Schwarz-Weiss:
Strukturelle Spannung schaffen

Es muss nicht eine eindeutige Aussage sein, aber den Grund, warum ein Bild betrachtet werden soll, muss der Fotograf liefern.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ömer Yildiz).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ömer Yildiz).

Kommentar des Fotografen:

Ich interessiere mich für digitale schwarz-weiß Fotografie. Dieses Bild ist eines meiner ersten s/w-Bilder. Es ist an der Ostsee entstanden, die nach Angaben von den Einheimischen ungewohnt zugefroren war.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Ömer Yildiz:

Eine Winterszene an der Ostsee. Ein Steg, viel Himmel, Sand und sogar ein paar kleine Schiffe im Hintergrund.

Eigentlich gar keine schlechte Konstellation für ein Foto. Hier passen jedoch die Einzelteile nicht zueinander und vor allem ist das Bild für ein schwarz-weiss-Architekturfoto zu beliebig. Was ich meine, ist:

Schwarz-weiss lebt von Kontrasten, von Formen, von Linien. Davon sehe ich hier leider zu wenig: Der Steg als architektonisches Element und markanteste Linie verläuft zwar ins Bild hinein, aber ohne wirklich einen Endpunkt im Sinne eines Fluchtpunkts zu setzen.

Er teilt das Bild jedoch doppelt in zwei Hälften: Oben / unten und rechts / links. Dort allerdings, weder oben noch unten noch rechts oder links, passiert etwas. Das heisst nicht einmal, dass dort eine Aktion stattfinden sollte – eine Lichtstimmung würde reichen, ein Blickfang, ein Kontrast, wie eine besondere Form, weitere Linien. Hier ist allerdings außer dem Steg nichts wirklich besonderes zu sehen. Das reicht nicht.

Helfen könnte ein anderer Ausschnitt, der die unwichtigen Dinge ausblendet und das Bild auf wenige aber wichtige Informationen beschränkt und dadurch wieder spannend macht. Zum Beispiel sehe ich die sehr helle Fläche rechts vom Steg. Vielleicht wäre das ja genau die Kontrastfläche zur schwarzen Brücke gewesen, wenn der Ausschnitt weiter nach recht geschoben worden wäre.

Ganz anders sind die S/W-Bilder auf deinem Flickr-Account. Da hast Du jeweils konzentriert ein Detail herausgearbeitet – und plötzlich funktioniert ein Bild.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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