Studiobild:
Die Frau, der Kopfhörer und die Leere

Auch bei sehr übersichtlichen Fotos gibt es genug Kleinigkeiten, auf die ein Fotograf achten sollte und die entscheiden, ob ein Bild gelingt oder nicht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gabi Ferenz).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist bei meinem zweiten Shooting im Studio mit meinen Freundinnen entstanden…. leider ist das Licht irgendwie nicht perfekt… könnt ihr mir sagen, was ich noch hätte anders machen können?

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Gabi Ferenz:

Eine junge Frau hört Musik über Kopfhörer. Ein nicht ungewöhnliches Motiv, welches ich selbst über 100 Mal fotografisch umgesetzt habe. Die Fotografin Gabi Ferenz fragt in den Bemerkungen, ob es Tipps für die Verbesserung des Lichts gäbe. Dabei ist das Licht – nüchtern betrachtet – gelungen. Es wurde weiches Licht verwendet, die Tiefen und Lichter enthalten Zeichnung und es gibt keine störenden Schlagschatten.

So gesehen „funktioniert“ das Licht.

Viele Profis hätten von hinten oben noch ein Spotlight verwendet, um einen Lichtreflex auf den Haaren zu erzeugen (deswegen wird das entsprechende Licht gerne „Haarlicht“ genannt) und die Frau noch mehr vom Hintergrund abzuheben.

Es gäbe noch andere Licht-Setups, die verwendet werden könnten, aber ohne zu wissen, was die Fotografin vor ihrem inneren Auge hatte, ist es schwer, da Hinweise zu geben.

Tipps kann ich hingegen zum restlichen Bildaufbau geben. Es ist zwar – vor allem in der Werbe- und Stockfotografie – nicht unüblich, viel Freifläche (Textfreiraum genannt) zu lassen, damit Werbekunden in dieser Fläche ihr Produkt, Slogan oder Text platzieren können. Hier ist es jedoch zu viel freier Platz: Die Komposition wirkt unausgewogen.

Die Frau „kippt“ im wahrsten Sinne des Wortes links aus dem Bild. Sichtbar wird das am abgeschnittenen Arm, der hätte vermieden werden sollen. Die Haltung der Arme und der Blick der Frau deutet auch an, dass im Bereich der Hände etwas passiert. Hier hätte die Fotografin dem Betrachter zeigen können, was genau das ist.

Auch die Kleidung des Models ist noch nicht perfekt. Das geringelte Hemd mit Muster allein wäre okay (auch wenn ich ein Ringelshirt ohne das obere Muster bevorzugt hätte) und auch der Tragegurt der – ich vermute mal, da nicht zu sehen – Handtasche auf einem weißen Shirt wäre ein Stilelement gewesen. Beides zusammen wirkt jedoch zu unruhig.

Für das Foto wäre es sicher ergiebiger gewesen, wenn sich die Fotografin nicht mehr auf das Licht, sondern auf das Modell konzentriert hätte. So klein am Rand entfaltet die Frau noch nicht die Wirkung, die sie hätte haben können.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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