Pferdeaction:
Zu viel Absicht

Zu sehr auf eine Aussage hin fotografierte Bilder vermögen häufig just diese Aussage nicht mehr zu vermitteln.


Kommentar des Fotografen:

Das Bild Pferdmaschine ist bei den Mittelalterspielen beim “Spectakulum” in Weil am Rhein entstanden. Die Verwendung der Pferde ähnelte der einer Maschine. Für mich als “nicht Pferdekenner” eine sehr erschreckende Erfahrung, wie der Mensch andere Wesen instrumentalisiert. Aufgenommen von den Zuschauerrängen mit einer EOS 500D und einer Canon 50mm f1.4 Festbrennweite.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Thorsten Huber:

Ein Weiss-Schwarzes Pferd in mittelalterlich anmutender “Kleidung” stürmt in diesem Farbbild von links hinter dem Fotografen durch eine Flammenwand nach rechts in das Bild hinein. Der Reiter ist nur teilweise zu sehen und wird auf Schulterhöhe vom oberen Bildrand geschnitten; über seiner linken Schulter ist im Hintergrund ein weitere Flamme sichtbar. Hinter dem Feuerwall in der Bildmitte, durch den das Pferd hindurch gezwungen wird, sind im Hitzegeflimmer Zuschauer an Bänken und Tischen zu sehen.

Du nennst Dein Bild “Pferdemaschine” und willst mit der Aufnahme, wie Du sagst, die Instrumentalisierung des Tiers zum Ausdruck bringen. Tatsächlich sind Pferde ein aussergewöhnlich emotionsgeladenes Thema und eine Tierart, dem in vielen Kulturen ein Sonderstatus zukommt: Australier und Amerikaner können es etwa kaum fassen, dass in Europa Pferde für den Verzehr geschlachtet werden.

Dich hat die “Benutzung” der Tiere an der Mittelalterschau bewegt, und Du wolltest sie im Bild ausdrücken. Das ist Dir zumindest so weit gelungen, als der Blickfang der Aufnahme auf dem Kopf des Pferdes und der in der Bewegung eingefrorenen Mähne liegt. Zugleich hat das Bild eine starke Dynamik von unten links nach oben rechts, indem die Beine des Pferdes in der Bewegungsunschärfe, der Kopf aber in eleganter “Action” eingefroren ist. Zusammen mit den Flammen vor dem Tier und deren Widerschein am Hals entsteht viel Bewegung.

Vom Pferd allerdings sehen wir just die wichtigsten Partien nur halb: der Kopf und vor allem der Ausdruck würde mich interessieren, denn dass das Tier als Instrument durch die Flammen gezwungen wird, müsste sich in seinem Gebahren irgendwie spiegeln. Wenn Du darüber hinaus betonen willst, dass der Mensch das Tier benutzt, ist es nicht die beste Wahl, den Mensch auszuklammern und zu anonymisieren: Der Reiter in Deinem Bild ist gesichtslos und mechanisch, eigentlich schon fast eine Puppe auf dem Pferd – und damit willenloses Geschöpf und nicht die dominierende Macht.

Das Bild ist interessant und actiongeladen, aber es transportiert nicht die Aussage, die Du ihm zugedacht hast. Dazu ist zu wenig vom Pferd als Wesen und vor allem auch vom Menschen als Benutzer zu sehen. Wenn Du es also auf die Aussage hin komponieren wolltest, hast Du das Ziel durch das Abschneiden des Reiters verfehlt. Das gilt aber auch für ein reines Actionbild, in dem der Reiter eine weit grössere Rolle spielen müsste.

Es hätte dabei durchaus eine Möglichkeit geben, die Aussage in Bildern von Pferden in Aktion wiederzugeben, auf denen die Menschen nicht einmal ein Bildteil sind – aber die Reiter auszublenden müsste über ungewöhnliche Perspektiven, Schärfentiefeneffekte, Beleuchtung und andere Methoden geschehen und nicht durch simples Abschneiden. Das wirkt eher wie ein fotografisches Versehen – oder aber wie ein “zu Tode gedachtes” Konzeptbild.

Dabei wäre die Aufnahme mit ganzem Reiter jedenfalls als sehr gelungen zu bezeichnen. Aber die von Dir angestrebte Aussage wäre in dem Fall nicht mehr wirklich drin.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Swonkie
    schrieb am 1. Juli 2010 um 16:34 Uhr (#)

    naja, nutztiere sind ja nichts neues.

    abgesehen davon bietet ein durchs feuer springendes pferd viel potential für ein spektakuläres bild. aber der bildausschnitt wurde doch sehr seltsam gewählt. ich kann nichts damit anfangen und es wirkt eher so als wäre der sachliche bildinhalt völlig nebensächlich, und es geht bloss um die farben und formen von flammen und pferdekopf.

    dann ist da aber die seltsame (schutz-)kleidung die pferd und reiter tragen. ich dachte das muss ein feuerschutz sein – also vermutete ich ein pferd im einsatz für die feuerwehr die hier eine demonstration ihres könnens liefert.

    das publikum im hintergrund macht das ganze zu einer art dokumentarbild.

    ich hätte wohl versucht ein dramatisches bild zu bekommen mit den elementen feuer / pferd. möglichst ohne störende elemente wie publikum und “schutzkleider”.

  2. Christian Gruber
    schrieb am 4. Juli 2010 um 06:28 Uhr (#)

    Ich denke mir mal, der größte Fehler war, dich mit einem Festbrennweite – Objektiv auf die Tribüne zu setzen.
    In der Situation war das Auge da, die technischen Möglichkeiten haben aber nichts anderes zugelassen.

    Als normaler Hobbyfotograph kennt man ja meist die Choreographie nicht. Sprich eine geziehlte Bildkomposition ist eher schwierig. Darum würde ich mir mit der Kamera einen technischen Spielraum lassen

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