Kunstaktion:
Grosse Herausforderung

Kunstaktionen im Foto festzuhalten ist eine schwierige Aufgabe. Sie geht von klar dokumentarisch bis hin zu eigener künstlerischer Aussage. Nicht immer lässt es sich zum Beispiel so einfach dokumentieren wie Aktionen von Christo.

[textad]

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sandra Rohmann).

Kommentar des Fotografen:

Am Samstag startete bei uns im Revier die Aktion SchachtZeichen: über 300 Ballone schweben über ehemaligen Schächten (von denen es rund 1000 gab). Am Sonntag waren Tausende von Leuten auf „Ballonjagd“, fast alle mit Kamera bewaffnet. Ich habe inzwischen zahlreiche Fotos davon gesehen (und natürlich auch selber gemacht). Dieses hier gefällt mir deshalb, weil es sich von der Masse der Bilder abhebt und die Ballone in eine besondere Beziehung zur Umgebung bringt. Aufgenommen habe ich das Bild auf der Zeche Zollverein mit einer kleinen Ixus von Canon.

Profi Lars Krueger meint zum Bild von Sandra Rohmann:

Kunstaktionen sind schwierig zu fotografieren. Hier sind bunte Ballons über etwas zu sehen, was wie eine Industrie- oder Verkehrsanlage aussieht; der Vordergrund mit Stahlgeländern ist im Gegenlicht zu einer Schwarzen Linien-Struktur geworden, dahinter schweben zwei gelbe Ballons.

Mit der Aktion „Schachtzeichen“ sollten sie an die ehemaligen Schächte im Ruhrgebiet erinnern.

Als unvoreingenommener Betrachter kann ich jedoch auf diesem Bild keinen Zusammenhang zu den Schächten, ja noch nicht einmal zum Ruhrgebiet erkennen.

Wirklich abgehoben von der Masse der Bilder dieses Spektakels hätte es sich, wenn ein klarer optischer Bezug zu einer Zeche bestände. Die Eisenkonstruktion lässt hier leider nicht erkennen, welchem Zweck sie dient oder mal gedient hat, und sie ist auch ohne Spannungsverlauf umgesetzt. Es gibt nur ein wirres Hin und Her von Linien. Die Ballons dümpeln dahinter ohne erkennbaren Grund in der Luft und könnten auch Warn- oder Reklameballons sein.

Es fehlt ein klarer Fokus auf die Architektur im Zusammenspiel mit den Ballons. Interessant in Szene gesetzte Industriearchitektur mit modernen knallbunten Elementen hätte sich hier angeboten. Zu viele Richtungen der Eisenkonstruktion lassen keine klare Komposition zu.

Die Zechenarchitektur bietet auch ohne Ballons aufregende Ansichten, welche Möglichkeiten gibt es dann mit solchen Ballons dazu. Leider alles in allem hier kein interessantes Motiv. Was nicht heisst, dass die Fotografie nicht als spezielles persönliches Erinnerungsbild dienen kann.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Sandra says:

    Hallo Lars,
    vielen Dank für Deine Kritik.
    Den fehlenden Bezug zur Zeche kann ich gut nachvollziehen, aber ich habe mittlerweile so viele Bilder von „Ballon vor Förderturm“ gesehen, dass ich das inzwischen recht langweilig finde, daher habe ich nach einem anderen Motiv gesucht. Aber Du hast Recht, die ganzen Linien sind doch recht wirr, jetzt fällt es mir auch auf. Da ich bei der ganzen Aktion mitgearbeitet habe, bin ich für die objektive Kritik dankbar.
    Mir gefällt’s trotzdem ;-), und ich habe das gleiche Motiv nachts mit beleuchteten Ballonen nochmal aufgenommen (Link dazu, falls es interessiert: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/1393293/display/21325377).
    Viele Grüße
    Sandra

    Antworten

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