High-Key:
Nicht zu schlicht

Bei einem High-Key-Porträt sollte versucht werden, möglichst viele störende und dunkle Elemente aus dem Bild zu entfernen. Hier ist das nur teilweise umgesetzt worden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Nicole Krämer).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Nicole Krämer).

Kommentar der Fotografin:

Modell: Jennifer – Fotografiert mit meiner Canon EOS 500D, Standardobjektiv

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Nicole Krämer:

Schlicht vs. nicht schlicht. Die Fotografin Nicole Krämer hat beim Porträt des jungen Modells Jennifer eine Art High-Key-Aufnahme probiert. Das ist ein Stil, bei dem – vereinfacht gesprochen – durch Auswahl der Beleuchtung, der Kleidung und Requisiten und der Nachbearbeitung ein Look erzeugt werden soll, der so hell wie möglich ist.

So entstehen oft sehr weiche, anmutig aussehende Aufnahmen, die naturgemäß jungen Frauen sehr schmeicheln.

Das Portrait mit Jennifer ist ein guter Anfang. Die Blende und die für Porträts recht lange Brennweite 109mm (174mm KB) sorgen für eine geringe Schärfentiefe, welche den Hintergrund sanft verschwimmen lässt. Mit einer geringeren Blendenzahl hätte dieser Effekt noch verstärkt werden können. Die Haltung des Modells ist passend und die Haltung der Arme und Beine sorgt für Linien im Bild, die ein Kreuz bilden. Nur der Blick des Modells ist ambivalent: Als ob sich die junge Frau nicht entscheiden konnte, entspannt zu wirken, zu lächeln oder sich unnahbar zu geben. Das Ergebnis ist ein unsicherer Blick.

Dem High-Key-Ansatz stehen auch noch einige Kleinigkeiten im Wege, die das Bild harmonischer gemacht hätte. Der Ring an der rechten Hand und der Ohrstecker am linken Ohr lenken unnötig vom Modell ab und bringen dunkle Flächen ins Bild, die bei einem hellen Look vermieden werden sollten. Das gilt vor allem auch für das straßbesetzte Oberteil, was zu schnell die Blicke vom Gesicht abzieht.

Für einen entspannteren Look hätten die Haare auch offen getragen werden können. So gibt es ein weiteres Muster (Haarband), welches ablenkt und eine Frisur, die eher für Strenge steht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Kommentare

  1. ring und die steine auf dem kleid finde ich völlig ok. das gibt den nötigen kontrast – es sind ja nicht wirklich “flächen”. mich stört mehr das stück baumstamm am rand.

    haltung und ausdruck wirken auf mich etwas unlocker.

    die blende ging vermutlich nicht weiter auf bei dem objektiv (?)

    • hallo…
      bin gerade echt erstaunt,dass soviel bemäkelt wurde!?! ich liebe diese foto…jennifer sitzt ganz entspannt am baum und finde ihren blick auch nicht unentspannt…da sieht man mal wie unterschiedlich ein foto betrachtet wird.
      danke schonmal für eure meinungen :-)))
      man kann nur besser werden!!!
      lg nicole

    • Nicole, dann hast Du doch gerade enorm von der Kritik profitiert: Erstens zeigt sie Dir, dass andere Leute Deine Bilder häufig ganz anders sehen als Du, und zweitens, dass Deine emotionale Bindung (oder meine zu meinen Bildern, was das angeht) einem bisweilen etwas im Weg steht, wenn es um eine nüchterne, sachliche Beurteilung geht.

      Andrerseits ist es natürlich auch so, dass hier grundsätzlich der Anspruch besteht, Dich weiterzubringen und darum kritische Anmerkungen im Vordergrund stehen – es wird kaum jemand “Wow, tolles Bild” in die Kommentarspalte schreiben, weil das eigentlich schon fast selbstverständlich ist ;-).

  2. Ich möchte noch positiv anmerken, dass das Bild durch eine sehr gute Linienführung besticht. Die Punkte, die Peter bemängelt hat, sehe ich relativ unkritisch, da es sich hierbei um eine Outdoor-Szene und nicht im Studio handelt.
    Wenn überhaupt, dann hätte ich links am Rand den Baumstamm weggestempelt.

    Gruß,
    Christian

  3. Ich möchte mal ein grosses Lob für die fundierten Bildkritiken aussprechen. Es sind gerade die, für die einen vielleicht zu sehr gesuchten, kleinen Finessen welche mich als Fotointeressierten extrem profitieren lassen. Dinge, die mir teilweise nicht mal auffallen, die mich aber, nachdem sie angesprochen wurden, unter umständen sogar sehr stören. Aber es sind genau diese Details die ein schönes Bild, und von diesen gibt es viele, von einem aussergewöhnlichen Bild unterscheided.
    Obwohl ich noch nie selber ein Bild eingesandt habe, haben sich meine Bilder nur mit dem Studium der hier gezeigten Bildkritiken schon sehr verbessert. Besten Dank hierfür. Die Qualität des gesamten Blogs und insbesondere der Kritiken sucht seinesgleichen und bereichert mich jeden Tag.

    Anmerkung zu diesem Bild:
    Der Baumstamm der angesprochen wurde finde ich in diesem Bild nicht unpassend. Im Gegenteil. Es gibt meiner Meinung nach dem Bild ein wenig halt. Der Oberarm des Models würde sonst irgendwo ins Nichts hinauslaufen. Da stört mich eher ein wenig der dunkle Fleck des Hintergrundes direkt neben dem Kopf des Models.

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