Makrofoto:
Die Lese-Fliege

Einfache Makroaufnahmen im Haus machen Spass – aber auch Mühe: Meistens ist Licht Mangelware.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Norman Hamley).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Norman Hamley).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto entstand spontan. Die Fliege las scheinbar die neusten News. Leider habe ich kein Makro, deshalb habe ich mein bereits uraltes Nikkor 18-135mm auf meine D5000 geklemmt. Geschossen @ 135mm, ISO=1600, f/5.6, shutter 1/160, raw, entwickelt in PS4. Die Lichtquelle ist eine Tischlampe, von der man rechts noch den Sockel im Vordergrund sieht. In 100% Auflösung ist das Bild leider nicht ganz scharf (Hand-Verwackelung und die Fliege hat sich dauernd bewegt). Ich hätte gerne einen Tipp wie man in so einer Situation das Bild noch schärfer hinkriegt und auch bezüglich der Belichtung, resp. Helligkeit des Bildes. (Exposurekorrektur? oder ISO=3200 etc? Was macht hier am meisten Sinn?) und auch gerne eine Beurteilung der Bildkomposition und Farbigkeit/Tönung. Besten Dank!

Peter Sennhauser meint zum Bild von Norman Hamley:

Eine gemeine Stubenfliege sitzt auf der Kante einer Tageszeitung, wie wenn sie die darunterliegenden Zeilen lesen würde. Die Schärfentiefe in der Farbaufnahme ist sehr gering, die beiden Worte direkt unter der Fliege sind lesbar, alles andere im Bild ist unscharf.

Im Vordergrund rechts ragt ein metallenes Objekt ins Bild, der Hintergrund gibt eine vage Ahnung von einem Wohnzimmer.

Grundsätzlich ein witziges Bild, auch wenn der Eindruck, die Fliege würde lesen, nicht ganz so offensichtlich ist – er kommt in erster Linie wegen der geringen Schärfentiefe zustande. Auch wenn die Aufnahme nicht eine einzigartige künstlerische Schöpfung ist, habe ich sie ausgewählt, weil sie technisch angesichts der beschränkten Möglichkeiten, die Du hattest, recht gut umgesetzt ist, und weil ich das Problem, das Du ansprichst, behandlungswürdig finde – auch wenn es nicht so sehr mit einer Bildkritik als mit technischen Widrigkeiten zu tun hat.

Zuerst also zum Bild. Komposition und Farbeinstellungen sind gut gewählt, auch wenn die Fliege etwas gar mittig ist – eine typische Autofokus-Erscheinung. Der Trick, je nach Kamera: aufs Objekt scharfstellen, mit halb gedrücktem Auslöser Schärfe und (je nach Einstellungen mit einem zweiten Knopf) die Belichtung speichern, neu komponieren, ganz durchdrücken.

Das Objekt im Vordergrund schafft Tiefe, und zwar mehr als nur die Schärfentiefe: Wir sehen häufig Aufnahmen, bei denen sich Fotografinnen auf die offene Blende verlassen und vergessen, dass grade bei Teleaufnahmen ein Vorder- und ein Hintergrund erst echten Raum schaffen.

Ein Glücksfall ist der kleine Glanzpunkt vorne rechts, der als “Bokeh” sichtbar wird und das Bild gerade genügend aus der Balance wirft. Die Lichtstimmung wirkt etwas fahl, was aber zu der Umgebung – Stube am Winterabend – passt.

Du fragst nach dem Licht, und wie man es optimieren könnte.

Ich habe vor zehn Jahren einen Fotografielehrer über die Digitaltechnik interviewt, und ein Satz hat sich mir eingeprägt: “Es ist grossartig, welche riesigen Möglichkeiten wir plötzlich haben. Aber wenn man es ganz runterbricht, dann geht es in der Fotografie immer noch ausschliesslich um zwei Dinge – Verschlusszeit und Blende.”

