Ruben Brulat:
Nackt und ausgeliefert

Der französische Fotograf Ruben Brulat will selbst Teil seiner Bilder sein: Nackt und bloß liefert er sich den Szenerien aus.

Ruben Brulat: Pontualité non récurrente aus der Serie Immaculate, 2009

Ruben Brulat: Pontualité non récurrente aus der Serie Immaculate, 2009

Was geschieht mit einem, der sich mitten in der Nacht, aller Kleidung entledigt, einer kalten Büroarchitektur ausliefert? Oder der nackt Teil der Natur wird? Ruben Brulat zeigt es uns in der aktuellen Ausstellung in Hamburg.

Ruben Brulat: Classes paradoxales aus der Serie Immaculates, 2009

Ruben Brulat: Classes paradoxales aus der Serie Immaculates, 2009

Ruben Brulat setzt seinen Körper ein, um die Beziehung des Einzelnen zur Welt zu zeigen, seine Schutzlosigkeit, seine Unschuld, seine Macht.

Der 21 Jahre junge Ruben Brulat sagt über seine Arbeit:

“Als ich anfing, Fotos von mir selbst zu machen, konnte ich das Unbehagen, das mich an diesen Plätzen beschlich, viel einfacher ertragen: Indem ich mich auszog, ging ich eine totale Symbiose mit der Umwelt ein. Und je mehr Bilder ich machte, desto klarer wurde mir das. Eine Fiktion zu erschaffen kann einen näher zur Realität bringen.”

Ruben Brulat: L'embrassement organique, aus der Serie Primates, 2009

Ruben Brulat: L'embrassement organique, aus der Serie Primates, 2009

Der junge Franzose geht bei seinen Aufnahmen nach einem genau konzipierten Drehbuch vor. Bei seiner Serie “Immaculate”, in dem die gesichtslose Bürostadt “La Défense” vor den Toren von Paris im Mittelpunkt steht, wartet er, bis die letzten Angestellten die Gebäude verlassen haben.

Dann wandert so lang durch die Betonschluchten, bis er von einem Ort inspiriert ist. Er träumt sich in die Szenerie hinein, bis der Drang so groß wird, selbst Teil des Bildes zu werden. Die technischen Parameter sind gesetzt, dann zieht sich der Fotograf aus, läuft an eine bestimmte Stelle, kauert sich hin oder drückt sich an eine Säule oder legt sich flach auf den Boden. Sein Körper tritt in Wechselwirkung zu dieser öden Bürowelt.

Ruben Brulat: Une paix aus der Serie Primates, 2009

Ruben Brulat: Une paix aus der Serie Primates, 2009

Auch in der Serie “Primates” geht Ruben Brulat eine Symbiose seines Ichs mit der Umgebung ein, diesmal gleich mit der “ganzen” Natur. Kaum zu erkennen ist in den großen Landschaftspanoramen der eine, wie verloren wirkende, entblößte Körper.

Hier geht es um den Verlust von Identität, wenn der Mensch zwischen Grashügeln, Flussbett oder Schneefeld zum Bestandteil von Natur wird und sich die Frage des (nackten) Überlebens stellt.

Ruben Brulat, Jahrgang 1988, lebt in Paris. Obwohl er erst gut zwei Jahre fotografiert, reißen sich internationale Magazine wie Wallpaper oder Esquire um ihn. Auf Ruben Brulats Website finden wir neben den in Hamburg ausgestellten Serien auch seine anderen Projekte.

Ruben Brulat – Immaculate & Primates
Bis 31. Jul
G3 Gallery, Mittelweg 41a, D-20148 Hamburg
+49 (0)40 469 661 91, office@g3-gallery.com
Geöffnet Dienstag bis Freitag 12 – 18.30 Uhr, Samstag 11 – 14 Uhr und nach Vereinbarung

Ruben Brulat
G3 Gallery

 

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