Hasselblad-Preis 2010:
Sophie Calle

Die Französin Sophie Calle erhält den Hasselblad-Preis 2010.

Seit über 30 Jahren arbeitet sie an der Verbindung zwischen Fotografie und Text. Die Fotografie blieb jedoch stets das Herz von Sophie Calles Arbeit. Der Hasselblad-Preis gilt als Nobelpreis der Fotografie und wird ihr am 30.Oktober überreicht.

Sophie Calle, Jahrgang 1953, ist Autorin, Konzeptkünstlerin, Fotografin und Regisseurin.

Mehr als 15 Bücher hat Sophie Calle (Affiliate-Link) bereits veröffentlicht. Die Hasselblad-Jury begründet die Preisverleihung 2010 wie folgt:

Seit mehr als drei Jahrzehnten fragt Sophie Calle nach der Beziehung zwischen Text und Fotografie, privater und öffentlicher Person, Wirklichkeit und Fiktion – auf eine grundlegende, ganz eigene Art und Weise. Ihre konzeptionelle Arbeit zeigt die menschliche Verletzlichkeit und untersucht die Beziehung zwischen Identität und Intimität genauso wie die Konstruktion offizieller Geschichte. Ihre Arbeit weckt Emotion und Erzählung im Bild, sie berührt den Betrachter tief und lässt zugleich über die Möglichkeiten und Grenzen der Fotografie nachdenken. Ihr Beitrag zum Verständnis des Mediums hat die jüngeren Fotografengenerationen inspiriert.

In ihren Projekten setzte sich Sophie Calle auch mit dem auseinander, was als “trockener” dokumentarischer Stil in der Fotografie gesehen wird. Auch deshalb kombiniert sie ihre Fotografien meistens mit Texten, die manchmal wie persönliche Tagebücher sind oder auch Zitate im Stil von Interviews.

Sophie Calle erforscht und klärt die so eigene und paradoxe Doppeldeutigkeit der Begriffe Nähe und Wirklichkeit sowie Distanz und Leere, die für die Fotografie so kennzeichnend ist. Die Trennlinie zwischen Kunst und Leben wird bei ihr unscharf und unbestimmt. Wirkliche Situationen entstehen aus erfundenen Geschichten und tatsächliche Umstände erscheinen in einer Aura des Unwirklichen. Manchmal die Jägerin, manchmal die Gejagte, ist ist gleichzeitig die Beobachterin und die Beobachtete.

In einem ihrer ersten großen Projekte zum Beispiel, der Suite Vénitienne von 1980, folgte Sophie Calle einem “Fremden” nach Venedig, beobachtete und fotografierte ihn auf seiner Reise. Die voyeuristischen Detektiv-Fotos veröffentlichte sie dann ein einem Buch zusammen mit ihrem Tagebuch.

In einem ihrer jüngsten Projekte – “Take Care of Yourself” – basiert auf einem Brief, den ihr ein Ex-Freund schickte und in dem er das Ende der Beziehung erklärt hatte. Sophie Calle lud 107 Frauen dazu ein, diesen Brief nach ihrem eigenen Verständnis zu interpretieren. Das daraus entstandene Kunstwerk war 2007 der französische Beitrag zur Biennale in Venedig. Take Care of Yourself (Affiliate-Link) ist als Buch erhältlich, Verlag Dis Voir Actes Sud 2007 (englischsprachig).

Das Material für Sophie Calles Projekte besteht aus: Fügung, Risiko, Verschleierung und Rollenwechsel, Liebe und Herzschmerz, Wirklichkeit und Fiktion, Voyeurismus und Exhibitionismus, Verständnis und Missverständnis, eigene Biografie und Pseudo-Biografie, Opfer und Täter.

Für eine aktuelle Ausstellung von Sophie Calle muss man leider nach Dänemark reisen. Im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk ist eine Auswahl ihrer wichtigen Arbeiten zu sehen – bis 24.Oktober. Vielleicht fährt der eine oder andere nach Dänemark in den Sommerurlaub?

Sophie Calle bei Wikipedia
Hasselblad-Stiftung

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2 Kommentare

  1. Frida
    schrieb am 7. Juli 2010 um 10:42 Uhr (#)

    Die Arbeiten sind wirklich sehr gelungen, da merkt man, wer Meister seines Fachs ist. Mein größter Wunsch ist es eine Profispiegelreflexkamera zu besitzen, um auch ähnliche Fotos machen zu können.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Uli Eberhardt
    schrieb am 7. Juli 2010 um 12:03 Uhr (#)

    Hallo Frida,
    es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass Profitechnik auch gute Bilder macht.

    Nein, die Fotografen machen die Bilder, wenn es sein muss, mit einer Instant-Kamera. Es geht darum, sich auf den Weg zu machen, zu lernen, seine Fähigkeiten zu entwickeln, Geduld zu haben, um eines Tages das Resultat zu bekommen, das man sich immer gewünscht hat.

    Also, anfangen! Und das Geld lieber in die Experimente investieren. Das ist teuer genug.

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