Dänisches Würfelspiel:
Polarisierte Landschaft

Ein Polfilter oder HDR sind die Mittel, um dramatische Himmel hinzukriegen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Onno Seyler).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Onno Seyler).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild habe ich neulich auf Römö (DK) aufgenommen. Wunsch war es, polarisiernde Architektur im “Lebensraum” zu zeigen, da mich die nüchternen, kalten Würfel unter dem lebendigen Nordsee-Himmel ziemlich beeindruckt haben. Gar nicht mal so sehr positiv. Ich nenne das Motiv “Dänisches Würfelspiel”. ISO 200, Blende 9, Brennw. 18 mm, HDR aus 1/640 + 1/1252 + 1/320 Sek. (mein 2. HDR! ich übe noch).

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Onno Seyler:

Eine Gruppe Häuser oder Wohnblocks auf Stelzen steht in einer kargen, steppenhaften Landschaft unter einem beinahe schwarzen Himmel. Von links vorne schlängelt sich ein Weg zu den Gebäuden, welche die rechte Hälfte des Bildmittelgrundes einnehmen.

Die horizontale Aufteilung des leicht in die Quere gecroppten Bildes entspricht dem goldenen Schnitt.

Eine Aufnahme wie ein Standbild aus einem Mad-Max-Film: Die surrealen, auch ungastlich wirkenden Wohnwürfel mitten in einer Landschaft, in der wir als Reisende wohl bald Schutz suchen würden, scheinen schon fast feindselig zu uns herüber zu blicken.

Abgesehen davon, dass diese Trabantensiedlung an sich ein spannendes Fotomotiv ist, hast Du sie in der Komposition des Bildes zusätzlich raffiniert arrangiert. Die Landschat wirkt durch den Schnitt und die Weitwinkelaufnahme weit und leer, der Weg im Vordergrund ist das, was unser Auge zu den beieinander stehenden Gebäuden zieht, und diese sind Zuflucht und bedrohung in einem.

Ich kann mir zwar vorstellen, dass die hypermodernen Wohnklötze durchaus spannende Innenräume aufweisen – in der Landschaft wirkek sie tatsächlich äusserst fremd. Sie erwecken zudem durch die Grössenverhältnisse und die Abstufung wie eine zusammengerückte Gruppe von kühlen Wesen, die am Ende des Weges auf uns warten.

Deine Bildaussage ist Dir jedenfalls gelungen, und wahrscheinlich holft die Schwarz-Weiss Umsetzung zusätzlich, eine eher unangenehme Atmosphäre heraufzubeschwören.

Was dazu in dieser Konstellation aber auf jeden Falle inen grossen Beitrag leistet, ist der massiv abgedunkelte Himmel. Auf den ersten Blick hätteich dahinter nur gerade einen Polfilter vermutet, aber in HDR-Aufnahmen ist der gleiche Effekt zu bewirken, wobei er oftmals gleichmässiger ausfällt. Ob HDR hier überhaupt aufgrund der Kontrastverhältnisse nötig gewesen wäre, sei dahingestellt – dass der dunkle Himmel eine grosse Wirkung entfaltet, ist unbestreitbar.

Was in viele Landschaftsaufnahmen erweiternd und öffnend wirken kann, wird hier zu einer verschleierten Zusatzbedrohung von oben: Die Federwölklein sind die letzten Ruhezeichen vor dem Sturm, die einzige Zuflucht ist das eher abschreckende Würfeldorf. Den Rest der Science-Fiction-Story denke man sich selber.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Kommentare

  1. Mir fallen dazu folgende Punkte ein:
    Das Bild könnte für meinen Geschmack kontrastreicher sein. Die meisten HDR-Bilder, die ich bisher gesehen habe wirken oft etwas wie Kontrastbrei, damit auch jedes Detail irgendwie durchzeichnet ist. Dieses Problem lässt sich jedoch in PS ganz leicht mit gezielter Ebenbearbeitung umgehen.

    Die oberste Häsuerkante läuft mittig durch das Bild und wirkt wie ein Bildteiler. Da das Bild offenbar beschnitten wurde, würde ich eher noch etwas mehr Himmel dazu geben, sofern der Schnitt oberhalb erfolgte.

    Das Motiv selbst mit dem ins Bild laufenden Weg, finde ich äußerst reizvoll.

