Raum und Mann:
Unentschlossenes Portrait

Bei einem Portrait sollte das Hauptaugenmerk auf der Person liegen. Hier fehlt diese Konzentration.

Kommentar des Fotografen:

Tageslicht mit Blitzaufhellung

Profi Jan Zappner meint zum Bild von walo thoenen:

Eigentlich eine wunderschöne Szenerie. Alt und verblichen die Umgebung, staubige Fensterscheiben und Spinnenweben an der Decke.

Ich würde sagen, das Setting stimmt. Nur der Mann im Bild scheint mir igendwie nicht zu passen. Er ist zu weit an den Rand gedrängt, die Szenerie erdrückt ihn geradezu.

Auch das Licht unterstützt nicht die Person, sondern steht allein im Raum und teilt das Foto in zwei Hälften.

Und leider sitzt die Person auf der Schattenseite. Da hilft auch der Aufhellblitz nichts: Zwar erkennt man das Gesicht dadurch ein wenig besser, aber im Vergleich zum Umgebungslicht ist das immer noch zu dunkel.

Auch der Schrank in der rechten Bildhälfte lenkt viel zu stark von der Person ab. Das Dunkel verschmilzt zu sehr mit der Person.

Wie gesagt, mir gefällt die Szenerie, und mir gefällt auch das reduzierte Ausleuchten der Person.

Aber die Kombination stimmt nicht: Schön wäre es gewesen, wenn nicht so viel auf dem Bild zu sehen gewesen wäre. Dann könnte ich mich auch auf die Person konzentrieren.

Zum Beispiel hätte er vor dem herausgenommen Fenster mit Gegenlicht sitzen können. Oder vielleicht in der Ecke mit den ganzen Spinnenweben. Oder dju hättest mit dem Licht fotografieren können, das durch den Boden ganz sicher eine schöne Reflexion verursacht.

Die Pose des Mannes erinnert mich auch ein wenig an Managerposen in Karrierenetzwerken oder Bewerbungsfotos: Nicht besonders interessant, meiner Meinung nach. Ich spüre da nicht den Menschen. Da geht weit mehr.

Die Grundlagen sind in dem Bild alle vorhanden. Es fehlt nur ein wenig Feintuning.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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