Da hast Du eigentlich die Antwort auf Deine Frage. Die beiden Einstellungen, welche die “Lichtmenge” beeinflussen, die Du einfängst, sind Blende und Verschlusszeit. Oder waren, denn was mein Interviewpartner damals unterschlagen hat, ist die Empfindlichkeitseinstellung digitaler Kameras, die neu dazukommt: Die ISO-Empfindlichkeit liess sich in der Filmfotografie eben nur durch die Auswahl des Films bestimmen. Heute schrauben wir dagegen bei schlechten Verhältnissen einfach die Empfindlichkeit hoch, und schon kann`s weitergehen.

Allerdings bezahlt man hohe Empfindlichkeiten mit Rauschen in den Bildern, weswegen ich es als letzte Bastion ansehe, die Empfindlichkeit höher zu stellen. Eine weit offene Blende dagegen verkürzt die Schärfentiefe, was auch nicht immer wünschbar ist. Die Verschlusszeit kannst DU natürlich für beliebige Werte nutzen, was aber Stativ und unbewegtes Motiv voraussetzt.

Die Belichtungskorrektur, die Du ansprichst, hilft Dir nicht – das ist lediglich eine Korrektur der Belichtunsgmessung, weil die auf eine Standardsituation geeicht ist (Sonnenlicht mit bestimmten Anteilen an Schatten) – Du teilst der Kamera lediglich mit, ob und wie stark die reale Situation von diesem Standard abweicht, worauf die Kamera die Blenden/Zeitkombination entprechend anpasst. Sonst würde sie verscuhen, im Durchschnitt des Bildes so viel Licht einzufangen, wie eine Rasenflöche an einem Sommertag reflektiert – weshalb viele Nachtaufnahmen von Laien hoffnungslos über- und Sandstrände/Schneehänge meist unterbelichtet sind.

Was Du immer tun kannst, um schärfere Bilder bei kürzerer Belichtungszeit zu erhalten, ist ganz einfach die Lichtmenge insgesamt zu erhöhen – wir nennen es Blitzlicht… Aber wir gehen davon aus, dass Du mit dem vorhandenen Licht arbeiten wolltest.

Eine Kombination aus “mehr Licht und bessere Schärfe” bestünde in einer kürzeren Brennweite (ein Weitwinkel-Objektiv ist grob gesehen ein Trichter, der Licht aus einem grossen Umkreis bündelt). Ein lichtstarkes Objektiv hilft auch, geht aber einher mit grosser Blende und damit geringer Schärfentiefe – denn die Lichtstärke besagt eigentlich nur, wie weit die Blende geöffnet werden kann; wenn Du mit Blende 4 statt 5.6, aber immer bei 135mm operiert hättest, hätte sich die Verschlusszeit halbiert, das Bild wäre exakt gleich belichtet, aber die Schärfentiefe wäre noch viel geringer.

So, und jetzt zusammenfassend: Wenn Du mit der Lichtmenge arbeiten musst, die in einem Raum vorhanden ist, hast Du mindestens vier Möglichkeiten, um ein “helleres” und/oder schärferes Bild zu kriegen, die aber alle an einer anderen Ecke Auswirkungen haben: Du kannst die Empfindlichkeit hoch schrauben, was je nach Kamera mit Rauschen bezahlt wird; du kannst die Verschlusszeit erhöhen, was das Risiko von Bewegungsunschärfe steigert; Du kannst die Blende ganz öffnen, was Du mit geringerer Schärfentiefe bezahlst, oder Du kannst die Brennweite verkürzen, was den Vergrösserungsmasstab des Objekts verringert und die Komposition ändert.

