Gotik:
Licht und Stimmung

Licht und Lichteinfall allein machen schöne Motive, Photoshop gibt uns die Gestaltungsfreiheit. Damit kann man dem Bild zu- oder abträglich werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Max Priller).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand im Seitenschiff der St. Martinskirche in Landshut (höchster Backsteinturm der Welt). Ich war von der „Lichtstimmung“ sehr angetan und habe diese versucht in einem Bild festzuhalten. Leider kann ich keine genauen Daten mehr nennen, ausser das ich dieses Bild mit meiner „immerdabei Kamera“ Canon Powershot G11 gemacht habe.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Max Priller:

Ein gotisches Kirchenschiff aus der Ehrfurcht-Sicht des Kirchgängers, für die es gebaut wurde: Die Aufnahme in sanften Sepia-Farbtönen sorgt durch das hochkant-Format für eine zusätzliche Steigerung der hohen Erhabenheit des Baus und erlaubt einen Blick auf die Tragekonstruktion des Dachs im Kirchenschiff. Der starke Kontrast des Lichteinfalls von rechts an die Linke Wand sorgt für eine Spannung, die quer zu den dominanten Linien des Bildes verläuft.

Dies ist keine klassische Architekturfotografie, aber die Architektur spielt eine grosse Rolle darin: Du wolltest den Lichteinfall festhalten, der eine spezielle Stimmung hervorruft – und die ist kein Zufall, sondern Zweck des Bauwerks.

Das Bild lebt vom starken Kontrast zwischen Links und rechts, der leuchtenden Fensterfront und der beleuchteten Wand. Die gewählte Aufteilung des Bildes drittelt die helle Wand gegenüber der dunklen und stellt das Fenster an der Stirnwand in die Vertikale. Alles in allem eine gut komponierte Aufnahme.

Was mich stört, ist der Rahmen. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wozu einem Phostoshop verleiten kann, nachdem man alles getan hat, um ein Bild zum höchsten Eindruck zu bringen – hier noch ein bisschen aufhellen, da noch etwas… Und schon fängt man an, mit Filtern und Masken zu experimentieren – und das tut einer richtig guten Fotografie selten gut.

Eben noch hat Sofie darauf hingewiesen, dass eine kompositorische Rahmung nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist. Ich möchte dem anfügen, dass es direkt ins Bild integrierte Effekte fast gar nie sind. Das ist vielleicht ein puristischer Standpunkt, aber die Rahmung eines Bildes ist (teilweise) Geschmackssache und ein völlig eigenständiger kreativer Prozess, der – auch wenn echte Puristen das ablehnen – nicht nur auf den Inhalt des Bildes, sondern auf die Umgebung Rücksicht nehmen muss, in der das Bild präsentiert wird.

Er soll ja vor allem die Fotografie zur Geltung bringen und nicht selber zum Gestaltungselement werden. Hier allerdings geht die Geschichte noch einen Schritt weiter: Das Gebäude selber, die gotische Architektur, ist eigentlich ein „Rahmen“ für den Lichteinfall und die Stimmung, die Du einfangen wolltest. Eine „Plexiglas-Rahmung mit weisser Kante“ direkt darin einzubauen nicht nur nicht nötig, in den Augen vieler Betrachter stört er ganz einfach. Und die Rahmung eiens Prints dieser Aufnahme ist damit eine fast unlösbare Aufgabe.

Ich musste mich persönlich zuerst ein bisschen mit Photoshop austoben, bevor ich mich entscheiden konnte, die Fotos für sich sprechen zu lassen. Der Moment kam, als ich mich wiederholt mit dem Problem konfrontiert sah, dass ich ein Motiv nicht ausreichend reduziert hatte: Zuviele Elemente, zuviel „Aussage“ ist ein häufiger Killer grossartiger Motive, und die Einsicht, dass weniger mehr ist, reift häufig erst nach vielen Versuchen heran.

Und wenn das für die Aufnahme selber gilt: Ist es nicht ein Widerspruch, in der Komposition alles wegulassen, was dem Bild nicht dient – und dann in Photoshop neue Elemente hineinzubasteln, die oft gar nichts mit dem Inhalt zu tun haben?

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten

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  1. […] nachträglich eingebauten Rahmen in Bildern habe ich kürzlich was gesagt – ich hoffe Du verzeihst, dass ich hier den dicken […]

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