Konzeptfoto:
Lasterhaftes Model

Die Sieben Todsünden sind eine Motivreihe, der sich seit Jahrhunderten gerne Künstler annehmen. Auch heute noch wird versucht, einen neuen Zugang zum alten Thema zu finden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kiara Katharina Schimmel).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kiara Katharina Schimmel).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild ist Teil meines “7 deadly sins” Projektes und zeigt Faulheit.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Kiara Katharina Schimmel:

Nanu, das Foto kenne ich doch von der Photokina? Dort hing neben vielen anderen Ausstellungen eine mit dem Thema “7 Deadly Sins”. Eben noch an der Wand, nun eins der Bilder bei fokussiert.com zur Bildbesprechung – wir freuen uns!

Die Umsetzung der Sieben Todsünden, sei es als Gemälde, Zeichnung oder Fotografie, ist ein sehr beliebtes freies Projekt von Künstlern, siehe hier, hier, hier, hier, hier oder hier.

Es gibt sogar mehrere Flickr-Gruppen, die nur solche Motive sammeln. Auch die Fotografin Kiara Katharina Schimmel hat sich dieser uralten Liste angenommen und versucht, sie auf ihre Art zu interpretieren.

Genauer gesagt enthält die Liste keine Todsünden, sondern die Hauptlaster, welche als schlechte Charaktereigenschaften fast unweigerlich zu den schweren Sünden führen:

Dazu zählen Hochmut, Geiz, Wollust, Völlerei, Zorn, Faulheit und Neid. Aktuell zählt die Katholische Kirche in ihrem Katechismus (Nr. 1866) acht sogenannte “Hauptsünden” auf: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit und Überdruß.

Wer jetzt versucht, eine der Laster dem Foto zuzuordnen, ohne den Kommentar der Fotografin gelesen zu haben, merkt schnell, was an dem Foto verbesserungswürdig ist: Die Zuordnung fällt nicht leicht.

Zeigt das Modell Hochmut, Wollust oder Faulheit? Dazu kommt, dass bei den ersten Aufzählungen dieser Laster im 4. Jahrhundert mit Faulheit eher “geistige Trägheit” gemeint war, salopp könnte man auch “Dummheit” sagen, bis sich das heute zur allgemeinen Trägheit gewandelt hat. Dieser Begriffswandel spiegelt sich im Bild nicht ganz wieder.

Absichtlich habe ich als Beispiele anderer Künstler nur Fotografien gewählt. Es fällt auf, dass viele Fotografen entweder einen sehr altertümlichen Look erzielen wollen oder sich auf die Gesichtsmimik konzentrieren.

Du hast den Beauty/Fashion-Look zur Darstellung gewählt und diesen zumindest genregerecht gut umgesetzt. Leider auch mit dem fashiontypischen “Reh im Scheinwerfer”-Blick, wie ich ihn gerne nenne, der kaum eine Emotion im Modell-Gesicht verrät.

Sehr gelungen jedoch ist das Make-Up. Wer genau hinschaut, sieht, dass dem Modell künstliche Wimpern UNTER die Augen geklebt wurden. Das erzeugt auch bei geöffneten Augen den Eindruck schlafender Lider und passt damit perfekt zur Trägheit. Ein eleganter Kunstgriff!

Verbessert werden können hätten auch noch die Federn, die noch zu geballt ins Bild fliegen. In der Regel wird das so gelöst, dass viele Aufnahmen mit den fliegenden Federn gemacht werden, die in der Postproduktion per Hand ausgewählt und ins Bild gefügt werden.

Insgesamt ist das Foto eine sehenswerte Umsetzung eines beliebten Foto-Motivs, was aber noch verbesserungsfähig ist.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Kommentare

  1. Der erste der erkannt hat dass die Wimpern die Trägheit unterstützen sollten! Ich hatte die Hoffnung schon aufgeben, die meisten dachten dabei an blaue Veilchen durch einen Boxkampf.
    Ansonsten kann ich mich nur bedanken. Jedes Bild kann verbessert werden und Kritik ist der beste Weg dorthin. Und hier hab ich sogar noch geschichtlich was gelernt, denn dass im 4. Jahrhundert mit Faulheit eher “geistige Trägheit” gemeint war, wusste ich auch nicht.
    ( Das kommt davon wenn man nur nach mytologischen Darstellungen der 7 Sünden sucht und recherchiert)

    Ja, das Bild hing auf der Photokina und ist auch dort mit den 6 anderen der Serie geklaut worden.

  2. Entscheidet euch doch bitte mal, wie die Fotografin heißt. Einmal nennt ihr sie Schimmel, später Simmel. Namen sind Nachrichten, hab ich zumundest mal in meiner Ausbildung gehört. ;)

    Gruß,
    Ina

    • Stimmt, da fehlten zwei Buchstaben. Ist korrigiert und sei entschuldigt, nachdem Kiara selbst sich ja “Black” nennt…

    • Frei nach dem Motto ” Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten”.
      Ja, meine Fotografien wereden unter meinem Künstlernamen “Kiara Black” veröffentlicht. Mittlerweile kennen mich unter de Namen mehr Menschen als unter meinem Richtigen.

  3. Emotionen sind schwierig zu fotografieren. Ganz ehrlich gesagt wäre ich auch nie auf die Bildaussage Faulheit gekommen. Obwohl nach genauer Betrachtung das Model faul daliegt.
    Beim Überlegen, was ich als faul erkennen würde, kommen mir Begriffe in den Kopf wie “entspannt” “locker”. Meine Körperhaltung, wenn ich faul bin, beschreibt sich mit “blos keine (Muskel)Kraft aufwenden”.
    Dein Bild wird für mich dominiert von den Federn auf der Brust und den Haaren, weiters wirkt auf mich stark die Linie des Kleides (vom Hals weg leicht geschwungen senkrecht bis unter den Unterarm der linken Hand) in der Bildmitte. Ein Hauch Erotik kommt auf, dazu kommen die betonten Augen. Interesse wird geweckt, aber auf Faulheit komme ich nicht. Obwohl die Frau faul dalehnt, wirkt die Position aufgrund des gespannten linken Armes nicht faul. Genauso scheint der Oberkörper durch das Kleid gerader zu sein als er ist. Die Federn verhüllen die Kontur der Brust, eigentlich ist ja der Körper nicht im 90° Winkel abgebildet, das Gesicht schon.
    Bleibt noch der Sessel und der Hintergrund. Der Hintergrund ist gebrägt von der 100% scharf gestellten Blümchentapete, dazu noch relativ hart zentral beleuchtet.
    Überlege mal wie das Bild wirken würde:
    1, Linker Arm 20cm weiter vorne = Ellbogen auf Lehne.
    2, Rote Polsterung mehr sichtbar (etwas Licht drauf, Model rutscht etwas nach rechts auf Sessel) und lädt zum faulenzen ein
    3, Die Augen sind nicht wach in die Kamera, sondern etwas entspannter an der Kamera vorbei gerichtet.
    4, Leichte Unschärfe des Hintergrundes würde dem Bild die harten Konturen nehmen

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