Situationsporträt:
Junge Frau in alter Burg

Die Schönheit junger Frauen und der Verfall alter Ruinen ist oft nur schwer in Einklang zu bringen. Auch bei diesem Bild wurde den Details nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Patrick Therre).

Kommentar des Fotografen:

Shooting auf einer Burg

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Patrick Therre:

Junge Frau in einer Burg. Aus einem mir unbekannten Grund lockt der Gegensatz junger weiblicher Haut und alten Steingemäuern so viele Fotografen, dass diese Bildidee von vor Jahrzehnten zum Klischee verkommen ist.

Vielleicht liegt es daran, dass alte Burgen in abgelegenen Gebieten liegen, die sich gut eignen, um ohne Zeitdruck und neugierige Beobachter die ersten Erfahrungen in der People-Fotografie zu machen? Da spricht nichts dagegen.

Bei fast allen Frau/Burg-Bildern, zu denen ich auch das Foto von Patrick Therre zählen würde, gibt es jedoch einen eklatanten Widerspruch:

Die Plausibilität. Eine junge Frau, sei sie nackt oder modern gekleidet, sieht oft nicht so aus, wie Burgfräuleins im Mittelalter aussahen. Das betrifft nicht nur die Kleidung, sondern oft auch die Frisur und bei Aktaufnahmen meist auch die Intimrasur.

Selbst wenn ein Fotograf eine Gothic-Lady vor die Burg platziert, die ein mittelalterliches Gewand trägt, sieht die Burg dann meist immer noch so verfallen aus, dass sichtbar ist, dass hier zwei Zeiträume nicht zusammengehören.

Aber wenden wir uns konkret dem Bild zu: Gelungen ist das Zusammenspiel vom Hauptlicht von vorne und dem Hintergrundlicht, was durch die Öffnung hinten rechts fällt und den Kopf und die Schulter beleuchtet und dadurch die Frau plastischer werden lässt.

Ebenfalls ein netter Kunstgriff ist die Türöffnung, welche einen Rahmen im Bild selbst um das Motiv herum bildet.

Aber auf die Details hätte mehr geachtet werden können. Die Strumpfhose hat eine große Laufmasche, die Ohrringe lenken vom Gesicht hat, die Schärfe liegt etwas vor und nicht auf dem Gesicht, das Schwarz des Kleides ist zugelaufen, die Haare liegen teilweise unerkennbar im Schatten, das Bild hat einen leichten Rotstich, der Torbogen ist oben abgeschnitten und so weiter.

Kurz: Dem Bild fehlt es an einem Konzept. Es dürfte relativ spontan entstanden sein, oder ein Beispiel für die ersten versuche der People-Fotografie sein. Dann hättest Du die Ruhe und Ungestörtheit nutzen können, um auf all diese Details zu achten.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Patrick Therre says:

    das waren die erste Gehversuche mit einem Model 2006 , die Laufmasche habe ich gar nicht gesehen bis ich am PC saß.
    Mia Culpa hier hatte ich die Schwierigkeit mit einen unerfahren Model arbeiten zu müssen so daß meine Aufmerksamkeit auf allem anderen lag als auf den Details.Ich habe mir dies einfacher Vorgestellt als es war . Die Anregungen werde ich mir merken.

    Antworten

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  1. […] auf Verbesserungsvorschläge.Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Thomas Kölsch:Ich habe an dieser Stelle schon oft über die Klischees in der Aktfotografie gelästert und unbestritten gehören […]

  2. […] Folge von “Junge Frau in alten Gemäuern”. Warum das oft nicht gut geht, hatte ich in einer früheren Bildkritik ausführlich […]

  3. […] Kneschke hat in seiner Kritik „Junge Frau in einer Burg“ bereits geschrieben, dass “der Gegensatz junger weiblicher Haut und alten Steingemäuern” schon […]

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