Makroaufnahme:
Belebter Mini-Engel

In Ausnahmesituationen lohnt es sich, mit unorthodoxer Beleuchtung zu experimentieren. Zum Beispiel auch bei Makroaufnahmen (hier mit Retro-Adapter).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Arvid Kammler).

Kommentar des Fotografen:

Aufnahme einer etwa 10 cm hohen Engelsfigur: Beleuchtung durch Aufsteckblitz und Reflexion per Spiegel von oben zur Erzielung des „Rampenlichts“. Objektiv 18-55 per Retroadapter angeflanscht, für den kleinen Bildausschnitt. Ziel war die Darstellung einer Theaterähnlichen Situation, sowie dem unbelebten Gegenstand Leben einzuhauchen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Arvid Kammler:

Das Gesicht einer steinernen Figur, vielleicht aus Jade, seitlich mit sehr geringer Tiefenschärfe fotografiert. Es handelt sich um eine Makro-Aufnahme mit einem Retroadapter und einem Standard-Objektiv. Das Gesicht des Engels wird von rechts oben beleuchtet – relativ heftige Schattenpartien, die aber keinen zu hohen Kontrastumfang mitbringen, machen das pausbäckige Antlitz plastisch.

Dein Ansatz ist unübersehbar und somit wohl gelungen:

Der kleine Engel hier steht buchstäblich im Rampenlicht und wirkt ein bisschen wie ein eingefrorener Schauspieler mitten in einer Schlüsselszene. Was ich bei einem Menschenporträt nicht empfehlen würde – einseitiges Überkopf-Licht – sorgt hier just für die Stimmung, die Du erzielen wolltest, und wirkt bei einem leblosen Gegenstand nicht nur weniger „falsch“ ls bei einem Menschen: Es sorgt vielmehr dafür, dass der Gegenstand als solcher erfahren wird. Hättest Du versucht, die winzige Figur wie ein menschliches Modell auszuleuchten, wäre wohl ein flaches und unspannendes Bild entstanden.

Die Technik mit dem Retroadapter (hier ein sehr gutes Tutorial dazu) finde ich besonders spannend: Es ist ein sehr preiswerter Weg zu einem Makro-Objektiv, indem es sich nur um einen Ring handelt, mit dem man ein Standard-Objektiv verkehrt herum auf die Kamera schrauben kann.

Die Folge ist indes, dass die Blende sich meistens nicht mehr aus der Standard-Einstellung (vollständig offen) verändern lässt, was eigentlich nicht wünschbar ist, denn gerade bei diesen geringen Abständen wird die Schärfentiefe sowieso sehr kurz. Auf dem oben verlinkten Tutorial findet sich ein simpler Trick, wie sich die Blende VOR dem andersrum anschrauben des Objektivs dennoch auf einen geschlossenen Wert stellen lässt.

Eine weitere Folge ist das Fehlen von EXIF-Daten, denn die Kamera hat bei dem Retroring keine Datenverbindung zum Objektiv. Auch die Scharfstellung ist eine manuelle Sache. Das weisst Du – aber die Leser vielleicht nicht.

Dir ist hier ein raffiniertes Makrobild gelungen, das über die immer wiederkehrenden Insekten hinausgeht und durch die ungewöhnliche Lichtdynamik spannend wird. Man kann ausserdem wohl sagen, das Lichtspielereien dieser Art sich gerade in Makrofotografie hervorragend üben lassen, weil nicht riesige Scheinwerfer in einem Studio vorhanden sein oder verschoben werden müssen, sondern Du praktisch mit einem Tabletop und ein paar einfachen Utensilien alle erdenklichen Beleuchtungsszenarien durchspielen kannst.

Wertvolle Erkenntnis, um sich auch mal mit Kunstlicht-Variationen auseinanderzusetzen, ohne eine Komplettausrüstung zu kaufen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Herbert says:

    Im Gegensatz zu Peter Sennhauser finde ich das Bild grottenschlecht, es würde bei mir im Papierkorb landen oder ich würd´s erst gar nicht machen. Die Weissen sind ausgefressen, die Tiefen nicht satt genug (am kalibrierten Bildschirm). Für dieses Motiv treibe ich keinen Aufwand wie Objektiv in Retrostellung, da gibt es wahrlich bessere Motive. Und richtig scharf ist es auch nicht !

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