Welche dieser Lösungen Du anwendest, hängt von der Situation ab und muss spontan entschieden werden. Und das ist gut so, denn diese Entscheidungen haben grossen Einfluss auf den Eindruck des Resultats – es sind eigentlich Gestaltungsmittel des Fotografen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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11 Kommentare

  1. nur eine kleine anmerkung:
    die matrixmessung moderner kameras wie der D5000 geht weit über die annahme einer standardsituation hinaus. es werden eine ganze menge informationen vom objektiv (bei modernen objektiven) und rgb sensor zusammengetragen und mit einer grossen datenbank an gespeicherten situationen verglichen um die wahrscheinlichkeit einer korrekten belichtung zu erhöhen.

    • Swonkie, ich würde davon ausgehen, dass die Motiverkennung dabei mit steigendem “Prosumer-Level” der Kamera sehr moderat ausfällt: Wenn nämlich die Kamera anfängt, Hypothesen für die Situation zu erstellen, verliert sie die Berechenbarkeit für den Fotografen. Will heissen: Auch komplexe Entscheidungen eines Computers müssen innerhalb eines Rahmens von Standardsituationen stattfinden – und mit gehobenem fotografischem Anspruch verschwinden die Standards, was Motiv und Situation angeht.

      Gesichts- und Lächelfokus, automatische Motiverkennung und Belichtungskorrektur bei (vermutlich) Schnee und Sandstrand mögen für die Touristen-Point-And-Shoot in Ordnung sein, ich als Fotograf will nichts von diesen Entscheidungen von der Kamera gefällt haben und riskieren, dass sie meine Gestaltung plötzlich aufgrund irgendwelcher schleierhaften Berechnungen “korrigiert”.

      Ich lasse auch deswegen meine D300 fast permanent auf mittenbetonter Belichtungsmessung und ebensolchem Fokuspunkt eingestellt.

    • jetzt bekommen wir hier aber ein begriffsdurcheinander. smileshutter und gesichtserkennung für den autofokus sind andere features die nichts mit der lichtmessung zu tun haben.

      natürlich haben mittenbetonte messung und spotmessung immer noch ihren platz – nämlich wenn man maximale kontrolle will UND zeit für die einstellungen hat.
      meiner erfahrung nach ist die matrixmessung (bei nikon) aber hervorragend und liefert fast immer eine korrekte belichtung.

      hier ist noch ein link zu einer etwas besseren funktionsbeschreibung als ich sie liefern konnte.

      http://nikonusa.com/Learn…rix-Metering-II.html

    • jetzt bekommen wir hier aber ein begriffsdurcheinander.

      Also ich nicht. Ich rede generell von Computerfunktionen in den neuen Kameras. Ihnen ist gemeinsam, dass Sie mir zwar Arbeit abnehmen, aber immer auch Gestaltungsmöglichkeiten.

      meiner erfahrung nach ist die matrixmessung (bei nikon) aber hervorragend und liefert fast immer eine korrekte belichtung.

      Was bitte ist denn eine “korrekte” Belichtung? Bei einer Gegenlichtaufnahme beispielsweise, oder bei einer Nachtaufnahme – oder in einer typischen HDR-Kontrastsituation? Da wir ohnehin anderes sehen als die Kamera, ist “korrekt” relativ und kann sich nur an einem definierten Standardwert orientieren.

      Mir ist es viel lieber, dieser Standard-Wert ist konstant und ich kann lernen, welche Abweichung ich mittels Belichtungskorrektur etc wählen muss, um meine Vorstellung der Belichtung zu finden, als dass die Kamera anfängt, nach eigenem Gutdünken zu korrigieren, und plötzlich Fotograf und Elektronik anfangen, gegeneinander zu arbeiten.

