Makro-Naturaufnahme:
Kleine grosse Libelle

Auch mit dem Tele lässt sich Makro-Fotografie erstellen. Besonderes Augenmerk verlangt dabei die Schärfentiefe.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Bernhard Schindele).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Bernhard Schindele).

Kommentar des Fotografen:

Habe ich ohne Stativ fotografiert.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Bernhard Schindele:

Eine Libelle bei der Eiablage an einem Tümpel oder einer Pfütze. Das Tier steht im Zentrum der Aufnahme mit sehr geringer Schärfentiefe. Eine Art natürliches Spotlight entsteht durch eine punktuelle Sonnenbestrahlung, die den Rücken und den Kopf des Insekts in grelles Licht taucht. Der Hinterleib ist gekrümmt in den Schlamm gestreckt; von den vier Flügeln sind drei gut sichtbar, zwei ragen dem Betrachter fast im rechten Winkel entgegen, weshalb einer kaum auszumachen ist.

Insekten sind ein ebenso beliebtes wie schwieriges Fotomotiv:

Erstens sehen sie allzu häufig einfach gleich aus – Bienen und Fliegen haben wir alle schon oft gesehen – zweitens halten sie nur in bestimmten Momenten so still, dass man sie bequem fotografieren kann. Professionelle Insekten- und Makrofotografen operieren deshalb mit Lichtschranken und anderen Sensoren, mit denen die Tiere im freien Flug auf einer bestimmten Fokusebene vor der Kamera buchstäblich “erwischt” werden können.

Unsereins muss sich da noch mit einfacheren Mitteln behelfen: Blumen, auf denen sich die Bienen ihren Pollen zusammensuchen, oder, wie hier, am Sumpf, wo die Libelle ihre Eier legt. Auch dafür gibt es spezielles Gerät: Makro-Objektive, die einen hohen Abbildungsmassstab ermöglichen und besonders einen kurzen Objektabstand erlauben, und Blitzanlagen, die sich direkt auf die Objektivringe setzen lassen.

Du hast diese Aufnahme schätzungsweise mit einem normalen Teleobjektiv bei 250mm Brennweite geschossen, und das auch noch aus der Hand, was eine ziemliche Leistung ist, denn das Bild weist eine anständige Schärfe auf. Dafür ist die Schärfentiefe sehr gering und lässt schon die rechte Seite des Tiers verschwimmen, und die beiden Flügel, die uns aus dem Bild entgegenragen, sind am Schulteransatz scharf und verlaufen dann gegen den Betrachter hin.

Ich tippe ausserdem darauf, dass es sich um einen Ausschnitt aus Deinem ursprünglichen Bild handelt. Denn der Abbildungsmassstab ist bei Teleobjektiven ohnehin meist kleiner als bei Makro-Objektiven, und mit der Nahgrenze – der minimalen Distanz zum Objekt – lassen sich Motive vielfach nicht formatfüllend ablichten. Ein weiterer Nachteil besteht in der weit offenen Blende bei hoher ISO-Empfindlichkeit, die für diese Brennweite im Halblicht des Waldes unabdingbar sind.

Als Vorteil des Teles gegenüber dem Makro kann man umgekehrt die Distanz sehen, die man zum Motiv haben muss – denn diese Libelle hätte sich kaum auf einige Zentimeter auf die Pelle rücken lassen.

Dein Bild lebt vom “Sonnen-Spotlicht”, das auf der Libelle liegt, wie wenn sie ein Darsteller auf einer Bühne wäre, und leidet zugleich unter dem hohen Kontrast, der dadurch zu den Beinen im schattigen Vordergrund entsteht. Ein besonderes Problem stellt die geringe Schärfentiefe dar, indem Du Dich entscheiden musstest, wo genau Du den Fokuspunkt setzt: Zwei Drittel der Schärfenebene liegen hinter, ein Drittel vor dem Fokuspunkt.

Objekte, die in der Tiefe aus der Schärfenebene “herausragen”, können damit durch einen nach vorn oder hinten versetzten Fokuspunkt anderes gewichtet werden. Du hast hier wohl auf die vorderen Beine scharf gestellt – damit ist gewährleistet, dass sie und sicher noch der Kopf des Tiers scharf sind, während die hintere Beinreihe bereits in der Unschärfe verschwimmt. Eine umgekehrte Wahl – und damit ein Fokus auf dem Kopf des Tiers – hätte eigenartig gewirkt.

Trotzdem wäre mehr Schärfentiefe wünschbar, indem die nach vorne ragenden Flügel fast ganz verschwinden, die hinteren aber, obwohl sie fast parallel zur Bildebene stehen, auch nicht durchgehend scharf sind.

Nichts desto trotz würde ich die Aufnahme als geglückt bezeichnen und mich über das Spotlight-Porträt freuen, auch wenn es sich nun weder um die ultimative Dokumentations-Fotografie noch ein einzigartiges Naturbild handelt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Ich danke Dir Peter für deine ehrlichen Worte.
    Grüße aus Freiburg

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