porträtierte so keinerlei Bezug aufweist. Eigentlich hättest Du ihn also auch vor eine Fototapete im Studio aufstellen können. Dass er das Bild fast ausfüllt und im Zentrum sitzt, unterstreicht den Eindruck von “setz Dich mal schnell hin und ich drücke ab”.

So sauber die Aufnahme technisch auch sein mag – kleine Blende, porträthaft ideal geringe Schärfentiefe, gleichmässige Ausleuchtung durch leicht bedeckten Himmel – so langweilig wirkt sie umgekehrt durch das zusammenhanglose Setup. Ein Porträt soll schliesslich etwas mehr über eine Person (oder im Idealfall sehr viel mehr) aussagen als nur das äusserlich Sichtbare zu zeigen. Stark überspitzt gesagt würde das hier bedeuten, dass diese Person angesichts des bewegten grünblauen Meeres unmittelbar zu ihren Füssen mit einem Monalisa-Lächeln in die andere Richtung blickt – was ich nicht gerade für schmeichelhaft halte.

Mein Punkt ist der: Wenn Ihr in einer faszinierenden Umgebung ein Shooting machen könnt, sollte zwischen dem Porträtierten und der Umgebung eine Interaktion oder ein Bezug hergestellt werden. Was tut der Mann hier, wie wirkt diese Umgebung auf ihn, welche Emotionen weckt sie bei ihm – all das kann in einem solchen Bild enthalten sein und macht es sofort viel lebendiger. Der träumerische Blick in Richtung des unsichtbaren Meereshorizonts nach links etwa wäre eine, wenn auch klischierte, Variante; oder ein Spiel mit den fliegenden Gischttropfen, oder ein interessierter Blick in den kleinen Gezeiten-Pool zu Füssen Deines Bruders, der hier schon fast im Weg ist und mit Adiletten getreten wird…

Ein lehrreiches Beispiel dafür, dass man sich in Situationen mit konfigurierbarem Bildinhalt umso mehr genau darauf konzentrieren sollte: Die tolle Umgebung wird ansonsten, weil sie durch die Pose des Modells gewissermassen “vernachlässigt” wird, zum Gegenspieler der eigentlichen Bildabsicht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für die Kritik. Ich musste zwar zunächst etwas schlucken ob der deutlichen Worte, kann mich mit den Argumenten mittlerweile aber anfreunden. In jedem Fall werde ich mir Mühe geben, diese Fehler nicht zu wiederholen.

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