    • Was bitte ist denn eine “korrekte” Belichtung?

      ganz einfach. so dass die hellste stelle im bild gerade nicht ausbrennt bzw genau so hell ist, dass sie anfängt auszubrennen. so kann man den maximalen dynamikumfang des sensors ausnutzen und die meisten bildinformationen speichern. sprich es geht nichts verloren und man hat in der nachbearbeitung die grösste flexibilität.

      im praktischen sinne sollten aber z.b. kleine highlights die nicht grossflächig sind und deutlich heller als der rest der szene lieber ausbrennen damit der wichtige bildteil genügend dynamikumfang erhält. und genau so passiert das auch meistens wenn ich die matrixmessung benutze.

      natürlich gibt es extreme lichtsituationen wo die kamera nicht wissen kann was der fotograf will z.b. bei gegenlicht (wollen wir den hellen hintergrund auch abbilden oder soll er ausbrennen und dafür der vordergrund heller erscheinen…).

      bei nachtaufnahmen gilt das gleiche. hier entsprechen die highlights typischerweise hellen punktförmigen lichtquellen die man lieber ausbrennen lässt weil sonst der rest des bildes nachtschwarz ist.

      eine “hdr kontrastsituation” wie du sagst ist wieder ein anderes problem. da ist nämlich der dynamikumfang der bildteile die wir abbilden wollen viel zu hoch für den sensor. da hilft keine einstellung der welt, man muss mehrere aufnahmen machen.

      Mir ist es viel lieber, dieser Standard-Wert ist konstant und ich kann lernen, welche Abweichung ich mittels Belichtungskorrektur etc wählen muss, um meine Vorstellung der Belichtung zu finden, als dass die Kamera anfängt, nach eigenem Gutdünken zu korrigieren, und plötzlich Fotograf und Elektronik anfangen, gegeneinander zu arbeiten.

      natürlich, jedem seine arbeitsweise. ich bin froh dass ich mich in der regel nicht darum kümmern muss und benutze einfach die korrektur wenns mal nötig ist (wenn man wieder auf das gleiche motiv zielt kommt ja auch immer wieder zuverlässig die gleiche messung raus, matrix ist nicht = zufall).

    • @ Swonkie – jetzt argumentierst Du aber aus fotografischer und nicht kameratechnischer (auf die meisten Sofort-Anwender ausgerichteter) Sicht. Du beschreibst die “nach rechts belichten”-Regel; die funktioniert zwar, verlangt aber in aller Regel eine Nachbearbeitung und taugt für vollautomatische Belichtungsmessung meiner Ansicht nach eher noch weniger als die 18%-Mitteleinstellung. Ich hab übrigens nachgeschaut und Schneebilder meiner D300 gefunden, die klar unterbelichtet sind – mit Matrixmessung… ;-)

      @Christian: Danke für die Ergänzungen – einfach, aber wichtig, daran hatte ich noch nicht mal gedacht.

    • jetzt argumentierst Du aber aus fotografischer und nicht kameratechnischer (auf die meisten Sofort-Anwender ausgerichteter) Sicht.

      ich weiss nicht wie das gemeint ist.

      Du beschreibst die “nach rechts belichten”-Regel; die funktioniert zwar, verlangt aber in aller Regel eine Nachbearbeitung

      jein.
      ich meine nicht “nach rechts belichten” bei motiven mit äusserst niedrigem kontrastumfang (wie nebel) um dann in der nachbearbeitung zu korrigieren.

      der kontrastumfang der dinge die wir abbilden wollen ist fast immer grösser als derjenige des wiedergabemediums (monitor oder papier). wir haben also weder am hellen noch am dunklen ende des spektrums etwas zu verschenken. eine typische nachbearbeitungstätigkeit ist doch genau, die “levels” so anzupassen dass im histogramm eine eventuell vorhandene lücke verschwindet – sprich dass wir irgendwo im bild echte schwarz und weiss werte haben. ansonsten verschenken wir kontrast. genau diese bearbeitung ist nicht nötig, wenn die belichtung so präzise war dass wir bereits weisse stellen haben. ausserdem wird so wie gesagt der dynamikumfang des sensors optimal ausgenutzt. wenn wir nämlich nur einen teil davon benutzen, müssen wir in der nachbearbeitung die tonwerte “auseinanderzerren” und haben ein zerstückeltes histogramm (banding und so, allerdings weniger ein problem wenn mit raw gearbeitet wird) und verstärken das bildrauschen in den dunklen bereichen.

