Pferdeporträt:
Kontraststudien

Bei Aufnahmen mit hohem Kontrast oder gar Gegenlicht müssen wir uns entscheiden, worauf belichtet werden soll.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jenniffer Glennon).

Kommentar des Fotografen:

Pferdeportrait, Lichtspiele

Peter Sennhauser meint zum Bild von Jenniffer Glennon:

In diesem quadratischen Bild ragt der Kopf eines offenbar stehenden Pferdes von unten rechts ins Bild hinein. Das Licht kommt von oben links, die Muskeln und Konturen des Pferdekopfs und der Schultern sind teilweise sichtbar. Der Hintergrund scheint ein leicht bewölkter Himmel zu sein, der gegen die Belichtung beinahe ausbrennt.

Bilder mit hohem Kontrastumfang sind eine spezielle Herausforderung. Inzwischen kennen wir zwar HDR als Technik, um mit den grossen Unterschieden zwischen hell und dunkel auszukommen – aber für Schnappschüsse und Strassenfotografie taugt diese Vorgehen wenig, und nicht immer ist der Ausgleich des Kontrasts überhaupt die beste Lösung:

Die Alternative sind dann Fotografien, die auf einen der beiden Bereiche belichtet werden. Dabei wird man – auch wenn grundsätzlich die Faustregel gilt, dass man auf das Licht belichten sollte – vor allem bei Objekten mit interessanten Umrissen auf das Schattenriss- oder Silhouetten-Bild zurückgreifen. Oder aber man belichtet auf die dunkleren Stellen im Motiv und nimmt das Ausbrennen der helleren Teile in Kauf.

Das geht eigentlich ganz gut, wenn es sich zum Beispiel um eine Fotografie eines Objekts vor einem sehr hellen Himmel handelt: Das Ausbrennen sorgt dann – hier im Ansatz zu erkennen – für eine Freistellung des Motivs, wobei die Lichtbrechung an den Kanten schon mal für hässliche Ausfransungen sorgen kann.

Mit Deinem Bild habe ich genau deswegen ein Problem: Die Nüstern ds Pferdes scheinen mir nicht so auszusehen, wie sie sollten – genau an dieser Stelle des Kopfs sorgt die Überstrahlung des hellen Hintergrunds dafür, dass das eigentliche Motiv davon beeinflusst wird; während die Mähnen-Haare am Hals sich deutlich abzeichnen gegen den weissen Hintergrund, stimmt meines Erachtens irgendwas an dem Teil des Kopfes nicht, respektive er wird von den Ausbrennungen überstrahlt.

Wenn ich mir Deine Pferdebilder auf Deiner Website angucke, kann ich dabei nicht von einem Anfängerfehler ausgehen, sondern nehme an, dass DU das Bild bewusst so aufgenommen hast. Ich verstehe allerdings nicht, wieso: Entweder hättest Du auf die Schattenpartien des Pferdes belichten oder das Bild nachträglich mit der Aufhellen-Funktion (etwa in Lightroome) in den Mitteltönen anheben können, oder aber Du hättest von allem Anfang an auf das radikalere Vorgehen mit der Silhouette gesetzt.

Ansonsten habe ich ein zweites Problem mit dem Auge des Pferds, das mir sehr eigenartig erscheint und von einer Schlitz-Pupille wie dem einer Schlange zu ähneln scheint: Auch Tierporträts leben vom Blick in ein Augenpaar, und wenn auch nur eines zu sehen ist, wird jeder Betrachter danach suchen und den Blick erfassen wollen.

Mit der Funktion Aufhelllicht lassen sich in Lightroom die dunkleren Partien des Bildes selektiv aufhellen.

Ich habe in Lightroom versucht, mit einer Aufhellung der dunkleren Töne eine anders gelegte Belichtung zu simulieren: Eine Verringerung des Kontrastumfangs am Pferd selber würde mehr von der Muskulatur zum Vorschein bringen, darf aber natürlich nur an einem RAW-Bild vollzogen werden und sollte eigentlich schon bei der Belichtung bedacht werden.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Jenny says:

    Pferde haben immer waagrecht geschlitzte Pupillen, wie Schafe, Ziegen, Esel, etc. ;-)
    Die Reflektion im oberen Teil des Auges kommt vom Himmel.

    Ich möchte dazu anmerken, dass dieses Pferd in vollem Galopp fotografiert wurde…

    Antworten
  2. Markus says:

    Zumindest Schaafe scheinen horizontale „Schlitzaugen“ zu haben.
    Wenn ich nicht irre, müsste es im dritten Absatz heißen „… – WEIL grundsätzlich die Faustregel gilt …“

    Antworten
    • Swonkie says:

      schaafe :)
      ich hätts nicht geglaubt wenn ich jetzt nicht extra nachgesehen hätte. vielleicht hat ja dieses pferd echt schlitzpupillen?
      einige frösche auch. sind aber nicht richtige schlitze, sonder mehr ovale.

  3. Swonkie says:

    eine klassische situation wo der aufhellblitz hilfreich wäre.

    haha, schlangenauge. könnte das die reflektion des hellen himmels sein?
    ist mir garnicht aufgefallen, aber das kann man ja leicht in photoshop korrigieren.

    schlitzpupillen stehen übrigens (immer?) senkrecht.

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    • Peter Sennhauser says:

      Aufhellblitz: Klar, habe ich irgendwie übergangen – vielleicht, weil ich grundsätzlich nur Blitz benutze, wenn es nicht anders geht. Danke für den Hinweis.

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