Gräser im Morgenlicht:
Feuer und Flamme

Landschaftsfotografie kann auch aus simplen Details bestehen – wesentlich ist das Spiel des Lichts und die richtige Isolation des Motivs.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Robert Kalb).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto wurde mit einer Nikon F100 und einem AFs2,8/80-200 mm bei Blende 4 auf Fuji Velvi50 gemacht. Es ist aus einer Serie Gräser im Morgenlicht entstanden. Die kleine Blende und das rote Abendlicht wirkt wie ein Feuer. Danke im voraus, Robert

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Robert Kalb:

Grashalme – aufgeteilt in eine Gruppe im linken Bilddrittel und einen alleinstehenden Halm auf der rechten Seite – scheinen im seitlichen Gegenlicht der flach stehenden Sonne zu glühen. Sie heben sich in der Schärfenebene der bei weit offener Blende und mit langer Brennweite aufgenommenen Fotografie vom verwischten Hintergrund deutlich abgehoben:

Dieser scheint einerseits aus ebenfalls vom Wind stark bewegten Gräsern zu bestehen und ist andrerseits von Schatten- und Sonnenlichtflecken geprägt.

Immer wieder ist in dieser Rubrik der Hinweis gefallen, dass man Bilder mit einfachen Motiven auch einfach gestalten soll: Reduktion bis zum absoluten Motivrahmen, heisst die Devise.

Hier ist dieser Ratschlag von Anfang an umgesetzt worden, und die Wirkung bleibt nicht aus. Dabei können wir uns umgekehrt auch nicht mehr vorstellen, was Du als Fotograf in dieser Landschaft angetroffen hast: Was so einffach klingt – konzentrier Dich auf das absolut Wesentliche – ist nämlich in der realen Welt sehr schwierig umzusetzen: Das Wesentliche zu sehen, den Mut zu haben, es zu isolieren und sich von allem loszusagen, was drumherum auch noch passiert (und zweifellos interessant ist), darin besteht ja ein grosser Teil der Kunst.

Du hast hier nicht nur den Mut zur Isolation gehabt, sondern auch eine nahezu ideale Komposition gefunden. Die Schwierigkeiten dabei liegen häufig in einer Mittleren Tiefenebene, die auch hier, namentlich hinter dem rechten Grashalm, zu sehen ist und die Schärfentiefen-Isolation stört. $

Die Aufteilung in eine Gruppe etwas niedrigerer Gräser links und den Einzelgänger rechts aber schafft eine einfache Dynamik; der Mittelfgrund unterstreicht das Thema Grashalm und verdeutlicht zugleich, dass auch der unscharfe Hintergrund aus Gräsern besteht.

Die Abschattung vorne links und oben rechts bringt zugleich eine Diagonale ins Spiel, und die Bokeh-Ringe im Vordergrund und die Bewegungsunschärfe im Hintergrund (ich gehe von einem Windstoss und einer verhältnismässig langen Belichtungszeit aus) fördern die Räumlichkeit der Aufnahme.

Das Haar in der Suppe? Wenn man eines sucht, findet man eins, und hier könnten es die etwas zu hoch angeschnittenen linken Gräser sein. Und der Umstand, dass Du uns Das Bild nur in relativ geringer Grösse hochgeladen hast…

Dessen ungeachtet gefällt die Aufnahme, und namentlich das einzelne, gestochen scharfe und sehr schön vor dem dunklen Hintergrund freigestellte rechte Gras hat es mir angetan -es wäre aber ohne die andern beinahe wirkungslos.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Andrej says:

    Es ist aus einer Serie Gräser im Morgenlicht entstanden. Die kleine Blende und das rote Abendlicht wirkt wie ein Feuer.

    An Robert:
    Wahrscheinlich meintest Du Gräser im Abendlicht…
    Leider habe ich diese Serie auf Deiner Website nicht gefunden, würde mich interessieren.

    Antworten

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  1. […] das Foto trotz der alltäglichen Pflanzen sehenswert, da wir etwas ganz anders wahrnehmen, als wir es in der Realität tun würden. Das Foto erweitert unsere Wahrnehmung. Genau das zeichnet gute Bilder […]

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