Ruhiges Kinderportrait:
Glücksfall

Es ist eine Kunst, bei zappeligen Kindern ruhig wirkende Portraits zu erstellen. Mit etwas Körnung und Tonung wirken sie dann sogar zeitlos.

Kommentar des Fotografen:

Wo ist die Marie? Da ist die Marie! Dieses Bild ist beim Spielen mit unserer Kleinsten entstanden. Momentan versuche ich bei meinen Portraits die Umgebung etwas stärker mit einzubeziehen, um ein Gefühl für die Situation dem Betrachter zu vermitteln. Bei der Bearbeitung war mein Ziel, das Bild auf das Wesentlichste zu reduzieren, um so ihren aufgeweckten und freudigen Blick voll zur Geltung zu bringen. Ebenso hat mich die Situation mit starkem Gegenlicht und einem relativ starken Kontrast zum dunklen Vorhang gereizt. Nun würde mich natürlich sehr die Meinung eines Profis interessieren, was ich gegebenenfalls noch besser machen könnte.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Stephan Bremicker:

Bei Portraits entscheiden Sekunden zwischen Gelingen und Vermasseln. Bei Portraits von Kindern sind es eher Millisekunden. Die wenigen, die Dir zur Verfügung standen, hast Du hier jedoch gut genutzt.

Das Modell, in diesem Fall Deine kleine Tochter Marie, schaut mit einem leicht verschmitzten Blick direkt in die Kamera. Als Bildformat wurde das Quadrat gewählt, und auch das Hauptmotiv – der Kopf – befindet sich direkt in der Bildmitte.

Während solche konservative Anordnung manchmal langweilig wirken kann, hilft die Ruhe hier, sich auf den Gesichtsausdruck zu konzentrieren. Dazu passend hat der Fotograf störende Elemente um das Kind herum eliminiert. Zumindest die meisten.

Durch den Vorhang vor- und das Glasfenster hinter dem Kind entsteht eine realistisch anmutende Tiefenwirkung im Bild, welche durch die korrekt gesetzte Schärfe auf dem Gesicht unterstützt wirkt.

Leider lenken drei winzige Details das Auge etwas ab. Am auffälligsten ist der dunkle Strich in der oberen rechten Ecke, der auf jeden Fall retuschiert werden muss. Bei dem dunklen Fleck am Fensterrahmen (sicher das Scharnier) über dem Kind und der Biegung unten im Vorhang ist es nicht zwingend notwendig, würde aber das Bild insgesamt noch ruhiger machen.

Bei manchen Motiven kann die starke Körnung – entstanden durch den ISO-Wert 1000 – und auch die Tonung des Bildes unpassend sein, hier aber führt es zu einer leicht nostalgisch wirkenden Stimmung, die das Porträt zeitlos macht.

Bis auf die kleinen Fehler ein sehr gelungenes Portrait, welches auch der Mutter und Marie selbst noch lange Freude machen wird.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Stephan Bremicker
    schrieb am 9. Juli 2010 um 12:36 Uhr (#)

    Vielen Dank für diese schöne und interessante Kritik!
    Die drei kleinen Fehler sind mir nicht so ins Auge gestochen, aber jetzt stören sie mich auch :) Danke für den Hinweis.

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