    • Das geht ein bisschen weit hier und steckt im falschen Thread, aber es ist erhellend.

      jetzt argumentierst Du aber aus fotografischer und nicht kameratechnischer (auf die meisten Sofort-Anwender ausgerichteter) Sicht.

      ich weiss nicht wie das gemeint ist.

      Das ist so gemeint, dass zwischen einer technischen, auf Lichtmengen basierenden “Beurteilung” der Belichtung im Algorithmus und der auf die Inhalte bezogenen des Fotografen Unterschiede bestehen, die in Zahl und Auswirkung exponentiell zunehmen, je häufiger die Motivsituation vom Standardwert (Sonnenlicht, grüner Rasen – Glocken-Histogramm) abweicht.

      Dieser muss deswegen ja schon in Point-And-Shoot-Kameras mittels die Motivprogrammen gewechselt werden, denn erstens sollen die Bilder auf Anhieb “natürlich” wirken – also muss eine Entscheidung über das Clipping des Histogramms getroffen werden – und zweitens lassen sich in JPGs mit ihrem massiv reduzierten Kontrast die Werte nachträglich kaum mehr anpassen.

      Meine D300 hat aber keine Motivprogramme, und ich glaube nicht, dass sie in der Matrixmessung weitgehende Etscheidungen über das Motiv trifft; die Zahl der Lichtstituationen, die stark vom “Standard” abweichen, ist in meiner Fotografie auch deutlich höher als bei der typischen Familienfotografie.

      Ich bestreite nichts von dem, was Du sagst, ich bezweifle bloss deine ursprüngliche Aussage, die ich dahingehende interpretiert habe, dass neue SLRS faktisch eine Art Motivprogramme mit weitreichenden Entscheidungen in der Matrixmessung aufweisen. Meiner Erfahrung nach versucht die Matrixmessung (weitgehend) unabhängig von der Grösse der Lichtquellen eine durchschnittliche Menge Licht einzufangen, weshalb der Mond bei Matrixmessung am Nachthimmel auch dann ausbrennt, wenn ich ihn mit dem 400er im Bildzentrum zu fotografieren versuche.

      Sobald eine massgebliche Entscheidung über das Clipping auf der einen Seite des Histogramms getroffen werden muss, wäre ein Algorithmus fehl am Platz: Gegenlichtberge als Silhouette oder mit ausgebranntem Himmel? Nebel, Schnee, Sand, Gewitterwolken, Low-Light, Blaue Stunde, dunkle Strassensituationen – eine “Motiverkennung” jenseits eines Standardwertes würde zu ständig wechselnden Ergebnissen führen, was die Matrixmessung mit reflexartiger Belichtungskorrektur durch den Fotografen aus Erfahrung hin zum gewünschten Ergebnis verunmöglichen würde.

      Diese reflexartige Korrektur kann nur funktionieren, wenn der Fotograf sein gewünschtes Ergebnis aus Erfahrung über das, was die Kamera mit der Situation macht, treffen kann, und das setzt konstante Ergebnisse der Matrixmessung ohne “Interpretation” durch einen Algorithmus voraus. Etwas anderes würde bedeuten, dass Point-And-Shoot oder die kleinen SLR mit Motivprogrammen dem Fotografen mehr Entscheidungsfreiheit liessen als die SLR, was ich mir weder vorstellen kann noch wünschen würde.

    • ja das wird jetzt wirklich langsam episch :)

      und evt. basiert die ganze diskussion auf einem missverständnis. von motivprogrammen habe ich nämlich nicht gesprochen. die kamera macht mehr eine statistische analyse der gelieferten werte von objektiv und rgb sensor.
      es sind ja auch keine 30000 bilder in der kamera gespeichert, sondern die messdaten von 30000 bildern und dazu jeweils die gewünschte belichtungseinstellung so wie sie die techniker für gut beurteilt haben.

