Wasserfallbild:
Grünes Land

Perspektiven – und ihr Wechsel – machen weit häufiger ein wirklich gutes Bild aus, als den Betrachtern bewusst ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jens Fersterra).

Kommentar des Fotografen:

Iceland – Seljalandsfoss

Peter Sennhauser meint zum Bild von Jens Fersterra:

Ein weisser Wasserfall stürzt über eine Felskante im rechten Drittel des Bildes herab. Das Wasser sammelt sich in einem kleinen Pool, der offenbar recht schnell durch eine unfassbar grüne Wiese nach links abfliesst. Der Pool ist umgeben von ebenso grünen, moosbewachsenen Wällen.

Den Vordergrund machen andere Grünschattierungen von belaubten Sträuchern aus, die, dem Lichteinfall nach zu schliessen, ebenfalls noch unter dem Felsvorsprung befinden.

Hinter dem in helleres Grün getauchten Mittelgrund des Bildes in der linken Bildhälfte – wo noch eine kleine Brücke über den Wasserabfluss zu erkennen ist – sind in der Ferne weitere Gewässer und eine Hügelkette zu sehen, darüber erstreckt sich ein von Wolkenfetzen verhangener Himmel.

Island dürfte sich über Bilder dieser Art freuen: Sie rücken die Eis-Insel in die Klischee-Nähe der grünen Insel Irland. Hier strömt das klare Wasser, nährt ein grossartiges Grün unter einem blauen Himmel; die Landschaft bietet Drama und Ruhe zugleich, die Idylle ist dynamisch und nicht langweilig.

Der Clou dieser „makellos“ komponierten Landschaftsaufnahme – die Blickführung über den Wasserfall und den Abfluss leitet einen durch das gesamte Bild, es gibt Tiefe durch Vorder-, Mittel- und Hintergrund, selbst der mittige Horizont ist in diesem Fall angebracht – ist die Perspektive.

Wasserfälle und Wasserfallbilder kennen wir alle, inklusive Regenbogenmuster in der stiebenden Gist.

Hier sehen wir aber für einmal nicht frontal auf den Wasserfall im grünen Rahmen, sondern praktisch aus dem Wasserfall heraus in die Landschaft, die diesen Blick ermöglicht und genau deshalb – freistehender Wasserfall in einer baumlosen Landschaft geradezu verlangt.

Was aber eben nicht heisst, dass man das als Fotograf auf Anhieb erkennt: Erst werd die Szenerie bearbeitet, sich umschaut, Perspektiven sucht und nach dem ungewöhnlichen und zugleich für das Motiv aussagestärksten Standort fahndet, wird ein Bild schiessen, das nicht nur wirksam, sondern auch einzigartig ist. Und das gilt – darauf komme ich in einem separaten Posting nächstens zurück – eben auch für millionenfach fotografierte, weltberühmte Motive. Denn die Perspektive und die Komposition sind keine absoluten Rahmenwerte. Sie ändern sich mit dem Wetter, der Stimmung und der Person, die das Bild aufnimmt. Die Bilder des seljalandsfoss Wasserfalls, die bei Google zu finden sind, bestätigen das eindrücklich – man zähle die Zahl der nicht-frontalen Perpsektiven.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. dierk says:

    Jens, tolles Motiv und toll umgesetzt.

    Es ist sicher so gewollt (wenn ich mir deine super Galerie ansehe), aber mir ist es zu warm in den Farben. Das soll vielleicht als Kontrast zu dem kalten Image der Insel stehen?

    Was mir bei so einem professionellen Bild leider negativ auffällt sind die ausgefressenen Lichter in den Wolken. Da wäre eine HDR Belichtung ideal. Den Vogel kann man dann immer noch aus einem Einzelbild übernehmen :-)
    viele Grüße
    dierk

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