    Gruß,
    Christian

    • das bild gefällt mir gut.

      zum thema kontrast: die D5000 ist sicher unschuldig (ich finde das bild aber überhaupt nicht “zugematscht”).
      ich habe fast den verdacht sowohl der fotograf als auch christian loose verstehen nicht zu 100% was beim hdr prozess passiert. der abschliessende schritt ist ja immer, das bild mit hohem dynamikumfang für den bildschirm zu rendern. dabei wird der enorm grosse kontrastumfang “zusammengequetscht” damit sowohl die hellsten als auch die dunkelsten partien auf dem bildschirm (der ja nur einen sehr kleinen kontrastumfang darstellen kann) abgebildet werden können.
      das ist der grund weshalb hdr bilder immer kontrastärmer wirken. man macht sie ja gerade deshalb weil der kontrast in der abzubildenden szene zu gross war.

  2. @ Christian

    Stimmt, die obere Kante d. Häuser ist zu mittig auf der Vertikalen. Leider gibt es nach oben keinen Raum mehr und unten mehr beschneiden habe ich ausgeschlossen, weil ich sonst den Weg nicht so konsequent links unten im Winkel hätte beginnen lassen können.

    Was auch stimmt: Der etwas zugematschte Kontrast und schwache Dynamikumfang. Irgendwie schafft die D5000 das nicht (oder ich?). Auf http://www.paintedwithlight.de (architecture) ist das Bild allerdings etwas besser als hier.

    Danke für den Tipp,
    O.

    • @Swonkie:
      Ich weiss durchaus, wie HDR-Fotografie unbearbeitet aussieht, aber genau das ist m.E. der Punkt: Die wenigsten trauen sich anschl. per Gradiationskurve wieder ein bischen mehr Licht und Schatten in das Bild einzufügen. HDR soll in erster Linie dazu dienen Zeichnung in allen Bereichen zu haben. Das führt im ersten Anlauf natürlich unweigerlich zu einem kontrastarmen Bild.

      Fotografie ist ja das “Dingsta” mit Licht und Schatten und genau das vermisse ich bei vielen HDR-Aufnahmen. HDR ist meiner Meinung nach ok, aber sollte nicht zu flau sein. Und genau dafür gibt es gezielte Methoden mit Photoshop.

      Gruß und schönes WE,
      Christian

  3. Moin!

    Das Bild gefällt mir sehr gut, wenn ich es auch nen Tick zu dunkel finde..
    Ich hätte nur mal eine Frage:
    Ich wohne in Flensburg und nach Romo ist es nur ein Katzensprung. Wo ist das Bild genau entstanden, könnte der Fotograf evtl. nen Google-Maps-Link hier posten?
    Ich würde mir den Spot gerne mal ansehen und selbst experimentieren.. :)

    Danke und Gruß
    Sven

  4. Nun, der Fotograf versteht schon, was beim HDR-Prozess passiert.

    So muss der Fotograf auch einräumen, dass des selbigen Kommentar unter dem Bild gar nicht stimmt: Es ist natürlich kein HDR mehr. Sondern das müde 8bit-JPG eines HDRs. Und verhältnismäßig zugematscht ist es allemal – wenn man nämlich einen Blick auf ein anderes JPG dieses Motivs wirft, das auf http://www.paintedwithlight.de (architecture) zu sehen ist. Dort liegt anscheinend eine bessere Komprimierung vor (es stimmen alle Kontrastwerte, finde ich), als hier bei fokussiert.com (Tipp/Frage ans Team: Ließe sich künftig vielleicht eine qualitativ bessere Komprimierung beim Upload einrichten?).

    Gruß,
    der Fotograf

    • Onno: Ja, wir komprimieren relativ stark. Tatsache ist leider, dass unsere Homepage allein schon mehrere Megabyte gross war und wir deshalb unbedingt etwas tun mussten – vielleicht haben wir es übertrieben. Ich seh’s mir mal an übers Wochenende.

    • Okay, ja, das verstehe ich. MB-schwere Websites werden dann auch von uns benörgelt. ;-)

      Gruß,
      O.

      PS: Im Grunde ist es ausreichend, wenn man – wie hier ja möglich – auf eine eigene Server-Quelle verlinken kann, wo das Bild dann etwas weniger gepresst liegt. Läuft!

  5. Also mir gefällt das Bild so wie es ist. Was ich besonderst gut finde ist der Kontrast zwischen Natur und “Zivilisation” und das finde ich wichtiger als den “technischen” Kontrast.
    vg
    Peter

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