Konzeptfoto:
Eine Hommage an Ophelia

Die sterbende Frau aus Shakespeares „Hamlet“ – gelungen inszeniert als Fotografie nach Vorbild eines Gemäldes.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Horst Hazfeld).

Kommentar des Fotografen:

– Ophelia – Es ist das erste Bild für eine Serie mit dem Thema „Die vier Elemente“. Gezeigt werden Personen in bedrohlichen, beklemmenden Szenerien. Das jeweilige Element taucht als Schicht im Bild auf. Inspiriert hat mich zu diesem Bild das Gemälde der Ophelia von Sir John Everett Millais.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Horst Hazfeld:

Ist die Frau tot? Oder schwimmt sie nur? Diese beiden Fragen beschäftigen den Betrachter fast automatisch – und da ein Foto einen Zweck erfüllt, wenn es den Betrachter zu einer Emotion anregt (in diesem Fall Sorge), ist das Foto gelungen.

Aber auch andere Aspekte tragen dazu bei, dass das Foto „Ophelia“ von Horst Hazfeld gut geworden ist. Zum einen lebt es vom Dreiklang der Farben Grün, Blau und Rot. Das Rot kommt zwar nur als kleiner Farbtupfer vor, aber da es die auffälligste Farbe von allen ist, reicht dieser kleine Bereich schon, um die anderen zwei großen Farbflächen aufzuwägen.

Dazu gibt es noch eine Zweiteilung des Bildes: Der obere Teil ist optisch homogen, aber sehr kleinteilig (sprich: Es ist ein Muster zu sehen), der untere Teil besteht aus wenigen großen Elementen, die dafür aber nicht homogen sind.

Die Haltung der Frau passt ebenfalls. Irgendwo zwischen Sterben und Schweben, Leiden und Entspannen. Fast wie von Wind umweht wirkt das blaue Kleid und sorgt damit für Bewegung im Bild.

Trotzdem gibt es auch hier zwei Kleinigkeiten, die das Bild verbessern könnten. Bei der Frau sind ein Piercing unter dem Mund und ein Tattoo auf dem linken Unterarm sichtbar. Beides ist nur minimal störend, aber ohne diese Elemente würde das Foto langfristig zeitloser wirken.

Viel irritierender ist der dunkle Bogen am oberen Bildrand. Erst dachte ich, das wäre eine Vignettierung, aber dafür ist der Rand zu scharf. Dann dachte ich, es wäre der Rand einer Brücke oder eines Tunnelausgangs, den der Fotograf absichtlich im Bild gelassen hätte. Dagegen spricht jedoch, dass minimal das grüne Blattwerk weiter erkennbar ist. Erst dann dämmerte mir, dass es eine Hommage an das Ophelia-Gemälde von Sir John Everett Millai sein soll. Wenn Du als Fotograf die Referenz jedoch so genau nimmst, dass Du den im Gemälde vorhandenen Bogen einbaust, hättest Du statt der Flasche auch den Bluemstrauß des Originals wählen müssen, da dieser entsprechend der Blumensorten in der viktorianischen Blumensprachen eine wichtige Aussage im Bild hat.

Doch auch ohne den Bezug auf das Gemälde ist das Foto sehenswert. Ich würde den Bogen jedoch entfernen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Horst Hazfeld says:

    Danke für die konstruktive Kritik, die mich teilweise in meinen Entscheidungen bei der Bildgestaltung bestätigt. An dieser Stelle möchte ich die hohe Qualität der Bildbesprechungen hier ausdrücklich loben!

    Auf einige Punkte möchte ich gerne antworten:

    „Piercing unter dem Mund und ein Tattoo auf dem linken Unterarm“
    Kann sein dass die Elemente störend wirken, auf der anderen Seite besteht die Gefahr dass ein aufgeräumtes Bild langweilig wird. Den Zeitbezug finde ich schon wichtig, ich möchte ja etwas über meine Zeit, Gedanken und Erfahrungen erzählen.

    „Ich würde den Bogen jedoch entfernen“
    In andern Arbeiten experimentiere ich gerade mit nicht rechteckigen Bildformaten und unterschiedlichen Formen der Präsentation. Meines Erachtens wirkt das Bild durch den Bogen geschlossener.

    „gibt der Uferböschung zu viel, dem Motiv zu wenig Raum“
    Gerade diese Bildteilung knapp unter der Mitte bewirkt diese bedrohliche und beklemmende Stimmung.

    Freue mich auf weitere Kritiken und Kommentare.

    Antworten
  2. Markus Kohlhoff says:

    Auf den ersten Blick verstört das Bild. Auf den zweiten Blick stören meiner Meinung nach aber auch ein paar Dinge. Die Zweiteilung – Gestrüpp oben, Konzept unten – gibt der Uferböschung zu viel, dem Motiv zu wenig Raum. Auch scheinen die Proportionen der Person (durch Weitwinkel?) verzerrt. Falls das Blau des Kleides den „color key“ für das Element Wasser darstellt, hat dieses selbst eher braunen Erdcharakter. Das Licht empfinde ich für solch eine, zwischen den Welten schwebende Szene als zu kalt. Das verleiht dem Foto Tatort-„Charme“.
    Auf jeden Fall finde ich aber das Konzept sehr interessant und bin auf die anderen Elemente gespannt.

    Antworten

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