Kinderporträt in Schwarzweiß:
Der sorglose Augenblick

Unbeobachtet fotografiert entfaltet sich die Persönlichkeit des Porträtierten am besten, denn alles Gestellte fällt weg. Wenn dann auch noch alle anderen Faktoren wie Komposition und Beleuchtung stimmen, ist das Ergebnis mehr als nur ein gutes Porträt.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Stephan Bremicker).

Kommentar des Fotografen:

Flo ist ein enthusiastischer Feuerwehrfan. Ich habe hier versucht einen dieser Momente festzuhalten in denen er in seine Fantasiewelt versunken ist, um kurz darauf wieder loszurennen und das Ausgedachte zu spielen.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Stephan Bremicker:

Glückwunsch zu diesem meines Erachtens sehr gut gelungenen Porträt. Es hatte mich sofort in seinen Bann gezogen, als ich es auf dem Bildschirm auftauchen sah, und jedes Mal, wenn ich es mir ansehe, entdecke ich im Blick des Jungen etwas anderes:

Nachdenklichkeit, Verträumtheit. Interesse an dem, was er sieht. Die Erklärung, daß es sich um etwas handelt, was mit Feuerwehr zu tun hat, ist für den Betrachter hier irrelevant, weil man aus dem Kontext des Porträts nicht ohne weiteres erkennen kann, worauf Flo schaut.

Dieses Foto hat alles, was ein gutes Porträt haben sollte. Stimmung. Die Komposition stimmt, die Beleuchtung. Durch die kleine Blende ist der Hintergrund verschwommen und der Junge im Bild gut freigestellt. In seiner Jacke sind genügend Details vorhanden, um sie nicht wegsumpfen zu lassen. Du hättest wahrscheinlich auch mit ISO 100 fotografieren können, wenn genügend Licht für 1/3200 s vorhanden war. Letztendlich spielt das aber keine große Rolle.

Und Du hast Flo in einem Augenblick „erwischt“, als er in sich versunken alles um sich herum vergessen hatte. Deshalb hat er in seiner Selbstversunkenheit auch nicht bemerkt, daß er fotografiert wurde, und aus diesem Moment heraus entstand ein Foto, das etwas mehr erkennen läßt, als nur einen hübschen Jungen.

Diese Art Aufnahme ist mir auch persönlich immer am liebsten, und meistens bitte ich meine Modelle, nur dann zu lächeln, wenn sie natürlich lächeln können. „Dental Exams“ oder Zahnuntersuchungen, wie Amerikaner das nennen, also gekünstelt-breites Lächeln kann ich nicht ausstehen. Und wie man hier sieht, ist dieses Schaulächeln nicht nur nicht notwendig, es hätte dieses Bild sogar kaputt gemacht.

Ich würde mich freuen, noch weitere Fotos von Dir hier zu sehen!

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Stephan Bremicker says:

    Das ist aber eine schön Überraschung. Ich hatte gar nicht mehr dran gedacht, dass ich dieses Bild eingereicht habe. Vielen Dank für diese schöne Analyse und das Lob!
    Zum Thema ISO 200: ich habe zu der Zeit versucht zu verstehen, wie sich die verschiedenen ISO-Werte auf den Dynamik-Umfang des Sensors auswirken. Von daher ISO 200.
    Auch noch ein herzliches Dankeschön an die Kommentatoren!

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  2. Uwe Kath says:

    SW finde ich super! Schärfe da wo sie hingehört!
    Auch das gewählte quadratische Format trägt meiner Meinung nach zum gelungen Bildaufbau bei.
    Super Porträt. Glückwunsch!

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  3. Andreas Wenter says:

    ein Hammer das Foto – als ich die Seite aufgemacht habe ist es mich sofort „angesprungen“ – man mag sich länger bei der Betrachtung Zeit lassen – das hat was – Glückwunsch – hoffe mehr von Dir zu sehen. lg Andi

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  4. Sven Hirthe says:

    Sehr schönes Bild. Klasse Blick für die Situation. Und SW ist meiner Meinung nach auch perfekt für dieses Bild.
    Die Spiegelung im linken (vom Betrachter aus rechten) Auge finde ich etwas störend.

    Grüße
    Sven

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