Anja Bohnhof:
„Fremdesland“ DDR

Wie bewahrt sich nach zwanzig Jahren Wiedervereinigung die Alltagsgeschichte der DDR? Anja Bohnhof lässt uns schauen.

[textad]Anja Bohnhof, aus der Serie DDR - museale Ansichten, 2003

Einerseits wird die Geschichte in Museen nachgebaut. Andererseits erinnern viele „real-existierende“ Spuren an die verflossene Zeit. „Fremdesland“ heißt Anja Bohnhofs aktuelle Ausstellung in Brunsbüttel.

Mit vier Serien illustriert Anja Bohnhof die Alltagsgeschichte der DDR. Zum Beispiel erzählt die Serie „Innere Angelegenheit“ über die ehemaligen Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit, die Stasi eben.

Anja Bohnhof, Serie: Innere Angelegenheit, 2008

In der Serie „DDR – museale Ansichten“ dokumentiert Bohnhof die Inszenierungvon DDR-Alltagsgeschichte in musealer Erinnerung. Alttägliche Gebrauchsgegenstände wanderten nach der Wende in vielen ostdeutschen Haushalten auf den Sperrmüll. Im Abstand von zehn und mehr Jahren dienen solche Gegenstände der Illustration des Alltags in der DDR in eigens dafür geschaffenen Museen. Bohnhofs Fotografien zeigen Abbilder von konstruierten Räumen, in denen ein scheinbar objektives Bild von Vergangenem geschaffen wird. Aber dieses Vergangene ist aus zweiter Hand.

Anja Bohnhof, Serie: Fremdesland, 2006-2007

Die Serie „Fremdesland“ spürt Orten nach, die während des DDR-Regimes zwangsweise geräumt und geschleift wurden. Vor allem die „Grenzsicherungsmaßnahmen“ führten zu diesen Zwangsumsiedlungen. Noch bis Mitte der Achtzigerjahre wurden im Jahrhunderten gewachsene Dörfer entlang der Demarkationslinie von ihren Bewohner entvölkert und abgerissen. Anja Bohnhof kombiniert Ihre Fotografien mit Zitaten aus dem „Magazin für Haus und Wohnung“, einer auflagenstarken Ratgeber-Zeitschrift – das „Schöner wohnen“ der DDR.

In ihrer neusten Arbeit „Zu den Akten“ widmet sich Anja Bohnhof den Archiven, in denen im staatlichen Auftrag die DDR-Geschichte aufbewahrt wird. Parallel stellt sie zusammen mit der Fotografin Karin Weinert auch in Weimer aus. Thema sind dort museale Gedächtnisstätten heute berühmter Persönlichkeiten, ausgeräumt allerdings und damit jeder persönlichen Erinnerung beraubt: „Abwesenheitsnotizen“, Haus Am Horn, Unesco-Weltkulturerbe, Am Horn 61, D-99425 Weimar.

Anja Bohnhof, Serie: Zu den Akten, 2010

Anja Bohnhof, Jahrgang 1974, studierte „Visuelle Kommunikation“ an der Bauhaus-Universität in Weimar. Seit 2006 hat sie einen Lehrauftrag für Fotografie/Redaktionelle Praxis an der Fachhochschule Köln. Auf Anja Bohnhofs Website finden wir ihre Projekte und weitere Informationen zu ihrer Arbeit, Bilder zeigt sie dort leider keine.

Anja Bohnhof – Fremdesland
Bis 31.Oktober
Stadtgalerie im Elbeforum, Von-Humboldt-Platz 5, D-25541 Brunsbüttel
+49 (0)4852 540017, info@stadtgalerie-brunsbuettel.de
Geöffnet Mittwoch bis Samstag 15 – 18 Uhr, Sonntag 11 – 18 Uhr

Anja Bohnhof
Stadtgalerie Brunsbüttel
Haus Am Horn Weimar

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