Mitzieher:
Bewegung als Motiv

Fotografie kann Vorgänge als Motiv haben, weil sie anders sieht als wir.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Moritz Wörle).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist im Rahmen eines Projektes für die Schule entstanden. Selbstgewähltes Thema war „Bewegung“. Die Technik die Kamera mitzubewegen während sich das Objekt bewegt hatte es mir angetan. Ich habe probiert das ganze in verschiedenen Situationen umzusetzen wie z.B. in diesem Bild eines Besuchers in einer Kathedrale.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Moritz Wörle:

Ein Mann in rotem Pullover mit hinter dem Rücken verschränkten Armen geht in diesem Bild von der Kamera weg in einen zeremonialen Raum. Es kann ein Rathaus, eine Uni oder ein Gerichtsgebäude, vielleicht auch ein Museum sein: Am Boden ist in der Bewegungsunschärfe ein Siegel zu erkennen. Die Kmaera wurde für die Aufnahme in einer Drehbewegung dem Mann entsprechend nach rechts mitgezogen.

Diese Aufnahme hat etwas, obwohl sie kein an sich spannendes gegenständliches Motiv zeigt. Deine selbstgestellte Aufgabe, Bewegung zu zeigen, hätten zwar die meisten von uns wohl anders und mit deutlich mehr „Schwung“ gelöst, aber das Bild ist sehr spannend, weil es seinen Inhalt nicht auf den ersten Blick preisgibt:

Die Person in der Bildmitte ist sichtlich entspannt in leiser Erwartungshaltung: Hier wird etwas erkundet, in schlenderndem Gang durch ein ehrwürdiges Gebäude spaziert – und die Bewegung ist dabei ebenso schön eingefangen wie das Licht, das den Besucher in ein Spotlight setzt, während die Wand vor ihm im Schatten zu liegen scheint.

Die Bewegungsunschärfe, die das Bild „macht“ kommt ihm allerdings an einer Stelle auch ein bisschenin die Quere, indem ich nicht erkennen kann, was die Person in den Händen auf dem Rücken hält.

Klonarbeit und leichter BeschnittMehr noch allerdings stört mich ihre zentrale Positionierung – etwas mehr links mit Raum zur Drehung nach rechts hätte dem Bild gutgetan (siehe Beispiel). Ausserdem ist das grüne etwas and er Wand vor dem Besucher deutlich im Weg, weil genau über dem Kopf – ein Fall für das Klonwerkzeug.

Alles in allem aber eine spannende Studie die zeigt, dassdie Sichtweise der Kamera Vorgänge zum Thema machen kann, die wir von blossem Auge nicht als solche wahrnehmen können.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. anonym says:

    Es ist schon unglaub interessant, was eine Available Light Fotografie vermag. Aber ich würde mich dabei auf die Schwarz-Weiss-Fotografie beschränken, eine solche hebt die besondere Feinheit der Tonwerte und Schatten noch besser hervor.

    Antworten

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