Menschenfotos:
Für das Familienalbum

Es bedarf einiger Überlegungen, damit ein Menschenfoto auf mehr Interesse stösst als im privaten Fotoalbum bei Freunden und Verwandten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christof Baumgartner).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christof Baumgartner).


Kommentar des Fotografen:

ich bin mir nicht sicher, ob ich das bild zur kategorie portät oder natur auswählen soll. ich hab mich fürs portät entschieden, das bild entstand im urlaub nach einem abendgewitter an der route 66 new mexiko (usa). was mir am besten gefällt sind die farben, bzw das licht am abend, was mich übrigens in dieser gegend immer wieder faszinierte.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Christof Baumgartner:

Manche Bilder sind wie geschaffen für großformatige Abzüge, die in Galerien oder Museen hängen. Andere Fotos haben ihren perfekten Platz im heimischen Fotoalbum. Dazu gehört auch Dein hier gezeigtes Foto. Worin liegt der Unterschied?

Als Erinnerung an die eigene Reise und als Andenken an eine geliebte Person erfüllt das Foto seinen Zweck. Aber als Porträt wäre es weniger aussagekräftig, da die USA und Fast-Food-Restaurants sicher nicht das Wesen des abgebildeten Menschen wiederspiegeln.

Aber fangen wir andersrum an:

Stellen wir uns das Foto ohne Deine Reiesebegleitung im Vordergrund vor – mit der Schärfe auf dem Restaurant-Schild. Dann wäre das Licht in der Tat gut geeignet für ein Foto, das die Stimmung im Westen der USA ausdrüvcken soll, auch wenn Perspektive und Komposition sorgfältiger hätten gewählt werden können.

Mit einem Menschen im Vordergrund jedoch verschiebt sich beim Betrachter automatisch das Interesse vom Farbenspiel hin zur dargestellten Person. Wer ist es? Was fühlt oder denkt er? Was tut sie da?

Die Wer-Frage spielt eher bei Promi-Portraits eine Rolle. Die anderen beiden Fragen jedoch lassen sich im Bild kaum beantworten. Um dem Foto über das pure Erinnerungsbild hinaus mehr Bedeutung zu geben, hätte mit der Person eine Geschichte erzählt werden können, zum Beispiel die vom Glück, nach einem langen Tag auf dem Motorrad an einem Fastfood-Restaurant anzulangen. Wenn ich eingangs Fotografien in zwei Klassen eingeteilt habe, kann man das hier revidieren: Es lohnt sich eben auch, bei Erinnerungsfotos auf all diese Dinge zu achten, die aus einem Foto ein Bild machen.

Abgesehen von den inhaltlichen hat diese Aufnahme auch formale Mängel. Die Hände sind unten sehr ungünstig abgeschnitten, die Person ist zu mittig positioniert und ihr wächst eine Laterne aus dem Kopf, der Hosenträger ist verdreht, die Masten des Restaurantschildes stehen schief. Mit etwas Übung hätte sich all dies in wenigen Sekunden ändern und verbessern lassen. Und schon wird aus einem Album-Foto ein starkes Bild.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Am meisten stört mich das teilverdeckte Route 66 Schild.
    Insgesamt könnte man auch glauben, die Person im Vordergrund wurde einfach via Fotomontage eingefügt. Vordergrund und Hintergrund haben keine Beziehung zueinander.

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