Selektives Licht:
Rot im Spotlicht

Sonnenstrahlen, Staub, Rot: Die Reduktion auf eine Farbe und eine eher seltene Lichtstimmung lassen dieses Foto zu seiner Wirkung kommen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Cinatl).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild wurde im Februar auf dem Dachboden einer Scheune aufgenommen – eigentlich ein Zufall, da gerade in dem Moment, als der Bauer mit dem Kehren der Scheune begonnen hat, die Sonne durch die Wolken geklommen ist und eine Lichtsäule durch die Dachluke geworfen hat. Mir gefällt der Kontrast zwischen den alten Autoteilen und dem Staub und der roten Tonne, der Lichtschein gibt dem ganzen etwas Mystisches.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Alexander Cinatl:

Man nehme: Den Dachboden einer Scheune, von jeder Gestaltungsregel für gute Fotos ein Teil, mixe das Ganze und man erhält ein sehenswertes Foto. Es ist schon beeindruckend, wie in dem eher schlicht gehaltenen Bild so viele gelungene Kompositionselemente zusammenkommen. Aber der Reihe nach:

Sofort ins Auge fällt die rote Tonne links im Bild, vor allem deshalb, weil sie in dem von Grautönen dominierten Bild der einzige Farbklecks ist. Rot ist sowieso eine Signalfarbe, verstärkt die Wirkung also noch. Dazu passend ist der kleine Gefahrenaufkleber mit dem Verbotskreuz.

Ein weiterer Grund, warum die Tonne so hervorgehoben wird, ist der diagonale Lichtstrahl von rechts, der zum einen das Foto in zwei dunkle Hälften teilt und den umherschweifenden Blick immer wieder zurück zur Tonne führt, da Europäer wegen der Schrift gewohnt sind, eher von links nach rechts zu schauen. Auch der Lichtstrahl selbst ist bemerkenswert, da wir Licht selten so greifbar sehen. In diesem Fall ist der durch das Fegen aufgewirbelte Staub dafür verantwortlich. In der Natur werden manchmal die Sonnenstrahlen durch den Morgennebel betont.

Durch die Autoteile im Vordergrund gewinnt das Bild auch noch eine plastische Tiefe, mit dem Gerümpel vorn, dem Lichtstrahl dahinter, gefolgt von der Tonne und beendet von der kaum noch sichtbaren Scheunenwand. Etwas störend sind einzig der hängende Stoff (Jacke, Plane?) oben links und die winzige dunkle Ausbuchtung in der Mitte des rechten Bildrandes, aber beides sind Dinge, die leicht retuschiert werden können.

Der Fotograf nennt die Stimmung seines Fotos mystisch; dem würde ich noch ein düster und verlassen hinzufügen. Unwillkürlich fragt sich der Betrachter: Was ist in der Tonne? Ist es gefährlich? Schlummert hier eine tickende Zeitbombe? Oder lassen sich von mehr Schätze in der verlassenen Scheune finden?

Diese Anregung der Gedanken, gepaart mit einer gelungenen Komposition zeichnen ein gutes Foto aus.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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