  2. Meiner Meinung kann ein Computer(Messprogramm) nie alle Situationen korrekt belichten, sprich es gibt ganz einfach keine korrekte Belichtung für einen Programm. Entscheidend ist was ich will. Oft macht das Messergebniss das was ich will. Manchmal nicht. Die Dynamik ohne HDR Technik ist immer fix. Bleibt nur meine Intention. Wenn ich z.B.keine grüne Wiese zeigen will sondern eine schwarze dann ist es so (und ich verwende die Belichtungskorrektur) …

    In 100% Auflösung ist das Bild leider nicht ganz scharf (Hand-Verwackelung und die Fliege hat sich dauernd bewegt). Ich hätte gerne einen Tipp wie man in so einer Situation das Bild noch schärfer hinkriegt

    Die Bewegungsunschärfe der Fliege kriegst du nur mit der Verschlußzeit unter Kontrolle.
    Auch in einer spontanen Situation gibt es viele Möglichkeiten Hand-Verwackelungen zu verringern.
    1, Verwende ein Stativ. Klingt vielleicht doof, aber oft gibt es trotzdem die Möglichkeit eines Stativeinsatzes. Vielleicht auch nur eine Einbeinstativ. Genauso oft hab ich die Kamera schon auf eine feste Unterlage abgestellt. Oder ein Sandsack / Bohnenkissen / Reiskornkissen. Auch eine Wand ist besser als nichts geeignet zum Anlehnen / Abstützen. Oder eine Sessellehne.
    2, Werde zum Stativ:
    2.1, Richtige Grifftechnik – Linke Hand stützt das Objektiv, Rechte Hand hält den Korpus und drückt den Auslöser.
    2.1.1, Drücke den Auslöser nicht sondern rolle die Fingerkuppe drüber.
    2.2, Halte den Atem an / oder atme aus und dann löse aus.
    2.3, Wickel den Tragegurt der Kamera um den rechten Ellbogen und das rechte Handgelenk und spanne das sich bildende Dreieck.
    2.4, Vibrationsreduzierung aktiviert? (z.B. Canon IS Objektive) oder anders formuliert: Stelle deine Kamera immer zurück auf eine Schnappschußeinstellung (nicht fix iso12800, nicht manueller fokus, nicht Timerauslösung, nicht 2 mal Belichtungskorrektur,…)
    2,5, Mache Serienbilder.
    2,6, Bleibe ruhig: Ein Biathleth beruhigt auch seinen Puls, bevor er vom Langlaufen auf Schießen wechselt. Bedeutet für dich: wenn du vollgas in die Wohnung rennst, deine Kamera schnappst, zurücksprintest, um dann ein Foto unter anspruchsvollen Lichtbedingungen aus der Hand zu machen kannst du nur scheitern.

    • Vielen Dank für die spannende Diskussion und die bracuhbaren Tipps!

      Vermutlich hätte tatsächlich ein Stativ eine kürzere Verschlusszeit von z.b. 1/200 oder 1/250 ein schärferes Resultat gebracht. Ich hätte das Bild in der Nachbearbeitung ja noch etwas aufhellen können. Oder ich hätte auch mein Nikkor 35mm 1:1.8 Objektiv montieren können um mehr Licht einzufangen. Dieses Objektiv hat ebenfalls eine gute Naheinstellgrenze. Wie es dann mit der Tiefenschärfe geklappt hätte würde ich ja auf dem Resultat sehen.
      Das 135mm hatte leider noch kein. Vibrationsreduktion.

      Die Tipps mit dem Tragegurt über dem Ellbogen und dem Abrollen des Fingers beim Auslösen kannte ich noch nicht und werde sie künftig in den Ablauf einbauen!

      Auf lange Sicht werde ich wohl nicht um das Nikkor 105mm Micro VR herumkommen.

      Nun, für einen “Selbst-Druck” auf A4-Format (oder Postkarte) reicht es ja in der vorliegenden Qualität.

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