Strassenfoto:
Ein Baum im Mittelpunkt

Manchmal macht sich ein Bild durch ein ungewöhnliches Motiv fast von allein. Aber die Wahl des richtigen Standpunktes und Bildausschnitts bleibt trotzdem Aufgabe des Fotografen.

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© Markus Kohlhoff – Nikon D700 – 1/640s – f/5.6 – ISO 200 – 50mm

Kommentar des Fotografen:

Bei diesem Baum musste ich zweimal hingucken, als ich ihn das erste Mal gesehen habe. Er steht an einer wochentags sehr verkehrsreichen Haupteinfallstraße. Ich habe zuerst versucht, die Krümmungen mit Weitwinkel einzufangen, was aber viele störende Hintergrundelemente abbildete. Das Bild hier ist eine – leider nicht ganz scharfe – Ausschnittsvergrößerung. Mir gefällt an diesem Bild besonders der Kontrast naturgemacht (krumm) contra menschengemacht (gerade). Wie könnte man diesen “Urwuchs” noch besser einfangen?

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Markus Kohlhoff:

Zuerst dachte ich beim Anblick des Fotos: Mann, da hat dem Baum aber jemand eine riesige Schleife umgebunden. Erst auf dem zweiten Blick erkannte ich, dass der Baum selbst diese beeindruckenden Windungen macht.

Der Fotograf Markus Kohlhoff hat das richtige Auge gehabt, diese merkwürdige Besonderheit zu erkennen und mit seiner Kamera festzuhalten. Wie er selbst in der schreibt, besteht hier die größte Schwierigkeit darin, den richtigen Bildwinkel zu finden, in dem die Baumkrümmung die meiste Aufmerksamkeit erhält, idealerweise mit so wenig störenden Hintergrund-Bildelementen wie möglich.

Ohne die Umgebung des Aufnahmeorts zu kennen, glaube ich, dass der Fotograf sich für einen guten Winkel entschieden hat. Zum einen sind beide Windungen gut sichtbar, zum anderen erzeugt der ebenfalls gekrümmte Baum im Vordergrund eine gute Tiefenwirkung, ohne wichtige Bilddetails zu verdecken. Als Bonus erzeugen die streng gerade und parallel laufenden Straßenmarkierungen einen guten Kontrast zum krummen Baum.

Vielleicht wäre auch eine Aufnahmeposition um 90 Grad versetzt möglich gewesen, um sozusagen genau durch die Krümmung zu fotografieren. Das hätte aber auf jeden Fall eine andere Wirkung erzielt.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Autos im Bild positiv oder negativ auffallen. Der positive Aspekt ist, dass die urbane, eher “baumfeindliche” Stadtumgebung besser betont wird, nachteilig ist jedoch, dass die Autos das Foto schneller veralten lassen, obwohl doch das Motiv ansonsten fast zeitlos wäre.

Eine geringere Schärfentiefe als Blende 5.6 hätte das Bild aber auf jeden Fall verbessert, um den Baum im Mittelpunkt stärker von der dahinter liegenden Baumkrone abzugrenzen. Alles in allem ist dem Fotografen hier aber ein ansprechendes, humorvolles Bild gelungen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Markus
    schrieb am 27. Juli 2010 um 14:22 Uhr (#)

    Robert, vielen Dank für die Kommentare und Anregungen. Den Tipp zur größeren Freistellung werde ich noch mal ausprobieren.

  2. Schtonk!
    schrieb am 5. August 2010 um 07:51 Uhr (#)

    Also mir ist der vordere Baum bereits zu unscharf und zu nah dran. Da bekomme ich das Gefühl, gleich was im Auge zu haben. Ich wäre also einen Schritt zurückgegangen. So erkennt man gar nicht, dass das auch ein Baum ist.

    Aber klar, ist nicht so einfach, vor allem, wenn man nicht überfahren werden will…

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