Menschenmasse:
Auf das Licht kommt es an

Lichtflecken geben Fotos ein interessantes Muster, und eine Tiefe und Bildbearbeitung steigert die Dramatik.

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Kommentar des Fotografen:

Das Bild zeigt die Fähre, die jeden Tag nach Mombasa (Kenia) übersetzt. Dabei werden zig Autos und hunderte Menschen transportiert. Beim Anlegen der Fähre marschierten uns die Menschen förmlich hinterher, was ich vom Aufmarsch her recht spektakulär empfand. Man beachte dabei die verschiedenen Charaktere im Bild und deren Treiben. Ich griff also zu meiner D200 mit 18-70mm Objektiv und versuchte das Treiben bei 1/250s (ISO 400) einzufangen. Da mir die Farben zu kühl erschienen, habe ich dem Bild einen Warmton eingehaucht. Das Schiff im Hintergrund wird von der Nachmittagssonne angestrahlt und war gleissend hell.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Christian Loose:

Eine alltägliche Situation. Menschen verlassen eine Fähre und drängen sich Schulter an Schulter zum Ufer.

Das Schöne an diesem Bild ist das Licht. Einmal beleuchtet es am späten Nachmittag nur eine Seite der Gesichter, was den Gesichtern Spannung verleiht. Außerdem wechseln sich in dem Bild Bereiche im Schatten mit sonnendurchfluteten Stellen ab, was dem Bild nicht nur eine Dreidimensionalität gibt, sondern auch automatisch das Auge auf bestimmte Bereiche lenkt. Diese Stellen unterstreichen die Intention des Fotografen, das Gedränge zu zeigen.

Die Nachbearbeitung in Photoshop gefällt mir auch. Der Gelbstich passt zur Szenerie, die Sonnenuntergangsstimmung wird provoziert oder verstärkt. Auch die Vignettiertung, d.h. das Abdunkeln der Ecken des Bildes, verstärkt die Konzentration des Betrachters auf den Bildmittelpunkt. Dieser Mittelpunkt beschreibt eigentlich die ganze Szene. Im Hintergrund der Hafen mit Schiff im Vordergrund die gedrängten Massen plus das gelbe Licht (Hitze).

Ein paar Vorschläge, um vielleicht ein wenig mehr Persönlichkeit in das Bild zu bringen. Das geht natürlich nur, wenn einzelne Menschen stärker in den Vordergrund gerückt werden. Dafür wiederum gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ich nutze ein Teleobjektiv (z.B. 200 mm), um ein interessantes Gesicht im Vordergrund von der Masse herauszuheben, oder ich muss mit einem Weitwinkel sehr nah an einen Menschen heran (die Träger bieten sich hier an). Durch das Weitwinkelobjektiv kann ich auch bei verhältnismässig offener Blende den Hintergrund trotzdem so scharf halten, dass die Szenerie beschrieben wird.

Beim Tele würde der Hintergrund eher in Unschärfe verschwinden.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare

  1. Christian Loose
    schrieb am 15. Juli 2010 um 15:49 Uhr (#)

    Hallo Herr Zappner,

    vielen Dank für die Kritik.
    Auch wenn ich keinen Einzelnen hervorgehoben habe, entfaltet das Bild erst seine volle Wirkung im Format 50×75. Dann kann man jeder genau erkennen. War damals auf jeden Fall recht eindrucksvoll.

    Mit freundlichem Gruß,
    Christian Loose

  2. Swonkie
    schrieb am 15. Juli 2010 um 22:31 Uhr (#)

    einen Warmton eingehaucht

    das ist ja wohl leicht untertrieben ;)

    ich bin kein fan der krassen roten einfärbung und auch die vignettierung dürfte für meinen geschmack dezenter sein. zusammen wirkt es wie ein altes, vergilbtes foto.

    eine bearbeitung in diesem stil könnte ich mir gut vorstellen (ist auch sehr warm, aber kommt etwas natürlicher rüber):
    link

    das ist natürlich bloss mein geschmack.

    1. Christian Loose
      schrieb am 15. Juli 2010 um 22:43 Uhr (#)

      @Swonkie:
      Hehe… ich geb ja zu, dass Rarindra durchaus mein Vorbild zu diesem Zeitpunkt war und das die satte Einfärbung nicht von ungefähr kam… ;-)

      Gruß,
      Christian

  3. Harry Keller
    schrieb am 20. Juli 2010 um 16:32 Uhr (#)

    Ich dachte zuerst, es handelt sich um eine (alte) analoge Fotografie – es hat einen Touch von Lomo. Es ist vielleicht ein klein wenig zu rot, aber grundsätzlich passt der Stil gut zu dem Bild.

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