Fotografinnenporträt:
Bezug aus erster Hand

Den Bezug, den ein Fotograf zu seinem Foto hat, unterscheidet sich sehr von dem, den ein Betrachter zu diesem Bild hat.

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Kommentar des Fotografen:

Der Titel des Bildes ist “The unknown photographer”. Es ist als Schnappschuss im Yoyogi Park in Tokyo mit einer Rolleiflex T entstanden, der Film ist ein Fuji NP 400 PR. Die unbekannte Dame blieb neben mir und meiner Begleitung plötzlich stehen und schaute vertieft in ihre Kamera. Alles musste sehr schnell gehen, ich wählte spontan die offene Blende 3,5 und fokussierte auf ihr Gesicht, dann war die Szene schon wieder vorbei.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Lars Frik:

Jedes Foto, das gemacht wird hält einen kleinen, subjektiven Teil eines großen Ereignisses in sich fest. Da der Fotograf dabei war, als das Foto gemacht wurde und das Ereignis aus erster Hand erlebt hat, hat einen gewissen Bezug zum Foto, den Betrachter nicht haben. Für den Fotografen ist das Foto eine lebende Erinnerung einer dreidimensionalen Erfahrung, während es für den Betrachter einfach eine beiläufige zweidimensionale Abbildung eines Ereignisses, Ortes oder einer Person darstellt.

Die Szene hier ist für den Fotografen offenbar ein erinnerungswürdiger Moment seiner Zeit in Japan. Ist das Foto jedoch ästhetisch stark genug, oder erzählt es eine Geschichte, die fesselnd genug ist, um für den Betrachter von Interesse zu sein?

Das ist hier leider nicht der Fall. Die Schwäche rührt von der Tatsache her, dass es nichts übermäßig Interessantes an dieser Szene gibt, das für jemanden, abgesehen vom Fotografen, von Bedeutung sein könnte. Obwohl die Komposition akzeptabel ist und durchaus zu dieser ruhigen Szene passt, peppt sie die Szene weder auf, noch erhöht sie ihren Aufmerksamkeitswert.

Damit ein Foto auf eine gewisse Art erfolgreich sein kann, muss es in seiner Zweidimensionalität einen Teil einer größeren Geschichte einschließen, der die Kuriosität des Betrachters anstachelt. Es muss eine Geschichte erzählen, ästhetisch ansprechend sein, oder etwas zeigen, das den Betrachter emotional oder intellektuell anspricht.

Erwartet der Fotograf, dass der Betrachter irgendeine Art von Beziehung zu seinen Bildern herstellt, liegt es in seiner Verantwortung, das Foto für jemanden, der nicht am Ereignis teilgenommen oder keine Verbindung zum Geschehnis hat, um sich damit zu identifizieren, interessant genug zu gestalten.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Kommentare

  1. Stefan Koch
    schrieb am 16. August 2010 um 16:58 Uhr (#)

    So schlecht wie das in der herüberkommt, finde ich das Foto allerdings nicht, ansonsten hätte ich den Artikel nicht gelesen – das mache ich nämlich nur dann, wenn mich das Foto zuvor auch anspricht. Dabei habe ich zuerst gar nicht erkannt, dass es sich um eine Japanerin handelt (ansonsten hätte man es vielleicht mit meinem Japan-Interesse erklären können).

  2. thomas neumann
    schrieb am 16. August 2010 um 19:13 Uhr (#)

    ich finde nicht, dass die besprechnung von s. koch zu negativ ausgefallen ist. sie ist m.e. vielmehr sachlich, inhaltlich zutreffend und hebt sich insoweit wohltuend von den besprechungen ab, denen man beim lesen schon anmerkt, dass der autor krampfhaft nach worten sucht, um blos nicht anzuecken.

    in diesem sinne. weiter so.

  3. Frank Haun
    schrieb am 16. August 2010 um 21:09 Uhr (#)

    Ich finde die Bildkritik ist ehrlich und gut und teile sie. An dem Fotos ist wirklich nichts spannendes oder interessantes.

    @thomas neumann
    Sehe ich auch so, die Besprechungen hier sind sehr lesenswert.

  4. Axel
    schrieb am 20. August 2010 um 14:46 Uhr (#)

    Die Kritik an sich finde ich nicht schlüssig genug als dass man sie als konstruktiv anerkennen kann .
    Von einem Profi erwarte ich konkrete Verbesserungsvorschläge .
    Ich jedenfalls kann diese hier nicht finden.
    Zitat:
    muss es in seiner Zweidimensionalität einen Teil einer größeren Geschichte einschließen, der die Kuriosität des Betrachters anstachelt.
    Zitat Ende
    vielleicht habe ich nicht genügend Phantasie um mir vorzustellen wie ich die Kuriosität des Betrachters anstacheln soll.
    Auch wenn ich jemanden emotional oder intellektuell ansprechen möchte , erwische ich damit nur eine ganz bestimmte Zielgruppe .
    Ich denke das Foto ist gut so wie es ist lediglich der Titel könnte Prägnanter sein . “Kontrolle” evtl.

  5. Nicole
    schrieb am 21. August 2010 um 16:00 Uhr (#)

    Das Bild hat mich sofort angesprochen, ich finde es durchaus interessant und geschichtenreich. Die Kritik meines Vorredners am Titel ist die einzige, die ich hier teilen kann.

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